Autor Thema: [Alex Schröder] Regelwälzer  (Gelesen 2479 mal)

Offline kensanata

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[Alex Schröder] Regelwälzer
« am: 11. März 2013, 10:06:27 »
Regelwälzer mag ich nicht.
Auf der Suche nach einem (einfachen) Kampagnen Wiki?

Offline Blechpirat

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #1 am: 11. März 2013, 11:44:25 »
Ich auch nicht. Ich hab ja im Moment einen etwas besseren Einblick in die Branche, und nach meiner Wahrnehmung werden Aufträge eher so erteilt: Schreib mal mindestens 5 Norm-Seiten zu blabla.

Dann ist es natürlich im Interesse, viel Text abzugeben.

Und außerdem muss ich dir zustimmen: Man hat doch irgendwie so ein komisches Gewicht/Preis-Wertungsschema im Kopf. Da ich aber das meiste Zeug im Internet bestelle, weiß ich oft erst hinterher, ob das Buch groß, dick und schwer ist - oder eben nicht.

Was mir (vielleicht ein eigener Beitrag von mir? Mal sehen) aufgefallen ist, ist die Leseperspektive. Ich konnte ein D&D3.5 Buch vollständig lesen, weil ich ja die Brille Was-ist-gut-für-meinen-Charakter aufhatte. Wenns ich keine Boni sammeln kann, lese ich nicht so aufmerksam. Ulkig...

Offline Zornhau

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #2 am: 11. März 2013, 12:44:08 »
Ich habe gerade bei im Selbstverlag oder in Kleinstverlagen erscheinenden Produkten den Eindruck, daß die Verfasser meinen ALLES, wirklich ALLES, was sie je zu einem bestimmten Rollenspiel geschrieben haben, auch in dem Grundregelwerk veröffentlichen zu müssen.

Das führt zu ermüdenden, voluminösen Sammlungen sehr viel unausgegorenen Materials, wo eventuell ein kleiner Funke drin sein könnte, der es interessant machte, würde er nicht zugedeckt von soviel unfertiger, hintereinandergeklatschter Zettelsammlung. - Mag sein, daß sich der jeweilige Entwickler darüber freut, daß er mit dieser Art der Publikation seinen Schreibtisch "aufgeräumt" hat. Aber für einen Kunden, der dieses Produkt nicht nur kaufen und ins Regal stellen will, sondern lesen und eventuell gar spielen, ist das einfach inakzeptabel.

Mir ist insbesondere beim als so simpel angeworbenen, als "Pick-up Game" geeignet angepriesenen Fate in Inkarnationen wie SotC, SBA, LoA, DFRPG aufgefallen, daß man hier Seiten-MONSTER vor den Latz geknallt bekommt. - Mag sein, daß es gut gemeint war so viel Material wie möglich reinzustopfen, aber für Rollenspiele, bei denen man allein als SL oder - dort favorisiert - als Gruppe auch noch die Spielwelt SELBST ERSCHAFFEN muß, ist der schiere Seitenumfang bei teils doch recht sparsamen Illustrationen (verglichen mit so manchen "Bilderbüchern") einfach eine Zumutung. - Als Einsteiger ist man davon einfach überwältigt und fühlt sich ob der Aussage zum "Pick-up Game" regelrecht verarscht.

Mit Fate-to-go und auch dem - immer noch wie ich finde ZU voluminösen - Fate Core gibt es jetzt ja knappere Fate-Ausgaben (die Fate Accelerated Edition dürfte wohl so in etwa den Umfang haben, den man bei einem Pick-up Game erwartet).

Was mich als alten Savage besonders wurmt: Die einst sehr schlanke, knappe, nur das Notwendigste enthaltende Savage Worlds: Explorers Edition ist einer Deluxe Edition gewichen, in welcher man einfach MEHR ZEUGS reingepackt hat. Mehr Edges, mehr Manver, mehr Powers, mehr Kreaturen. - Das war eine unnötige und einfach nur Volumenwachstum erbringende Verschlimmbesserung, finde ich.

Warum tendieren Verlage dazu sogar ihre schlanken und ob ihrer Schlankheit attraktiven Grundregelwerke aufzublähen wie verrottende gestrandete Walkadaver?

Diese Entwicklung hatte es ja auch bei deutschen Rollenspielen gegeben.

Midgard 1 (in zwei A5-Heften) war noch schlank und VOLLSTÄNDIG. Midgard 2 waren schon zwei A4 Softcover, ohne daß gefühlt mehr "Spielwert" drin gewesen wäre. Midgard 3 war ein verunglückter Versuch eine Box zu produzieren, als Boxen wirklich als unattraktiv und "aus der Mode gekommen" galten und nochmals voluminöser, und Midgard 4 kommt gleich mit einer Handvoll dicker Hardcover daher.

Da stimmt doch etwas ganz grundsätzlich nicht!

Bei DSA sieht es doch von DSA 1 bis DSA 4.1 auch nicht besser aus, sondern noch dramatischer!

Auch das deutsche Cthulhu war früher mal in einer Box erhältlich und kam als schlankes Regelheft mit ALLEM, was zum Spielen notwendig war, heraus. Hier ging der Weg zur "Layouter-Spielwiese", bei der die Optik inzwischen vom Text so sehr ablenkt, daß allein schon das Lesen den Augen Schmerzen bereitet. Und dicker, dicker, immer DICKER wurden Grundregelwerk(e) zudem auch noch!

Das kommt mir langsam wie eine Art bösartiger Wucherung, ein unkontrolliertes Seitenwachstum, ohne jegliche lebens- bzw. spielensnotwendige Funktion vor.


Umso erfrischender, wenn solche der OSR verwandten Spiele wie Spears of the Dawn selbst beim mehrmaligen Lesen NIE den Eindruck erwecken, es wäre auch nur eine Zeile oder gar eine Seite zuviel drin! - Alles, was hier im Grundregelwerk drinsteht, ist notwendig, nicht-schwafelig und für das Spiel direkt nutzbar. - SO kann man auch heute noch Rollenspiele entwickeln! Es geht also. Man muß es nur wollen!

Offline Xemides

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #3 am: 11. März 2013, 17:31:18 »
Ich gehöre wohl zu der Aussterbenden Gattung der Liebhaber von dicken Regelwälzern. Ich kaufe mir die RPGs nicht zur zum sammeln, sondern auch zum Lesen, und wenn sie mir gefallen auch zum Spielen.

Dabei brauche ich noch nicht mal viel Regeln, aber ich habe gerne schon viel Setting im Regelwerk enthalten. Die Regeln sollten aber trotzdem komplex sein und viele Optionen bieten.

Mein derzeitiges Lieblingsregelwerk ist Runequest6, und das ganz ohne Setting. Weil es sehr viele Regeloptionen enthält und einfach vollständig wirkt. Nur mehr Monster gehen immer, aber dafür kommt ja Monster Island.

Insbesondere bei Midgard, wo so seltenmal was neues erscheint und kaum neue Settingbücher erscheinen, bin ich froh, das schon s viel im GRW drinnen steckt. Wobei man nicht vegressen darf, was die Handvoll Büchern bei Midgard enthällt:

1 GRW mit den grundlöegenden Regeln, 1 Arkanum mit Optionalen Regeln und Fluff über die Magie sowie fast allen Zauberbeschreibungen, ein Bestiarium mit nur Monstern.

Mehr braucht man nicht zum Spielen wenn man nicht will.

Das Kompendium und Meister der Sphären ist dann tatsächlich vollkommen optional.




Offline BoyScout

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #4 am: 11. März 2013, 19:05:46 »
was kensanata mag oder nicht mag, tangiert mich persönlich ja eher nicht, aber ich möchte etwas einwerfen:

Das Ganze wirft ja jetzt Setting und Regeln in einen Topf. Ganz schwierig zu beurteilen, sollte man m.E. separat betrachten.

Der Beitrag beschränkt sich augenscheinlich nur auf Kaufprodukte. Geld ist für ein Hobbyprojekt natürlich kein Argument für den Umfang.

Was m.E. vorrangig zählen sollte, ist nicht der Umfang eines RPGs, sondern die Qualität des Inhalts. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Damit fährt man im Allgemeinen ganz gut. Wer freiwillig ein mieses RPG nimmt, weil es kürzer ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Klar, würde ich (angenommen) eines der unzähligen, austauschbaren RPGs spielen, würde ich mich auch irgendwann fragen: Warum so viel, wenn ich den Mist auch in geringerer Dosis ertragen kann? Warum soll man sich Hero System ans Bein binden, wenn man eine ähnliche Unnutzbarkeit auch mit Unisystem haben kann? Da tut sich doch wirklich nichts.

Würde ich ein RPG auf 1 DINA4 Seite austauschen gegen ein RPG mit 400 Seiten? SOFORT, wenn es dasselbe kann (und es nicht nur behauptet), wozu denn Ballast mitschleppen?
So ist es dann aber meist leider nicht. Denn was es gefühlt allerdings auch gibt, gegenüber des steigenden Umfanges der RPGs (eine Beobachtung, die ich sowieso ganz gegenteilig sehe), ist eben die Reduzierung des Inhalts. Der Trend scheint mir eher zu One-Shots  und Ex-und Hopp Kampagnen zu gehen (zumindest in der Online Community). Alles ausprobieren, nix langfristig spielen. Das ist eine dankbare Zielgruppe. Das Designprinzip "weniger ist weniger" scheint da ein wenig arbeitsintensives, schnell Ergebnis und Anerkennung produzierendes Mittel der Wahl zu sein, um schnell mal ein "light RPG" unter die Leute zu werfen.

Das ist mir dann aber auch keinen Heller wert. Ich habe mir vorgenommen, erst wieder Geld für ein RPG auszugeben, wenn ich merke, dass ein Entwickler und nicht Autor dahinter steckt. Jemand, der sich mit den Zahlen seines Regelwerkes auseinander gesetzt hat und nicht einfach "attribut+fertigkeit" addiert. Ich lese da auch gerne Making Ofs. Und jemand, der eine konfliktreiche Welt beschreiben kann, die ich nicht selber in kurzer Zeit aus der Realwelt und einem Fantasygenre ableiten kann. 
« Letzte Änderung: 11. März 2013, 19:12:33 von BoyScout »

Offline Lythia

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #5 am: 11. März 2013, 19:10:59 »
Hm, also ich kann Alex da nur beipflichten. Ich brauch zum Rollenspiel nicht so viel Kram. Bei allem, was mehr als 150 Seiten hat, bin ich erstmal skeptisch. Vor allem, wenn es wirklich nur Regelwerk enthält. Ich spiel halt lieber, als dass ich Regeln nachlese. Obwohl ich zugeben muss, dass das eine Evolution bei mir ist, die gut 20 Jahre gedauert hat :) Liegt vielleicht auch daran, dass man Kinder hat und die Zeit zum Spielen weniger wird :D

Offline Xemides

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #6 am: 11. März 2013, 21:29:37 »
Ich stime BoyScout ja selten zu, aber genau das ist auch für mich der Punkt. Ich mag keine Oneshots oder kurzfristige Sachen, außer auf Cons.

Ich mag mittel- bis langfristige Kampagnen, bei denen sich die Charaktere sowohl persönlich als auch wertetechnisch weiter entwickeln können und auch nicht nur auf Effizienz geachtet wird.


Offline Bombshell

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #7 am: 11. März 2013, 22:03:53 »
@Xemides: Ich verstehe nicht den Zusammenhang zwischen mehr Lesestoff und mehr Vergnügen. Kannst du mir das erklären? Warum sollte ich mir etwas mit Regelwerken antun, was ich bei Romanen auch versuche zu vermeiden. Ich will mich nicht durch mehr Prosa kämpfen. Irgendwie war es mal möglich Geschichten auf 200 S. zu erzählen, heute sind es 10x so viel ohne nennenswerten Mehrwert. Zumindest für mich.
« Letzte Änderung: 11. März 2013, 22:05:56 von Bombshell »

Offline Xemides

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #8 am: 11. März 2013, 22:34:44 »
Bombshel, ist sicher ne Geschmacksfrage.

Ich lese auch gerne dicke Romane, die es auch früher schon gab, siehe den Herrn der Ringe oder den Dune-Zyklus.

Sicher ist nicht jeder dicke Roman gut, und nicht jeder dünne Roman schlecht.

Ich unterscheide bei Romanen nicht nach Umfang, sondern gefällt mir oder gefällt mir nicht.  Ob ich einen 1000-Seiter lese oder 5 200-Seiter ist doch gleich, solange der Stoff gefällt. Siehe George R.R. Martin.

Bei regelwerken erwarte ich eine bestimmte Komplexität und viele Möglichkeiten, die mir in der Regel ein dünnes Regelwerk nicht gibt. Außerdem bevorzuge ich GRWs, die mir ein Setting ausführlich vorstellen und nicht nur in Kurzform.

Dazu ist zu sagen, das ich einfach gerne Settingmaterial lese, und deshalb kein Problem mit viel davon habe, wenn es gut geschrieben und gut präsentiert wird.

Offline Lythia

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #9 am: 12. März 2013, 07:21:41 »
@Xemides: Ich verstehe nicht den Zusammenhang zwischen mehr Lesestoff und mehr Vergnügen. Kannst du mir das erklären? Warum sollte ich mir etwas mit Regelwerken antun, was ich bei Romanen auch versuche zu vermeiden. Ich will mich nicht durch mehr Prosa kämpfen. Irgendwie war es mal möglich Geschichten auf 200 S. zu erzählen, heute sind es 10x so viel ohne nennenswerten Mehrwert. Zumindest für mich.
Ohne es jetzt zu weit auszudehnen: ich denke, es hat den gleichen Grund, warum auch bei Filmen die extended Version mit 10 Minuten mehr Material gekauft wird: mehr Minuten = besserer Film. Dass ein Plot auch dadurch gewinnen kann, dass man stringenter und zielgerichteter erzählt, wird einfach nicht wahrgenommen. Gleiches gilt für Romane und auch für Regelbücher.

Offline Xemides

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #10 am: 12. März 2013, 08:45:36 »
Ohne es jetzt zu weit auszudehnen: ich denke, es hat den gleichen Grund, warum auch bei Filmen die extended Version mit 10 Minuten mehr Material gekauft wird: mehr Minuten = besserer Film. Dass ein Plot auch dadurch gewinnen kann, dass man stringenter und zielgerichteter erzählt, wird einfach nicht wahrgenommen. Gleiches gilt für Romane und auch für Regelbücher.

Wie du sagst, kann aber nicht muss. Und die Grenze liegt whrscheinlich bei jedem anders.

Offline kensanata

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #11 am: 12. März 2013, 12:50:22 »
Ich will mich nicht durch mehr Prosa kämpfen. Irgendwie war es mal möglich Geschichten auf 200 S. zu erzählen, heute sind es 10x so viel ohne nennenswerten Mehrwert. Zumindest für mich.

Ich hatte auch mal eine Phase, wo ich liebend gerne endlose Serien las (Rad der Zeit...). Meine Argumentation damals: Lesen macht Spass, länger Lesen macht länger Spass, ergo bringen längere Bücher mehr Spass pro Buch. Ich glaube, der springende Punkt ist "durch mehr Prosa kämpfen." Wenn du, wie ich mittlerweile bei Büchern allgemein aber bei Rollenspielen im Besonderen, am Lesen der Prosa keinen Spass mehr hast, dann stimmt die Schlussfolgerung natürlich nicht mehr.
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Offline kensanata

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #12 am: 12. März 2013, 13:00:55 »
Das Ganze wirft ja jetzt Setting und Regeln in einen Topf. Ganz schwierig zu beurteilen, sollte man m.E. separat betrachten.

Naja, wenn ich natürlich beides ähnlich langweilig zu lesen finde, dann kann ich natürlich für beide behaupten, dass kürzere Bücher für mich weniger Qual bedeuten. Beim Rollenspielen will ich persönlich vor allem Spielen und nicht Lesen. Wie man bei Xemides gesehen hat, muss sich das nicht generell ausschliessen. Bei mir ist das allerdings mittlerweile so.

Der Beitrag beschränkt sich augenscheinlich nur auf Kaufprodukte. Geld ist für ein Hobbyprojekt natürlich kein Argument für den Umfang.

Das gleiche gilt meiner Meinung nach für Gratislesestoff. Ich mag's einfach nicht mehr lesen. Selbst geschenkt nicht. Genau so wenig wie ich lange Blog Artikel auch gratis nicht mehr lesen mag. Ich fürchte, ich bin endgültig bei der Generation TL;DR angekommen.  :-[

Was m.E. vorrangig zählen sollte, ist nicht der Umfang eines RPGs, sondern die Qualität des Inhalts. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Damit fährt man im Allgemeinen ganz gut. Wer freiwillig ein mieses RPG nimmt, weil es kürzer ist, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Klar, das ist ja einfach nur gesunder Menschenverstand.  :D

Offensichtlich bin ich in den letzten Jahren generell misstrauischer geworden. Wenn ich Diaspora in der Hand habe und Harald mir Starblazer ausleihen will, und ich das mit der linken Hand schon fast nicht vom Tisch heben kann, dann glaube ich einfach nicht daran, dass das Buch über seine gesamte Länge mindestens gleich unterhaltsam und nützlich ist wie das Diaspora Buch. Das merke ich aber auch, wenn ich mich mit dem iPad endlich mal hinsetze und versuche, im Starblazer oder DCC schmökern, oder wenn ich mich hinsetze und das ausgeliehene Malmsturm aufschlage. Ich fange an zu lesen, fange an zu blättern, werde ein wenig müde, mache mir einen Tee, und dann denke ich mir, ich würde lieber Perry Rhodan oder Prinz Eisenherz oder so lesen... Wie man sieht, muss es nicht mal besonders hoch stehende Literatur sein, um Rollenspielbücher zu schlagen.
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Offline Blechpirat

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #13 am: 12. März 2013, 14:28:45 »
Wobei ich für mich feststellen muss, dass mir das mit allen Dingen so geht: Meine Aufmerksamkeitsspanne und meine Bereitschaft, mich tief einzuarbeiten, sinkt.

Offline BoyScout

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Re: [Alex Schröder] Regelwälzer
« Antwort #14 am: 12. März 2013, 17:48:51 »
Zitat von: kensanata
Naja, wenn ich natürlich beides ähnlich langweilig zu lesen finde, dann kann ich natürlich für beide behaupten, dass kürzere Bücher für mich weniger Qual bedeuten. Beim Rollenspielen will ich persönlich vor allem Spielen und nicht Lesen. Wie man bei Xemides gesehen hat, muss sich das nicht generell ausschliessen. Bei mir ist das allerdings mittlerweile so.
genau. Wie ich andeutete. Wenn sich der Beitrag um dich dreht, dann sind die ganzen Einwürfe natürlich irrelevant. So z.B., dass ich lieber mehr (gute) Settingbeschreibung lese, als (gute) Regeln.

Ich bin auch misstrauischer geworden, allerdings wirklich GENERELL und nicht auf den Umfang bezogen. Das ist für mich kein Indiz, misstrauisch zu sein. Oder denkst du dir etwa: "oh, ein kurzes RPG, das MUSS ja gut sein"?
Sicher nicht. Viele scheinen aber so vorzugehen.
Da wäre meine Motivation auch bei Null, egal wie kurz es ist.

Und meine Aufmerksamkeitsspanne ist auch niedriger geworden. Wie Blechpirat andeutet hat das aber vermutlich nichts mit langen RPGs zu tun, imho auch nicht mit dem Alter oder der Familie, sondern mit unserer Gegenwart. Man wird heute einfach ÜBERSCHWEMMT von Unterhaltung. Es existiert gar nicht genug ZEIT, die Dinge zu tun, die ich ohne Hindernis machen KÖNNTE. Ich habe auch gerne und ausgiebig lange Computerspiele gespielt. Jetzt sind sie alle da, von denen man vor 20 Jahren geträumt hat, aber ich will und kann sie nicht mehr spielen, eigentlich absurd. Für kurze Arcade-Spiele auf dem Android-Tablet reichts noch. Dasselbe mit Serien, kann mich einfach nicht dazu motivieren, egal, wie gut sie sind. Für kurze Youtube-Auschnitte reichts dann noch. Mit Büchern kommt ich schon lange nicht mehr vorwärts. 300 Seiten, dazu brauche ich jetzt ein halbes Jahr. Ich lese mir dann nur die Buchkritiken durch ;D.
Ich würde auch gerne mal weiter Zeichnen üben oder mein ~150 Seiten RPG weiter editieren, aber das würde dann gleich 10-12 Unterhaltungsquellen auffressen, die ich in der Zeit ja auch machen könnte.

Es ist heute immer ALLES überall verfügbar, deswegen wird auch alles nach hinten auf "später" geschoben. Dadurch staut es sich aber auf und geht in die Versenkung.

deswegen denke ich, die Unterhaltung wird allgemein klein-dosierter aber in schnellerer Abfolge (siehe auch One-Shots und Ex-und-Hopp Kampagnen). So schwierig wie heute war es vermutlich noch nie für das RPG. Vor allem, wenn die elektronikunterhaltung teilweise schon so gut ist, dass sie eine durchschnittlich, schlechte Rollenspielrunde ersetzen kann.
« Letzte Änderung: 12. März 2013, 18:06:02 von BoyScout »