Nur mal was zum Beschiß-Verteidigungskommentar von Roger:
Nehmen wir an, ein Charakter fährt von einem Treffen weg mit dem Motorrad und will nen beeindruckenden Kickstart hinlegen. Er patzt den Wurf höchstmöglich, rast dadurch gegen eine Wand. Der SL checkt den Schaden, der Char hat keine Schutzkleidung. Charakter tot. Solche Situationen meine ich.
Optional das erste Scharmützel nach Charaktererschaffung, der Charakter stirbt. Frustrierend für den Spieler, frustrierend für den SL.
Ich verteidige sicher nicht, dass man jeden verf***** Würfel anpassen sollte, sondern VIELLEICHT nur dann, wenn es irgendwie absolut nicht passt.
Wenn man sich als Gruppe geeinigt hat ein Regelsystem zu verwenden, das bei einem gepatzten Motorradfahren-Wurf den Charakter zu Tode kommen lassen kann, dann WUSSTE das der Spieler VORHER. Damit ist er BEWUSST das Risiko eingegangen bei einem solchen "beeindruckenden" Manöver seinen Charakter zu verlieren.
Solche "sinnlosen Todesfälle" kommen in der Realität vor und - bei Verwendung solcher Regelsysteme - auch in der Spielweltrealität. Wer ein Risiko eingeht, das absehbar und abschätzbar war, und wenn dieses Risiko dann eintritt, dann ist alles in Ordnung. Dann WOLLTE der Spieler das so!
Auch wenn er gerne seinen Charakter länger gespielt hätte, wenn der Spieler auf diesem riskanten Manöver besteht und es halt für eine gute Idee hielt es zu versuchen, dann lebt er mit den Konsequenzen.
Was hier das EIGENTLICHE Problem ist: WARUM mußte der Spieler überhaupt auf Motorradfahren würfeln? Hier liegt doch ein klassischer Fall vor. Der SPIELER hat eine gewisse Vorstellung von der Kompetenz seines Charakters und möchte diese mit einer "stylischen Aktion" unterstreichen. Der Spieler will damit KEIN Risiko eingehen. Daß das Risiko eines Todesfalls besteht, liegt an den Regeln, die, wenn sie zur Anwendung kommen, eben in ihrem Ergebnisraum auch den Charaktertod bei solch einem Fahrmanöver enthalten.
Bei einem weniger klein-klein-simulierend eingestellten SPIELLEITER hätte der Charakter für eine solche Aktion nicht einmal würfeln müssen. Es war ja keine Streßsituation, es gab keine äußeren Widerstände, er wollte auch keine äußeren Wirkungen außer reiner "Stildarstellung" seines Charakters erzeugen. - In vielen Regelsysteme ist in solchen Fällen KEIN Wurf fällig. Damit auch KEIN Risiko seinen Charakter zu verlieren.
Die Frage ist daher, WARUM der Spieler den Wurf machen mußte.
Wollen ALLE in der Gruppe auf JEDEN kleinen Scheiß in JEDER noch so unstressigen Situation würfeln? - Solche Leute mag es geben, mir ist nur noch keiner begegnet.
Will DER SPIELLEITER den Spieler über seinen Charakter KLEINHALTEN und läßt ihn deswegen einen Wurf machen, der ihn seinen Charakter kosten kann? Solche Spielleiter kenne ich hingegen schon.
War dem SPIELER das Risiko der Regelanwendung nicht bewußt (etwa, weil er die Regeln nicht gut genug kannte)? Dann hätte der Spielleiter ihn auf das Risiko hinweisen können.
Mein Eindruck solcher Szenen: Der Spieler möchte mehr KINOREIFE Charakterisierung seines SCs über "stylische Aktionen" umsetzen.
Und wenn der SPIELLEITER ihm das nicht gewährt, weil dieser mehr "realistische" Weltsimulatiion abseits von jeder cinematischer Action-Kino-Einlage erzwingen will, oder wenn die REGELN alles andere als cinematisch ausgerichtet sind und jede riskante Aktion mit deutlich härteren Konsequenzen und höherer Chance zu scheitern BESTRAFEN, dann passen hier SPIELERVORSTELLUNG und die gewählten SPIELMETHODEN nicht zu sammen.
Einem an "realistischer" Konsequenzenhärte interessierten Spielleiter wäre ein solcher Charaktertod ja durchaus PASSEND vorgekommen.
Auch einem Spieler, der TROTZ des hohen Risikos bewußt seinen Charakter aufs Spiel gesetzt hat, wäre dessen Tod durchaus PASSEND vorgekommen (auch wenn er den Charakter nicht hat sterben lassen wollen - aber passend war solch ein Abgang schon).
Nur wenn eben das Interesse des SPIELERS und das, was der Spielleiter wollte und die Regeln zugelassen haben, nicht zusammenpaßt, gibt es ein Problem.
Und das Problem "löst" man NICHT durch Würfeldrehen und anderen BESCHISS!Das Problem löst man VOR Spielbeginn, indem man ein PASSENDES Regelsystem verwendet, das den SPIELERINTERESSEN kompetente Charaktere zu spielen und stylische Aktionen zu machen auch die entsprechende Unterstützung gewährt, statt sie dafür zu bestrafen.
Und auch Regelsysteme, die nicht an sich auf solche Stil-Aktionen ausgerichtet sind, haben oft entsprechende Regeln, nach denen ein Fertigkeitswurf nur dann notwendig wird, wenn es aus dramaturgischer Sicht (meist Spielleiterentscheidung) WICHTIG ist und ALLE dadurch erzeugten Resultate im Ergebnisraum INTERESSANTE Resultate für die erspielte Geschichte sind. UNWICHTIGE Aktionen sind stets ohne Wurf erfolgreich oder - bei offensichtlich jenseits der Fähigkeiten des Charakters liegenden Handlungen - nicht erfolgreich. Automatische Erfolge oder Mißerfolge kennen viele Regelsysteme.
Somit hat man folgende LÖSUNGEN für das Problem des ungewünschten SC-Todes bei Stil-Aktionen:
1. ein Stil-Aktionen unterstützendes Regelsystem verwenden (in solchen kommt ein SC nicht für reine Stil-Aktionen um)
2. ein Regelsystem verwenden, das automatische Erfolge bei minderinteressanten, konfliktfreien Aktionen vorsieht (hier wird nicht gewürfelt)
Wer ein für die Spielerinteressen UNGEEIGNETES Regelsystem verwendet oder wenn ein Spielleiter die Spielerinteressen durch KLEINHALTEVERSUCHE torpediert, dann bekommt man die oben im Zitat geschilderten UNGEWOLLTEN SC-Tode bei reinen Stil-Aktionen.
Ob man das will, das muß natürlich jede Gruppe für sich entscheiden. - Und zwar bei der Auswahl des Regelsystems!
Denn eine "BESCHISS-Lizenz" ist KEINE Lösung, sondern schafft sogar noch mehr Probleme: Sie bringt Ungleichbehandlung in die Gruppe und Unterminiert das VERTRAUEN allein schon durch die von der Gruppe selbst eingeräumte BESCHISS-Möglichkeit.
Es ist KEIN Zeichen von "Vertrauen", wenn dem Spielleiter eine BESCHEISS-MICH-"Lizenz" ausgesprochen wird, sondern das ist der Anfang des MISSTRAUENS und des nagenden, zerrüttenden Verfalls der GLAUBWÜRDIGKEIT des Spielleiters und des RESPEKTS vor den Mitspielern!
Bescheißen erlaubt! - Das ist ein PROBLEM und KEINE "Lösung".
Optional das erste Scharmützel nach Charaktererschaffung, der Charakter stirbt. Frustrierend für den Spieler, frustrierend für den SL.
Ich verteidige sicher nicht, dass man jeden verf***** Würfel anpassen sollte, sondern VIELLEICHT nur dann, wenn es irgendwie absolut nicht passt.
Gleiches Problem: Das FALSCHE Regelsystem. - Wenn der Spieler NICHT MÖCHTE, daß sein Charakter so schnell drauf geht, dann sollte er kein Regelsystem spielen, in welchem so etwas möglich ist.
Mir und meiner Erwartung an SC-Sterblichkeit waren die KRASS HÄUFIGEN SC-Todesfälle bei Labyrinth Lord einfach zuviel. Da ist ein Spieler nach 20 Minuten Charaktererschaffung keine drei Minuten im Spiel seinen ersten SC losgeworden. - Frustrierend? Ja. - Wäre Würfeldrehen eine Lösung? NEIN!
Die Lösung war: D&D-like Fantasy wieder mit Savage Worlds spielen, weil dort (trotz Freak Rolls) die SCs einfach deutlich schwerer zu töten sind als Einsteigercharaktere bei Labyrinth Lord.
Mir wurde klar, daß ICH heutzutage NICHT MEHR mit "Save or Die" und dergleichen lapidaren tödlichen Regeleffekten spielen mag. Ich mag es eher, wenn SC-Tode durch die REGELN soweit abgefedert werden, daß noch Herausforderungen und Risiken bestehen, diese aber z.B. durch Bennies und mehrere Entscheidungsebenen nicht auf einen einzigen Wurf um Leben oder Tod reduziert werden.
Das ist MEIN Geschmack und daher spiele ich konsequent auch nur solche Regelsysteme, wo ich diese Probleme des "frustrierenden Frühablebens der SCs" NICHT habe.
Wer feststellt, daß das von ihm verwandte Regelwerk Resultate liefert, die unbefriedigend sind, der kann mittels HAUSREGELN oder durch WECHSELN des Regelwerks Abhilfe schaffen. (Nicht umsonst sind Hausregeln zur Milderung der Tödlichkeit die häufigsten D&D-Hausregeln aller alten D&D-Versionen und in den neuen sind solche Regeln direkt eingebaut.)
BESCHISS am Spieltisch stellt KEINE "Abhilfe" für irgendwas dar!
Spielleiter, die am Spieltisch BESCHEISSEN, handeln gegenüber ihren Mitspielern UNMORALISCH!
Man BESCHEISST seine Spielfreunde doch nicht! Das ist ja charakterlich die unterste Schublade! Einfach inakzeptabel!