Autor Thema: [Richtig Spielleiten] Böse Gruppen – Moral im Rollenspiel  (Gelesen 279 mal)



Offline Georgios

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Re:[Richtig Spielleiten] Böse Gruppen – Moral im Rollenspiel
« Antwort #2 am: 19. Dezember 2011, 11:17:33 »
Ich finde Poison'd macht Moral zu einem sehr zentralen und spannenden Thema im Rollenspiel.

Das liegt vor allem daran, dass jeder Charaktere mehrere Ziele besitzt, die ihn früher oder später auf Konfrontationskurs zu den anderen Spielern und der Gruppe setzen wird; aber auch weil man als Spieler seinen Charakter vor einem kniffligen Zwiespalt stellt. Entweder der Charakter tut Böses, um so mächtiger zu werden oder er erleidet Böses, um mächtiger zu werden.

Das Ganze wird noch mal interessant durch den Würfelmechanismus aufgebrochen, der den Charakter zum Teil gar nicht das tun lässt, was sein Spieler eigentlich entschieden hat. Da man gegen seine inneren Werte würfelt, bedeutet ein Fehlschlag nicht immer, dass sich der Charakter zu dumm angestellt hat um irgendwas zu erreichen; sondern oft auch, dass der Charakter es einfach nicht übers Herz gebracht hat das zu tun, was der Spieler wollte. Sei es aus Feigheit, Unvermögen oder wegen seines Gewissens.

Die Krönung des Ganzen ist für mich die Ebene der Versprechen, die sich Charakter untereinander geben und die einen bei Nichteinhaltung sehr viel Würfel kosten, je nachdem ob man schon ein Scheusal geworden ist oder noch ein Mensch. Letztere sind eher an ihr Wort gebunden, wobei erstere Versprechen zwar ohne grosse Kosten brechen können, aber direkt zur Hölle fahren, wenn sie sterben. Menschen haben zumindest noch die Chance, wenn schon nicht in den Himmel, dann zumindest in die ewige Ruhe zu gelangen. Je nachdem wie man den Charakter das Spiel beenden lassen will, kann man auch ein Interesse daran haben, sich nicht in völliger Unmoral zu ergehen.

Dieser Überbau innerhalb des Spiels und die ambivalente, semi-kooperative Spannung zwischen den Charakteren, heizt wie ich finde die moralische Dimension des Spiels und der Charaktere sehr an.
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Offline Merimac

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Re:[Richtig Spielleiten] Böse Gruppen – Moral im Rollenspiel
« Antwort #3 am: 19. Dezember 2011, 13:07:47 »
Ich finde Poison'd macht Moral zu einem sehr zentralen und spannenden Thema im Rollenspiel.

Verdammt, da recherchiert man tagelang für einen Karnevalsartikel, der Mechaniken mit dem Schlagwort "Moral" zusammenträgt; und dann übersieht man Poison'd, obwohl man es im Regal stehen hat. Mal sehen, ob ich meinen Beitrag noch ergänze...


Aber zum eigentlichen Thema: Klassisch böse Charaktere kann man in Form der Dämonen bei In Nomine spielen. Und obwohl allesamt Kreaturen der Hölle, müssen Dämonen nicht unbedingt die gleichen Ziele verfolgen - die hängen davon ab, wie deren Erzdämon die Sache sieht. Und was kann es Böseres geben, als Sterbliche mehr oder weniger subtil ihrer eigenen Verdammnis entgegenzuführen?
Allerdings muss ich dazu aus persönlichem Geschmack anmerken, dass ich die Version von Steve Jackson Games für längeres Spiel geeigneter finde. Hier wird das Thema mit dem nötigen Ernst behandelt, während ich das französische Original und die Übersetzung von Truant zu schwarzhumorig/überkandidelt finde, um das Thema Moral und Versuchung ansprechend anzugehen. Aber wie gesagt, meine persönliche Meinung, und hoffentlich kein Grund, Grabenkämpfe um die bessere Version auszutragen.
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