Ich denke schon, dass ein Spielleiter von einem guten Überblick über Regelwerke profitieren kann und zwar auf verschiedene Weisen.
Da gibt es zum Beispiel die Runden die öfter mal das System und Genre wechseln, sei es aus Unzufriedenheit oder aus Neugierde. Hat man hier ein breites Wissen über verschiedene Mechaniken, kann man zielgerichteter die Systeme finden, welche dem Spielstil der Runde zusagen.
Ein weiteres - für mich gewichtigeres - Beispiel, sind die experimentierfreudigen Spielrunden, in denen das Vorhandensein von Hausregeln üblich ist. Auch hier gilt: Wenn man weiß, was klappt, was nicht klappt, was diesen oder jenen Spielstil unterstützt, dann kann man auf zielgerichtete Art und Weise Hausregeln einführen und muss weniger lange herumdoktorn, bis man hat was man möchte.
Ähnlich zum gerade angebrachten Beispiel: Spontane Entscheidungen, wie eine Situation aufgelöst wird, welche von den Regeln nicht abgedeckt wird, fallen leichter, wenn man Kenntnisse darüber besitzt, wie 1) das verwendete Regelsystem aufgebaut ist und 2) man weiß, wie andere Regelsysteme so etwas machen würden.
Der Aufbau eines Regelwerkes lässt sich meiner Meinung nach vergleichen mit der Statik eines Hauses. Jeder Architekt sollte Grundkenntnisse in Statik erlangen, auch wenn er sich in erster Linie hübsche Häuser ausdenkt und hinterher den Bauingenieur fragen wird, wie man das umsetzen kann. Sicher die Statik "sieht" man nicht an einem Haus, dennoch bestimmt sie doch erheblich, wie ein Haus aussehen kann. So ist es auch mit dem Aufbau eines Regelwerkes für ein Rollenspiel, es bestimmt, welche Situationen ich damit gut beschreiben kann.
Jetzt kann man den Titel "Aufbau von Regelwerken" natürlich auch eher mit einer Vorlesung über Statik (oder gar eine Abhandlung darüber, wie eine Vorlesung über Statik durchzuführen ist) auffassen. Mit "Regelwerk" also wirklich das physische Buch gemeint ist, dass ich vor mir auf dem Tisch liegen habe. Ich interpretiere den Begriff jedoch als eine Zusammenstellung einzelner Regeln, die in ihrer Gesamtheit ein Regelwerk ergeben (welches dann eben in einem Buch niedergeschrieben ist, dem man ebenfalls den Titel "Regelwerk" geben könnte).
Ohne jetzt zu wissen, welche Interpretation hier ursprünglich verfolgt wurde, spreche ich mich doch stark dafür aus, den Karneval mindestens auf diese beiden Möglichkeiten zu weiten.