Ich sehe allerdings keinen "moralischen Makel", wenn man sich an Verlagsfakten orientiert.
Sehe ich auch NICHT. Natürlich kann man sich an "Fakten" orientieren, die von beliebiger Seite ANGEBOTEN werden. Die Frage ist, was man WIE davon in seiner Kampagne aufgreift und übernimmt. Hier spielen die Spieltugenden an entscheidender Stelle eine Rolle.
Schliesslich haben viele Spieler auch die Kompatibilität mit anderen Spielrunden und etwaige neue Spieler im Hinterkopf.
Das kenne ich ÜBERHAUPT NICHT! - Die Spieler in MEINER Deadlands-Classic-Runde in Ulm scheren sich einen Dreck darum, ob in einer Deadlands-Runde in Flensburg mit den Quellenband-"Fakten" genauso umgegangen wird, wie bei mir. - Und die Spieler in MEINER Necropolis-Runde in Ulm scheren sich einen Dreck darum, ob in einer Necropolis-Runde in Neu-Ulm mit den Quellenband-"Fakten" genauso umgegangen wird, wie bei mir.
"Kompatibiilität" setzt voraus, daß man TATSÄCHLICH ständig einen AUSTAUSCH zwischen unterschiedlichen Gruppen hätte.
Wo kommt so etwas wirklich vor?
Klar, beim "Organized Play" wofür die RPGA im D&D-Sektor ein Beispiel liefert. - Alles standardisiert, die Spieler können und sollen nach Belieben in anderen offiziellen Organized-Play-Runden an anderen Orten mitspielen können.
Das stellt aber einen EXTREMFALL einer von OBEN herab, also von VERLAGS- bzw. ORGANISATIONSSEITE ZENTRAL gesteuerter Spielform dar, die für die Belange häuslicher, nicht offiziell organisierter Spielrunden völlig IRRELEVANT ist.
"Kompatibilität" dessen, was in einer häuslichen, privaten EIGENEN Runde einer Spielgruppe gespielt wird, mit nahezu beliebigen, mit anonymen anderen Runden irgendwo anders "da draußen" stellt KEINEN Wert für das Rollenspiel der Gruppe dar!
Sich seine eigene Gruppe entlang "Kompatibilitätsüberlegungen" auszurichten, stellt sogar eine schädliche UNTUGEND dar, weil hier eine Form externer Autorität in das eigene Spiel einbezogen wird, die dort NICHTS zu suchen hat! -
Das ist wie eine Art SELBSTZENSUR der Spielgruppe! Das ist eine SELBSTVERLEUGNUNG dieser Gruppe! Das ist UNMORALISCH!
Und der Punkt "neue Spieler" zieht nicht. Kein Stück. - Es wird DAS gespielt, was IN DER GRUPPE gespielt wird, und wie es IN DER GRUPPE gespielt wird. - Wer in eine neue Gruppe kommt, von dem kann man im Rahmen normaler gruppendynamischer Vorgänge erwarten, daß er sich in die Gruppe EINFÜGT. Er kann und wird das Gefüge der Gruppe irritieren und hinterfragen, aber die Gruppe insgesamt wird ihn einschließen und er spielt dann so, wie es IN DER GRUPPE, deren TEIL er nun geworden ist, gespielt wird.
Dabei ist es völlig uninteressant, ob die Gruppe mit 200+ Seiten Hausregeln und einer gegenüber veröffentlichten Produkten schwer modifizierten Spielwelt spielt oder nicht. - WILL der neue Spieler mitspielen, dann wird er TEIL dieser Gruppe. Und will er das, was die Gruppe macht, nicht, dann paßt er eh nicht zu den Leuten in der Gruppe und spielt nicht mit ihnen.
Einen "Gewinn" stellt somit eine "Kanon-Treue" WEDER für den einen neuen Spieler noch für die Spielgruppe, die diesen aufzunehmen bereit ist, dar. - Die Gruppe spielt nicht so, wie sie natürlicherweise individuell ausgeprägt spielen würde, weil sie ihre Identität verleugnet, um "kompatibel" zu sein. Der Spieler erhält nur die Pappkameraden eine auf niedrigstem Niveau angeglichenen, "kompatiblen" Spielwelt geboten, statt Teil von etwas Einzigartigem zu werden.
Die Gruppe spielt schlechteres Rollenspiel. Und der Spieler bekommt nur die Möglichkeit schlechteres Rollenspiel zu spielen.
Insoweit mag das Anhängen an "Kompatibilitäts-Anforderungen" durchaus zu einem problemloseren Einstieg eines neuen (aber im Vorfeld bereits rollenspielerisch VERDORBENEN!) Spielers in eine "kompatible" Gruppe führen. - Aber es führt für ALLE Beteiligten zu einem SCHLECHTEN SPIEL.
Und das ist UNMORALISCH.
Da ist es schon nützlich auf einer Linie zu bleiben.
Du propagierst eine "Linientreue" als eine Spieltugend?
Siehe meine Ausführung oben.
Linientreue kann NIEMALS eine Tugend sein, sondern ist stets als UNTUGEND mit der unausweichlichen Konsequenz SCHLECHTEN Spiels und damit der SCHÄDIGUNG des Hobbys insgesamt verbunden.
Davon abgesehen halte ich dein Argument des Konformismus für ein rein theoretisches Konstrukt, daß so im Spiel gar nicht vorkommen kann. Selbst wenn zwei Unterschiedliche SLs WOLLTEN könnten sie nicht die exakt gleiche Spielwelt in ihren Runden umsetzen. Man bringt IMMER etwas von sich ein.
Hier ist die Frage, ob das selbst eingebrachte RELEVANZ hat oder nicht.
Wenn man "linientreu" spielt, dann erlaubt einem das nur einen ENGEN SPIELRAUM. Solange man sich von dessen Grenzen durch SELBSTBESCHRÄNKUNG, SELBSTZENSUR, SELBSTVERLEUGNUNG fern hält, darf man das, was INNERHALB des linientreuen Spielraumes ist, selbst gestalten.
Das ist "Malen nach Zahlen". Man darf zwar KEINE ANDERE Farbe wählen, als die linientreue, die kompatible, die vorgeschriebene, aber man kann das Feld von links nach rechts, oder von oben nach unten ausmalen. Das ist der EINZIGE "eigene" Beitrag. Und dieser ist für das Gesamtbild IRRELEVANT. - Völlig unbedeutend! Wie auch beim linientreuen Rollenspiel, das im KONSEQUENZENLOSEN "Tavernenspiel" sein Äquivalent des Ausmalens vorgegebener Felder findet.
Wenn die einzige Freiheit eines sich SELBST ins Gefängnis gesperrt Habenden darin besteht seinem täglichen Hofgang eine eigene Note zu geben, indem er mal im, mal gegen den Uhrzeigersinn geht, dann nenne ich das trotzdem immer noch UNFREIHEIT in allem, was von Bedeutung ist.
Du führst kein Argument an, warum es eine "Tugend" sei diese Dinge zu verändern, du sagst es einfach nur.
Ich propagiere NICHT das "Verändern von Quellenbandmaterialien" als "Tugend". - Ich propagiere die INDIVIDUALITÄT einer Spielgruppe, deren IDENTITÄT, deren SPIELFREIHEIT, und demzufolge deren ACHTSAMKEIT im Umgang mit Quellenbandmaterialien als Tugend.
Und muß ich Dir wirklich erklären, warum persönliche Identität, Individualität und Freiheit TUGENDEN sein sollen? - Wo bist Du denn aufgewachsen, daß Du das nicht kennst?
Du führst auch keinen Grund für das Verderben bei Kanontreue an.
Doch. Siehe meinen Blog-Artikel oder siehe oben die Ausführungen zur "Kompatibilität". - Kanon-Treue ist UNMORALISCH.