Autor Thema: Mietlinge  (Gelesen 449 mal)

Offline Tarin

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Mietlinge
« am: 03. Oktober 2012, 17:47:21 »
Ich recherchiere hiermit mal für einen Blogartikel und außerdem frage ich mich das tatsächlich:
Warum gibt es eigentlich so wenig RPGs mit Mietlingen? Die "klassische" Abenteurergruppe besteht ja aus 3-5 Mitgliedern, einem eventuellen Vertrautentier und das wars.
Es gibt aber auch Ausnahmen. Die Oldschool D&D Gruppe heuert erstmal ein paar Extraschwerter, ein paar Fackelträger, Wagenführer, Scouts usw. an, bevor sie sich ins nächste Abenteuer stürzt. Savage Worlds hat haufenweise Feats, die sich auf große NSC Gruppen unter dem Kommando der SC beziehen. Ars Magica liefert von Haus aus keine Abenteurergruppe, sondern einen ganzen Konvoi an "Mitläufern". Seit ich das für mich entdeckt habe, finde ich das eigentlich viel cooler als die Einzelgruppe. Tote Charaktere sind schnell ersetzbar, man hat als SL haufenweise Typen für Charakterplots an der Hand und viele Hände tragen natürlich auch direkt mehr Krempel aus der Schatzkammer ~;D

Das Vorgehen kenne ich beispielsweise von DSA gar nicht. Auch die Dungeonslayers ziehen lieber alleine los, um den Dungeon zu slayen. Gurpsler? Keine Ahnung. Der Vampir von Welt hat vermutlich ein paar Ghoule, aber ziehen die mit ihm durch die Stadt oder sind die eher Beiwerk für den Hintergrund?

Warum?


Gruß,
Tarin

Ich stelle den Thread parallel übrigens ins große :T:

Offline Belchion

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Re: Mietlinge
« Antwort #1 am: 03. Oktober 2012, 18:07:55 »
Ich vermute, "Mietlinge oder Einzelkämpfer" entscheidet sich in erster Linie anhand des Hintergrunds der Spieler. Die frühen D&D-Spieler kamen vom Wargaming-Tabletop, für sie war es also keine große Umstellung, wenn die Heldenfigur etwas Kanonenfutter dabeihat. Wenn man hingegen aus der Fantasyliteratur oder von Computerspielen zum Rollenspiel kommt, ist man deutlich auf den Einzelgänger (bestenfalls eine sehr kleine Gruppe) geprägt.

Ich erinnere mich auch noch an einen Hinweistext aus DSA, in dem es heißt, der Meister solle verhindern, dass die Spieler "namenlose Waffenknechte führen, die sich zum Schutz der Helden vor sie werfen, um Pfeile abzufangen".

Offline Zornhau

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Re: Mietlinge
« Antwort #2 am: 03. Oktober 2012, 20:52:48 »
Ob man angeheuerte NSCs führt - nicht alle sind "Mietlinge", sondern manche kommen auch aus anderen Gründen unter die Kommandohoheit der SCs - entscheidet vor allem das gespielte GENRE, das SETTING und die gespielten CHARAKTERKONZEPTE:
 
Im Detektiv-Genre ist ein einzelner Detektiv oder eine sehr kleine Gruppe üblich.
Im Militär-Genre ist eine ganze Einheit, die größtenteils aus NSC-"Kameraden" besteht, üblich.
Im Piraten-Genre hat man ein paar wenige SCs, aber eine vergleichsweise riesige Mannschaft, um ein Segelschiff überhaupt betreiben zu können.
Im Western gibt es den Lone Gunslinger oder die kleine Gang ebenso wie einen ganzen Cattle Drive mit einer Unzahl an NSCs zu organisieren.
usw.

Es ist halt eine Frage des GENRES.

Im Genre "Fantasy" ist im Sub-Genre "Sword&Sorcery" ein Charakter eh so kompetent, daß er keine beigeordneten NSCs braucht um seine Herausforderungen zu bewältigen. Oft sind solche NSCs einfach nur Kolorit der jeweiligen Szene. - Im Genre "D&D-like-Fantasy" ist hingegen in einem weniger hochkompetent angesiedelten Bereich eine Handvoll Helfer, Handlanger, Henchmen&Hirelings einfach hilfreich und manchmal überlebensentscheidend. - Das ist hier eine Frage des Sub-Genres bzw. der konkreten Spielwelt, des konkreten Settings.

In einer Spielwelt, die auf einzelne HELDEN-Figuren fokussiert ist, werden diese selbst ausreichend kompetent sein, ohne gleich mit einem Dutzend Gehilfen pro SC anzutreten. Z.B. die meisten Superhelden/Superhelden-Teams, bei denen die Helden wesentlich kompetenter als die Normalos sind und hier bestenfalls ein Butler als "stylischer Zusatz" noch eine Rolle spielt, aber KEINE untergeordneten Helfer-Gruppen.

In einer Spielwelt, in der die Charaktere zwar HELDEN spielen, aber diese FÜHRER von Gruppen sind, z.B. die Magier bei Ars Magica, die Rippers in ihrer Rippers-Loge, die Ordensritter in Necropolis, usw. ist vom Setting bereits vorgegeben, daß die SCs anderen NSCs führen und anleiten werden. - SCs in solchen Settings kommen an der Rolle des ANFÜHRERS nicht vorbei!

Es ist halt eine Frage des SETTINGS.

Charakterkonzepte wie der Offizier, der Michaelit (bei Engel), der Söldnerführer, der Magier (in Ars Magica), der Piratenkapitän, der Captain des Firefly-Raumschiffs, etc. sind Konzepte, die einfach NICHT OHNE Untergebene, Geführte, Soldaten, Matrosen, usw. funktionieren. - Solche Charakterkonzepte BRAUCHEN einfach eine Gruppenstruktur, bei der nicht nur die anderen SCs Befehlsempfänger sind, sondern eben ausreichend NSCs der SC-Gruppe zuordnen, daß diese Charakterkonzepte eben ihren Anteil am Rampenlicht erhalten können.

Wer einem Kommandeurs-SC keine Truppen zu kommandieren gibt, der sabotiert diese Art von Charakterkonzept! Darauf muß auch der SL achten, denn die Spieler der meisten Mit-SCs sind meist eh viel zu renitent und nicht kooperationswillig bzw. kooperationsfähig genug, daß sie in einer hierarchischen Führungsstruktur mitzuspielen in der Lage wären. (Das ist eines der Hauptprobleme bei allen militärischen Rollenspielen, bei allen Spielen mit Schiffs- oder Raumschiffsbesatzung und anderen hierarchischen Gruppen-Konzepten.)

Es ist halt eine Frage des CHARAKTERKONZEPTES.

Die Genres, Settings, Charakterkonzepte, die nur solche "Einzelkämpfer" oder "Kleinstgruppen" ohne jegliche Verantwortung für von ihnen gesteuerte NSCs vorsehen, sind in MEINER Rollenspielerfahrung eher in der Minderzahl. (Was aber daran liegen mag, daß ich solche Rollenspiele mit "Hach, ich bin der cooooole einsame Einzelgänger"-Gruppen eh nicht auf dem Schirm habe. Ich MAG VIEL Interaktion von SCs mit NSCs und daß SCs sich auch für ihre Unterlinge VERANTWORTLICH fühlen. Die marodierenden, asozialen Einzelgänger-Rollkommandos, die manche Rollenspieler bevorzugen, sind mir Greuel.)

Die meisten Rollenspiele erlauben das Spielen von Einzelkämpfern, von Kleingruppen mit wenig Helfern und von größeren Gruppen/Kommandostrukturen (wie Schiffsbesatzungen usw.). - Je nach REGELSYSTEM bietet ein Rollenspiel für solche Führungsaufgaben auch regelseitige Unterstützung oder es läßt die Spieler und den Spielleiter im Regen stehen.

Daher vergällen es einem manche Regelsysteme einfach, NSCs mitzuführen, während andere gerade den Charakterkonzepten des Anführers den erwünschten Ball zuspielen und regeltechnische Unterstützung liefern.

Offline BoyScout

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Re: Mietlinge
« Antwort #3 am: 04. Oktober 2012, 00:06:29 »
Ich denke, die Abwesenheit von Mietlingen ist in erster Hinsicht eine Frage der Verwaltung. Es kann halt mitunter sehr lästig und aufwändig sein, für dutzende von Leuten Wasser, Nahrung, Schlaf, Lebenspunkte etc.. nachzuhalten oder nur festzulegen, wer sich gerade wo befindet.

Das Zweite hat etwas mit der "Charakterimmersion" oder wie auch immer ihr das nennen wollt, zu tun. Die ist ja gerade bei DSA sehr wichtig. Viele Spieler gehen halt erst dann richtig auf, wenn sie die Spielwelt nur und ausschließlich durch die Augen ihres Charakters sehen. Sich um andere Charaktere zu kümmern gehört genausowenig dazu wie z.B. allzu erzählerische/dramatische, nicht spielweltphysikalische Spielregeln oder Player Empowerment.
Mir hat in SW z.B. explizit mal ein Mitspieler gesagt, dass er keinen Bock hat in den Kämpfen die Allies zu kontrollieren, weil die nichts mit seinem Charakter zu tun haben. Da habe ich zum Teil als SL selbst die Allies der Spieler gesteuert (also quasi gegen MICH SELBST gespielt).
« Letzte Änderung: 04. Oktober 2012, 00:09:55 von BoyScout »

Offline Der Rote Baron

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Re: Mietlinge
« Antwort #4 am: 17. Oktober 2012, 20:51:18 »
Es ist eine Frage des Verwaltungsaufwandes und des Setting, hier vor allem der Kompetenz und Stärke der Charaktere. Wenn zum Beispiel in Solomon Kane die Charaktere wirklich meinen, sie könnten den Stützpunkt der Fliegenden Vampire im Herzen Schwarzafrikas, den alle umliegenden Völker, die Kannikablestämme und selbst die arabischen Skalvenjäger meilenweit umgehen, alleine besuchen und das überleben - nun, dann sind sie schwer auf dem Holzweg. Gleiches für Erststüfler bei Labyrinth Lord und ihrem Ausflug in die Orkhöhlen.

Es ist aber (zumindest bei mir) auch eine Frage des Systems. So blockiert unser HERO System-SL stets das mitnehmen von NSCs als Mietlinge mit dem Argument: "Erstens doof, zweitens zu viel Zeck und drittens müsst ihr die dann als Follower (absoluter QUARK!) kaufen. Und viertens: Lasst das!"
Spiel Old-School oder ich kollektiviere dich mit meinem Gygax-Strahl!

Offline Greifenklaue

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Re: Mietlinge
« Antwort #5 am: 10. Februar 2013, 10:35:11 »
Ich denke, die Abwesenheit von Mietlingen ist in erster Hinsicht eine Frage der Verwaltung. Es kann halt mitunter sehr lästig und aufwändig sein, für dutzende von Leuten Wasser, Nahrung, Schlaf, Lebenspunkte etc.. nachzuhalten oder nur festzulegen, wer sich gerade wo befindet.

Das Zweite hat etwas mit der "Charakterimmersion".
Halte auch beide Beobachtungen für richtig.

Ich hole mir zudem echt ungern Mietlinge, weil ich die ja nicht meine Arbeit machen lassen will. Sprich, irgendwie haut das mit der Herausforderung nicht mehr ganz hin in meinem Kopf, obwohl ich sie ja letztlich mit meinen Ressourcen bezahle ...
Gewürfelt - nicht gedreht !!!

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