Autor Thema: [mad-kyndalanth] FATE hat mich  (Gelesen 406 mal)

Offline Blechpirat

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[mad-kyndalanth] FATE hat mich
« am: 16. August 2012, 11:31:25 »
(Das Thema eröffne ich jetzt mal, weil ich gerne auf den Blogbeitrag antworten möchte, und die Fragen wirklich zu umfänglich sind, um sie als Kommentar im Winzfenster von Blogspot zu beantworten)

Zitat
Wenn eine Figur ein Gasthaus betritt und mit der mäßigen (ungelernten) Fertigkeit Zechen den Fakt "Das Bier hier schmeckt gut" schaffen möchte, dann würde ich sagen: ist weder spannend noch lustig und auf eine heroische Aktion zielt das ganze auch nicht ab. Nun gut, man müsste den Gesamtzusammenhang betrachten. Von wo kommt die Figur, wo befindet sich das Gasthaus usw. Ich bin mir sicher, dass sich einiges dazu erzählen ließe.

Angenommen der Spielleiter beschließt, dass das zweifache Nein zu einer Probe Zechen gegen Großartig (+4) führt. Da sich bei den FATE-Würfel alles um die Null dreht, kann man davon ausgehen, dass die Figur mit Zechen Mäßig (+0) den Aspekt kaum schaffen und nutzen kann. Ich habe spaßenshalber mit FATE-Würfeln gewürfelt und das Ergebnis +, -, - , 0 erhalten: also -1. Sieht nicht gut aus.

Heißt das nun, dass das Bier dort nicht gut schmeckt? Mäßig schmeckt? Oder heißt es, dass der Aspekt nicht gefunden wurde? Heißt es, dass das Bier nicht schmeckt, die Figur aber so denkt, als würde es schmecken? Was denn nun?

Nein, das heißt, dass du viel zu kleinschrittig denkst. Ist der Geschmack wichtig für die Story? Wenn nein, solltest du jede Form von Regelmechanik weglassen. M.E. definiert der erste Spieler, der was zu unwichtigen Details (wie dem Geschmack des Biers) sagen will, diesen Fakt. Die anderen sind (im Rahmen der Plausibilität) an diesen Fakt gebunden.

Der Mechanismus soll nur auf spannende und wichtige Fakten angewendet werden. Ein Klassiker ist die Behauptung "Drachen sind am Bauch viel schwächer gepanzert als sonst überall". Das mag stimmen, oder auch nicht (je nach Ergebnis des Wurfes), führt aber im Kampf gegen den Drachen zu spannenden und relevanten Entwicklungen. Übrigens: Wenn der Spieler die Probe verhaut, so glaubt er fälschlich, der Drache sei am Bauch leichter verwundbar.

Nur um das Beispiel mit dem Vorschlaghammer festzumachen: FATE kennt keine Fertigkeit "Zechen". Weil so kleinschrittige Verwaltung von Allerweltsdingen dem System fernliegt.

Zitat
Möglichkeit 3) erlaubt dem Spieler kleine Ergänzungen in einer gegebenen Situation durch den Einsatz eines FATE-Punktes. Gegenstände und Details können hinzugefügt (oder ausgenommen?) werden. Der Spielleiter entscheidet, ob er die Ergänzung erlaubt.

Vielleicht wäre das o.a. Bierbeispiel etwas für den Einsatz von FATE-Punkten. Der Spieler entscheidet, dass das Bier in diesem Gasthaus verdammtnochmal zu schmecken hat, weil die Figur nach einem anstrengenden Abenteuertag einkehrt und bei Abendessen, Bier und Kaminfeuer entspannen will. Ich würde da als Spielleiter kein Veto gegen einlegen und den FATE-Punkt dürfte der Spieler behalten, falls in einer FATE-Runde vorkäme.

Dein Bierbeispiel steht dir wirklich im Weg. Es auf FATE anzuwenden ist irgendwie so, als ob du DSA mangelnde Komplexität vorwirfst, weil es keine Regeln zum Ausdrücken von Pickeln gibt. Denk mal größer: Der Fatepunkt gibt dir das Recht, ein Fakt zu etablieren, welches nicht im Widerspruch zu bereits erzähltem steht. Der Held braucht ein Schwert? Natürlich hängt eins über dem Kamin. Der Oberbösewicht scheint schwer im Duell zu schlagen? Natürlich steht auf seinem Schreibtisch ein Bild seines verlorenen Sohns, und verdammt, der sieht dem PC aber ähnlich. Solche Sachen kauft man mit FATE-Punkten. Wir spielen hier FATE, nicht "Brauereiwesen: Das Rollenspiel".

Zitat
Möglichkeit 4) erlaubt dem Spieler Aspekte seiner Figur mit dem Einsatz von FATE-Punkten zum Schaffen von Fakten zu benutzen.

Robert Rodriguez zeigt die Anwendung eines FATE-Aspekts in Once Upon a Time in Mexico mit der Figur Sheldon Jeffrey Sands (gespielt von Johnny Depp). Sands hat den Aspekt Mein falscher dritter Arm lenkt dich von der Knarre in meiner Hand ab. Vielleicht muss er dazu in besonders dramatischen Situationen auch einen FATE-Punkt einsetzen ...
Jetzt kommst du ja so langsam in Fahrt. Letztlich ist dein 4. Möglichkeit ein Unterfall von der Dritten: Du kannst größere Fakten bestimmen, wenn du einen passenden Aspekt hast. Angenommen du bist durch die Kontrolle im Flughafen und brauchst eine Waffe. PC1 gibt einen FATEpunkt aus, PC2 auch, hat aber den Aspekt: "Nie unbewaffnet". PC1 findet bestimmt eine abgebroche Flasche aus dem Duty-Free-Shop, PC2 kann eine Pistole aus Keramik haben.

Zitat
Spieler erzählen
Das war auch für mich nicht einfach. Aber ja, lass die Spieler einfach laufen. Nicke, wenn sie fragend gucken, oder (selten) sage: "Stimmt, wenn du mit XXX eine 4 schaffst" oder (noch seltener) die Hand aufhälst, weil du einen Chip willst. Aber nicke, zeige, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Begrenze die Schilderung einer Szene auf 2-3 knackige Sätze (die auch Aspekte sind) - der Rest ist Geschwafel, den sie sich nicht merken, egal wie wortgewaltig du formulieren kannst.

Zitat
Was mir bei FATE das Gehirn verrenkt ...

Vermögen als Fertigkeit.

Ein Spielsystem, das mich als Spieler verstärkt an der Erzählung teilhaben lassen soll und der Figur dann nicht erlaubt, bestimmte Ausrüstungsgegenstände zu besitzen, weil sie sie gemäß ihrer Fertigkeit Vermögen zu Beginn nicht kaufen kann? Darf sie sie denn überhaupt im Spiel kaufen oder braucht sie dafür Geschenke einer Mitspielerfigur, einen Nichtspielerfigurengönner oder muss sie einen FATE-Punkt einsetzen? Ich weiß es nicht.
Was du erwähnt hast, hast du natürlich. In der Szene. Danach nur noch dann, wenn es zwingend ist. Natürlich können Spieler in FATE einkaufen, aber hey, sie tun es nicht, weil es wirklich spannenderes gibt. Mit der Fertigkeit Vermögen kannst du drauf würfeln, ob du dran gedacht hast und es aus der Tasche holen. Je reicher du bist, desto eher hast du den Gegenstand dabei - ist doch einfach. Und nein, mit FATE-Punkten hat das nichts zu tun. Mit einem FATE-Punkt kannst du den Fakt schaffen, dass du eine Taschenlampe dabei hast. ODER du kannst auf Vermögen würfeln - aber nicht beides. Und klar, du kannst die Taschenlampe weitergeben, das geht ohne jeden FATE-Punkt.

Zitat
Bei der Portierung der S&W-Figur Celestra auf FreeFATE konnte die Kriegerin zwar einige ihrer Fertigkeiten übernehmen (und teilweise stark verbessern), aber wie ich nach der Portierung und dem Verfassen jenes Artikels erkannte: ihre Rüstung und der Zweihänder müssen im Old School-Bereich liegen bleiben. Das verstand ich erstmal garnicht.
Zuerst dachte ich, dass du meinst, dass in einigen FATE-Varianten Rüstungen und Waffen keine mechanische Wirkung haben (z.B.: Der Beidhänder macht soviel Schaden wie der Dolch), aber du denkst in Vermögensfragen? Du bist schon auf dem richtigen Weg: Wenn Celestra ohne Vorgeschichte und ohne Vermögen starten würde, hätte wie wohl keinen Plattenpanzer. Aber natürlich kannst du ihre Ausrüstung in den meisten Geschmacksrichtungen z.B. durch Wahl eines Aspekts "Schwert der Familie" / "Verschuldet bei der Mafia um meine Ausrüstung zu kaufen" erzwingen. Und wenn du einen bestehenden PC konvertierst, solltest du nicht versuchen, das Vermögen korrekt abzubilden, sondern ihre künftige Chance, die richtige Ausrüstung zur richtigen Zeit zu haben.

Offline lars_alexander

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #1 am: 16. August 2012, 16:04:51 »
Hallo Blechpirat und Danke für die ausführliche Antwort!

Das Bierbeispiel steht mir eigentlich nicht im Weg. Ich habe es konstruiert bzw. an den Haaren herbeigezogen, um die Möglichkeiten der Spielerbeteiligung an der Erzählung mittels dieser Regeln auszuprobieren. Ich hätte deutlich machen sollen, dass es mir so vorkam, als bedeute diese Richtlinie mit den zu beantwortenden Fragen zur Ermittlung der Schwierigkeit, dass für die Geschichte unwichtige Fakten schwieriger zu schaffen sind, als welche, die wesentlich sind.

Als Spielleiter räume ich den Spielern unabhängig vom verwendeten Spielsystem die Möglichkeit ein, solche Fakten selbst zu schaffen. Deswegen auch meine Eingangsfrage: Bietet mir FATE einen wesentlichen und überzeugenden Vorteil beim Rollenspiel mit erzählerischem Schwerpunkt gegebenüber anderen Systemen?
FATE bindet die Möglichkeit der Spielerbeteiligung beim Erzählen stark in das System ein. Der Ansatz gefällt mir und ich hätte damit als Spieler sicher meinen Spaß.

Was Du zum Vermögen schreibst, kann ich nachvollziehen, verdreht mir aber noch das Gehirn. Ich werde mich mal mit verdrehen und dann die Sache neu betrachten.

Ich werde FATE in absehbarer Zeit mal spielen oder leiten müssen. Probieren gehört auch zum Studieren.

viele Grüße!

Offline Blechpirat

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #2 am: 16. August 2012, 16:20:01 »
Hi,

schön, das du gleich hier her gefunden hast.

Das mit dem Vermögen begreift man schnell, wenn man es 1-2 mal gemacht hat. Es ist aber eine besondere Sorte Spiel: Der Charakter wird eben nicht mehr belohnt, dass er im richtigen Moment eine 10-foot-Pole dabei hat (um den Klassiker zu nennen) - wer auf solche spieltaktischen Erwägungen steht, muss etwas anderes spielen.

Aber von dem Beispiel mit dem Bier rate ich dringend ab. Aspekte sind keine Allzweckwaffe, um Gebrauchsgegenstände abzubilden. Sie passen auf Bier nicht, wenn es nicht extrem zentral für die Geschichte ist. Du lenkst dich mit dem Beispiel wirklich selbst in die falsche Richtung. Es sei denn, in deinen Rollenspielrunden geht es Minutenlang nur um das Bier. Dann zeigt dir dein eigenes Beispiel, das FATE nicht das Spielgefühl unterstützt, das du magst.

Offline lars_alexander

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #3 am: 16. August 2012, 17:01:06 »
Das Bier wird um so wichtiger für die Geschichte, je mehr man darauf herumreitet. Also sehen wir mal davon ab ;)
Ich mag Bier nichtmal.

Mir ging es wirklich nur darum zu ergründen, was die o.a. Regeln für den Spieler implizieren. Wenn er von sich aus nebensächliche Fakten schaffen darf, dann bin ich dabei. Wenn der Einsatz von Aspekten, Fertigkeiten und FATE-Punkten das Schaffen von für die Geschichte wesentlichen Fakten regelt, dann passt das meiner Meinung nach auch.

Ob ich FATE mag, wird tatsächlich eine Spielrunde zeigen müssen. Aber ich bin noch ganz angetan. ;)

Offline ArneBab

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #4 am: 16. August 2012, 22:58:16 »
Aber von dem Beispiel mit dem Bier rate ich dringend ab. Aspekte sind keine Allzweckwaffe, um Gebrauchsgegenstände abzubilden. Sie passen auf Bier nicht, wenn es nicht extrem zentral für die Geschichte ist. Du lenkst dich mit dem Beispiel wirklich selbst in die falsche Richtung. Es sei denn, in deinen Rollenspielrunden geht es Minutenlang nur um das Bier. Dann zeigt dir dein eigenes Beispiel, das FATE nicht das Spielgefühl unterstützt, das du magst.

Das Bierbeispiel finde ich allerdings gut. Da geht es darum, ob das System in allen Bereichen funktioniert.

Im Gegensatz zu Fate böte z.B. Universalis die Möglichkeit, dass ein Spieler einen Punkt ausgibt, damit das Bier hier gut schmeckt.

Und dann ist das Bier ein Aspekt Stufe 1, den andere Spieler wiederum benutzen können (ich verwende einfach mal FATE-Ausdrücke, weil wir grade bei Fate sind).

Wenn also später Wachen in die Kneipe kommen und ein Spieler sie ablenken will, dann kann er den Aspekt „Das Bier hier schmeckt gut“ verwenden, um sich die Probe zu erleichtern.

Ein eigentlich völlig irrelevanter Aspekt wurde nachträglich wichtig, denn was sch mal da ist, kann man auch verwenden.

Das (mindestens temporäre) Schaffen von regeltechnisch bedeutsamen Fakten sollte also auch bei unwichtigem gelten. Möglichkeiten, es nachträglich in die Geschichte einzubinden, werdet ihr schon finden…

Offline lars_alexander

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #5 am: 17. August 2012, 12:50:34 »
So wie das der Blechpirat erklärte, braucht ein FATE-Spieler gar keinen Punkt auszugeben, um zu bestimmen, dass das Bier in dem Gasthaus gut schmeckt. Und das halte ich für eine echte Spielerbeteiligung an der Erzählung.
Sollte der Spieler gegen entsprechende Umstände in der Geschichte und Situation entscheiden wollen, dass das Bier gut schmeckt, dann scheint mir der Einsatz eines FATE-Punktes angemessen und fordert (im Verlauf der Geschichte) eine plausible Erklärung.
Kann ja sein, dass das Gasthaus für schlechtes Bier berüchtig ist, die Figur nen Date in dieser Spelunke hat und ihr Gegenüber bei gutem Bier kennenlernen möchte.


Offline Blechpirat

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Re: [mad-kyndalanth] FATE hat mich
« Antwort #6 am: 18. August 2012, 15:00:43 »
Ihr kriegt das echt noch hin, Bier wichtig zu machen. Aber @Arne: das würde tatsächlich gehen, das Beispiel mit den abgelenkten Wachen. Dann aber wird man das wohl nicht als "freie" Definition abhandlen können, sondern deine Deklaration draus machen müssen.