Autor Thema: [Richtig Spielleiten] Wie erzeuge ich Drama? Keine Ahnung, wie man das macht  (Gelesen 1366 mal)

Offline Joerg.D

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« Letzte Änderung: 31. Januar 2011, 18:39:45 von Joerg.D »
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Offline Blechpirat

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Ich habe Jörg um den Beitrag gebeten, weil er auf andere Weise Spannung erzeugt, als die meisten Spielleiter, die ich kenne. Spannung im Rollenspiel entsteht meist dadurch, dass

- ein Konflikt offen ist und die Entscheidung zum Tod des Charakters führen kann (Kampf)
- Die Umgebung extrem gefährlich ist (Fallen)
- Die Umgebung völlig unbekannt ist und man es kaum erwarten kann zu gucken, was hinter dem nächsten Hügel wartet.

Bei Jörg kommen noch unerwartete und spannende persönliche Entwicklungen hinzu. Dazu gehören mindestens (vermutlich gibt es noch mehr)

- Entscheidungen der Vergangenheit, die einen wieder einholen (das Beispiel aus dem Post mit Pellus)
- Lückenfüllen im Hintergrund (Wer einen "Erzfeind" im Hintergrund wählt kriegt auch was geboten dafür; nämlich einen Erzfeind, der diesen Namen auch verdient)
- emotionale NPCs; Jörgs Schmerzschwelle ist da niedrig, wenn es um Beziehungen zu NPCs geht. Er geht auch gerne dahin, wo es wehtut.
- ???

Und noch ein Aspekt ist Tempo, da bestimmt eine große Rolle spielt.

Es fällt mir beim schreiben auf, dass der erste Teil (allgemeine Spannungserzeuger im Rollenspiel) praktisch austauschbare Spieler erlaubt, der zweite Teil (Jörgs zusätzliche Spannungserzeuger) hingegen funktionieren nur, wenn auf der anderen Seite ein Spieler auch gegenhält.

Norbert

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Jörgi macht's richtig ;)
Weil er nämlich genau das macht, was gute SL machen: Er adressiert konsequent Flags und konfrontiert die Helden mit den Konsequenzen ihrer Handlungen. Daraus erwächst Drama.

Offline Blechpirat

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Bei Jörg hat das Drama eine Seifenblase, dass ist seine Besonderheit. Es ist irgendwie im Stil einer Soap Opera, ohne dass ich den Finger drauf legen könnte, warum. Vermutlich, weil es so persönlich ist.

Offline Joerg.D

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Ich denke es ist die Durchdringung der Handlung mit allen Ereignissen. Es gibt nie nur Drama oder nur Kampf, es ist immer alles miteinander verwoben.

Meine Themen sind großes Drama und extrem harte Kämpfe oder fordernde Fertigkeitsproben, die durch das Drama begründet werden. Das bedeutet zwar, das ich teilweise bis zu 6 oder 7 Handlungslinien im Auge behalten muss um den Faden nicht zu verlieren, aber es ergibt halt komplexe Motivationen und Handlungsabläufe.
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Offline Captain

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Na, aber nur die persönliche Bindung ist es auch nicht allein. Ein gutes Maß an "tension" als Triebfeder brauchts auch. Zumindest kann ich mir's nicht ohne vorstellen. Allerdings hab ich Jörg bis dato nicht live erlebt.

Offline Blechpirat

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Bei Jim Butcher funktioniert das Drama (passt der Begriff überhaupt noch) dadurch, dass er immer noch einen draufsetzt. Auch wenn die Grenzen der Fairness längst überschritten sind. Er spielt mit der Erwartung, dass jetzt endlich das Happy End kommen müsse - und dann kommt nur noch mehr Ärger.

Offline Joerg.D

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Das macht nicht nur er so.

Warum sollte man Spannung (denn nichts anders ist Tension und dann muss man nicht versuchen Kunstworte zu verwenden) als Triebfeder benötigen? Das ist ungefähr so primitiv wie zu sagen, dass ein unbekanntes Ende Drama erzeugt. Für unerfahrene SLs mag das angehen, doch wenn man mal etwas mit den Grenzen spielt, dann bemerkt man, das da so viel mehr Möglichkeiten sind um seine Ziele zu erreichen.

Karsten kann sich ja mal dazu äußern wie das ist, wenn man bei mir mit dem Endkampf anfängt und dann einen Zeitsprung an den Anfang der Geschichte macht.

Da hat es IMHO nie an Spannung gefehlt.
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Karsten kann sich ja mal dazu äußern wie das ist, wenn man bei mir mit dem Endkampf anfängt und dann einen Zeitsprung an den Anfang der Geschichte macht.

Ja, das war zu jedem Zeitpunkt spannend. Auch dank eines guten Gegenübers in der Form von Msch. Die Frage, ob es gut ausgeht, war jedenfalls nicht die spannungserzeugende Komponente. Aber wenn ich wüsste, was es war, müssten wir hier ja nicht drüber reden :)

Offline Captain

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Ja, Spannung. Genau. Das Wort fiel mir gestern einfach nicht ein (und nachschlagen ging da grad nicht, weil unterwegs).

Und richtig, ein offenes Ende oder eine Bedrohung der SC oder deren Beziehungen ist dafür nicht zwingend nötig, aber ein mögliches Element durchaus. Ich hab auch schon gute Erfahrungen mit Zeitdruck gemacht. Du scheinst das hingegen das nur über Emotionen zu machen und mir ist nicht die Bohne klar wie. Ich habe so das akute Gefühl, daß dies stark auf das Wollen deiner Spieler baut. Sprich daß diese eine gewisse masochistische Betrachtung ihrer Figuren haben und dir bewußt die Zügel in die Hand geben. Und ohne diese Einstellung wirds auch mit dem Drama nix (oder weniger). Ist aber ne reine Vermutung.

Offline Blechpirat

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Sprich daß diese eine gewisse masochistische Betrachtung ihrer Figuren haben und dir bewußt die Zügel in die Hand geben.

Das wurde mir schon vorgehalten, ja. Von Jörg.

Offline Joerg.D

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Nein, ich habe es lobend erwähnt.


Wenn die Spieler mir so vertrauen, dass sie die Geschicke und das Schicksal ihrer Charaktere in meine Hand legen und alles annehmen, was ich ihnen an Drama entgegenwerfe bin ich fast so gut wie dann, wenn die Spieler es selber eskalieren (Akoahil, Orko und Kallraven aus dem Tanelorn sind da Paradebeispiele für)
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