@Zornhau: Ich weiss leider nicht, wieso du kein Kommentar abgeben konntest

Es ist völlig klar, daß die RPGs so produziert werden, weil sie so ankommen und das die, die sie spielen dann wieder solche RPGs schreiben und das all dies durch den Zeitgeist beeinflusst wird. Das ist ja das, was offensichtlich passiert.
D'UH!Man kann es aber TROTZDEM schade finden, wenn kaum noch Leute an den RPGs arbeiten, an denen einem etwas liegt.
Ich sehe das Lamento in diesem Blog-Eintrag als Wehklagen über die sich wandelnden Lebensumstände im Jahre 2011, die leider nicht dieselben sind, wie im Jahre 1981, wo man noch monatelange Einspielzeiten, jahrzehntelange Kampagnen und - verglichen mit heute - schier unendlich viel Freizeit, die es zu füllen galt, hatte.
Nein, es tut mir Leid, dann hast du das leider zu stark vereinfacht.
Ich finde es ja immer wieder witzig, wenn jemand einen klassischen Rollenspielanspruch mit
Lahm
zäh
langweilig
gleichsetzt. Das bestätigt nämlich genau die Situation, die ich bemängele. NIEMAND setzt sich daran und versucht dieses Problem zu lösen, diese lahmen, zähen, langweiligen Spiele WEITER zu entwickeln. Ich habe auch kein Lust auf lahm, zäh, langweilig, aber wie die meisten es tun, will ich deshalb nicht die Rollenspielarten fallen lassen, die ich mag. Aber man wird ja dazu genötigt (siehe Zeitargument), weil es nur die Steinzeitversionen gibt.
Mit anderen Worten:
Die Leute haben jetzt ihr Fate, Savage Worlds, Wushu und Co.
Wo sind die DSA-Wushus, GURPS-Wushus oder Harnmaster-Wushus? Wieso kommen die alten Systeme nicht in 2011 an?
Das Jobargument ist oft auch eine Ausrede für verschobene Prioritäten, daß man sich also eigentlich gar nicht richtig für sein Hobby interessiert. Ich finde es immer erstaunlich für was die Leute alles Zeit haben, was nichts mit Job oder Rollenspiel zu tun hat.
Natürlich gibt es die Leute, die GAR KEINE ZEIT mehr haben. Wenn sie dann auch nichtmal mehr Spass in diesem Job haben, sind sie nur zu bemitleiden. Aber selbst, wenn es so wäre, daß niemand mehr Zeit hat, das muss man nicht bemängeln, man muss die RPGs einfach anpassen. Das wird auch getan, aber eben nicht mit jedem RPG Stil.
@Kritik auf Regelbasis: äh, wodurch sonst? Ich mache es zu einem großen Teil fest, welche Regeln benutzt werden, ob ich in einer Rollenspielrunde mitspiele, da kann ich die Leute noch so dufte finden oder die "Spielkultur(tm)" noch so gut übereinstimmen. Das ist dann zwar ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Ich spiele mit diesen Leuten sicher Minigolf, aber inwiefern hilft mit das bei der RPG Wahl?! Wenn ich ins Kino will, dann will ich nicht Radeln gehen und wenn ich D&D Spielen möchte, dann möchte ich kein DSA spielen. Das System mattert also offensichtlich doch bei manchen Leuten, Rollenspiel ist für mich nicht beliebig gegeneinander austauschbar.
Tatsächlich spiele ich z.B. momentan NICHT durchgehend mit meinen langjährigen Mitspielern, weil die sich mit D&D3.5 und DSA herumtreiben und auch wenn ich mir nur schwer bessere Mitspieler vorstellen kann (gut, ich kann schon, das ist dann aber Märchenstunde), ist das für mich ein "no-go".
@Teylen: Du hattest gefragt, wo ich klassische Spiele und "moderne" Spiele trenne. Wir hatten die Diskussion schon einmal und ich glaube nicht, daß ich es jetzt besser begreiflich machen kann.
Wenn es dir hilft, dann hangel dich vielleicht nochmal von Tag0 der Story an hoch.
http://hochistgut.blogspot.com/2011/03/vom-klassischen-rollenspiel.html (auch wenn ich ein paar Punkte dort jetzt nicht mehr so schreiben würde und auch nicht tue, es würde mir sicher eine Menge Schallplattenumdrehungen ersparen).
Es läuft auf die Aussage hinaus, daß bei vielen modernen Spielen mehr auf der Metaebene passiert, daß der Spieler im Vordergrund steht und nicht der Charakter und das Spieler Spielleiteraufgaben übernehmen können. Bei "klassischen", "oldschool", wasauchimmer Rollenspielen ist alles genau umgekehrt.
Natürlich gibt es Mischformen und Schwerpunkte, das macht die Trennung dann manchmal schwer (aber in solchen Fällen muss man ja gar nicht trennen).
Weil den Kunden bei Malmsturm der Metal-Wikinger Schriftzug anlacht, ein dicker Einband da ist und ein sexy Goldschnitt.
Nun und weil die Kunden bei Aborea eine Hochglanz Packung wie ein Brettspiel kriegen.
In der Tat, genau das hatte ich auch im Mai geschrieben, als Aborea rauskam. Mehr Schein als Sein. Dungeonslayers sieht ja auch großartig aus. Genau diese Spiele hätten vor ~10 Jahren auf grottenhässlichen HTML Seiten mit animierte Gifs ein Schattendasein geführt.
Natürlich sind durch solche Oberflächlichkeit auch viele Perlen verloren gegangen.
Aber warum auch immer sie gekauft werden, offensichtlich stecken ja keine GURPS5, DSA5, ein neues Harnmaster oder Runequest darin, sondern ... Aborea.
Wenn es also NUR an der Packung liegt, daß Kunden die RPGs kaufen, warum fehlt dann eine ganze Sparte von neuen Rollenspielen? Weil sie auch bei Entwicklern nicht mehr "in" sind.
Zornhau hat das doch nochmal alles gut zusammengefasst!
Also man hat:
* einen schnellen Abend
* einen spassigen Abend
* einen fairen Abend
* man wendet die Regeln an [sogar einfach nur]
* man arbeitet mit
In wie weit widerspricht das einer konsistenten Spielweltdarstellung bzw. stellt diese zurueck?
Das kann ich dir sagen: Weil es imho einfach
unglaublich schwer ist, ein RPG zu schreiben, das alle diese Punkte erfüllt und trotzdem die Spielweltdarstellung in den Vordergrund rückt, anstatt den Spieler.
Die Spielwelt kann keinen Spass haben, die Spielwelt kann auch keinen schnellen Abend haben oder mitarbeiten. Wenn ich jetzt Regeln FÜR diese Welt schreibe und gleichzeitig die Punkte, die sich auf die MITSPIELER beziehen auch noch erfüllen will, dann wird es ziemlich knifflig. Genau die Diskussion hatten wir letztens, fällt mir gerade auf.
Oder hattest du schonmal das Gefühl, bei DSA einen schnelleren Abend mit durchgehender Beteilung (sprich, ohne Wartezeit) beim Kämpfen zu haben, als z.B. mit Liquid oder meinetwegen Fate?
Ich sage nicht, daß man nicht ein hochgradig schnelles, effektives, faires, 60 Seitenlanges System voller Spielerinteraktion haben kann, das trotzdem in jeder Beziehung nur die Ereignisse in der Spielwelt darstellt, ich sage nur, das es niemand mehr VERSUCHT! Oder das es vielleicht niemand KANN oder WILL.
Savage Worlds ist für mich eins der letzten RPGs, die das versucht haben, sich also modern weiterzuentwickeln, ohne die klassischen Prinzipien über Bord zu schmeissen. Natürlich haben sie dabei auch ein paar aktuelle Moden eingebracht (Bennies z.B.), aber das ist schon ok.
Was braechte einem nun diese ominoese konsistente Spielweltdarstellung?
Was brächte das? Mmh, dir offensichtlich nichts.
Mir bringt es, daß ich SPIELEN kann!
Ich kann dazu nur eine Anekdote anbieten: Wir haben am Wochenende eigene Regeln (frühe Phase) getestet, da fiel einem Spieler recht schnell auf, daß er mit seinem Bogen aus dem Hinterhalt niemanden mit einem Schuss umnieten kann, die ganze geplante Schleichaktion hätte damit nicht funktioniert.
Es musste also eine Regel her, die diese OFFENSICHTLICH glaubwürdige Möglichkeit einbringt. Ginge es nur um Spielerteilnahme, schnellen Ablauf oder Fairness, wäre die Regel gar nicht nötig gewesen. D&D4 wäre so ein Regelwerk. Wir unsererseits hätten ohne die Regel aber gar nicht spielen können, weil sie die Charaktere unnatürlich einschränkte.
Und jetzt noch einen kleine Schritt weiter: Wenn diese Attentäteraktion die langweiligere Möglichkeit gewesen wäre (was sie der Mehrheit nach auch tatsächlich war, Stürmen wäre viel unterhaltsamer gewesen), dann wäre uns das trotzdem egal gewesen, Glaubwürdigkeit der Spielwelt geht vor. Der Spielspass ergibt sich dann langfristig aus der Summe seiner Teile und nicht weil "man gerade OT mal Bock hat eine Burg zu stürmen".
Wat bin ich froh, dass ich mindestens eine Runde habe, die es schafft, wöchentlich einmal mit festen Spielern zu spielen und das immer in der selben Welt, den selben Charakteren und den selbe
Amen, Bruder!
Dann sollte ich meiner Aufzählung von Schulschwänzern, Langzeitarbeitslosen und Frührentnern also noch die (verbeamteten) Leuten im öffentlichen Dienst hinzufügen.
Hey, jetzt beleidige hier mal nicht die Schulschwänzer und Langzeitarbeitslose, indem du sie mit solchen Leuten in einen Topf wirfst. Pfui.