Autor Thema: [Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung  (Gelesen 3228 mal)

Offline Zornhau

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[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« am: 03. April 2011, 03:35:03 »
Degenesis:Verrohung - Das Rollenspielen findet immer einen Weg

Achtung! Dieser Artikel ist mir etwas lang geraten. ;)
« Letzte Änderung: 03. April 2011, 03:42:00 von Zornhau »

Offline BoyScout

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Re:[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« Antwort #1 am: 03. April 2011, 11:22:04 »
als ich "etwas lang" gelesen habe, habe ich schon Angst bekommen.
ich habs trotzdem durchgelesen.

Bei DeGenesis wars mir ein Rätsel, wie Rollenspieler darauf reinfallen konnten. Mit einem Blick auf die Konzeptzeichnungen der "SC" möglichen Charaktere, durchgehend nackte, wahnsinnige, Wilde und dem Wissen, daß eine Endzeit angekündigt war, war mir sofort klar, daß es da nur um eine Emo-Weinerlichkeit über die Schlechtigkeit der Welt ging.

Da ich wenig Interesse an Endzeit habe, hab ich mir dann auch nicht mehr die SW Version angeguckt.

Offline Scorpio

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Re:[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« Antwort #2 am: 03. April 2011, 17:36:48 »
Ich habe extra den Teil zum Abenteuer nicht gelesen. Wenn ich nicht Interviews führen würde, dann hätte ich mich sicher für die Runde auf der RPC eingetragen. :)

Ich hätte aber noch erwähnt, dass neben der schwulstigen Schreibe zu Degenesis die wirklich fürchterlichsten "Abenteuer" erschienen sind, die ich jemals gelesen habe. Das sind bisweilen experimentelle Kurzgeschichten, die man vermutlich nur im Drogenrausch nachvollziehen kann. Spielerinteraktion ist da nur selten vorgesehen, würde ja auch die tolle Geschichte kaputt machen oder so.  ::)

Offline Zornhau

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Re:[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« Antwort #3 am: 03. April 2011, 18:28:15 »
Also das One-Sheet "Menschenjagd" ist alles andere als "schwülstig" oder "experimentelle Literatur", sondern ein saftiges Abenteuer mit der Möglichkeit für HELDEN der Apokalypse zu zeigen, was sie so alles drauf haben (und - lokal - die Welt zu retten, zumindest für ein oder zwei Handvoll Leute).

Ich finde, daß man nach der "Skelett-Transplantation", bei der das rachitische KatharSys durch das höchstleistungsfähige Savage-Worlds-Regelsystem ersetzt wurde, nun daran gehen und den Setting-Fluff mal auf SPIELRELEVANTE Dimensionen eindampfen könnte.

Mir ist ja beim Lesen des Grundregelwerks von Degenesis wirklich SEHR ungut aufgefallen, wie ERMÜDEND und WIEDERHOLEND der Fluff-Text abgefaßt ist. - Hier spielrelevante Informationen aus einem sprachlichen Brei herauszuziehen, ist wie Goldnuggets aus einem Gebirgsfluß in Alaska zu waschen - SEHR langwierig und ermüdend.

Wenn man sich manche Textpassagen anschaut und den IDENTISCHEN Inhalt einfach knapper formuliert wiedergibt, dann bleibt bestenfalls ein DRITTEL Textlänge übrig.

Das Degenesis-Grundregelwerk kann man um die gesamten Regelteile kürzen, dafür die knapp 30 Seiten (mit viel Whitespace!) Degenesis:Verrohung einsetzen. Dann den Fluff-Text von Wiederholungen, Endlos-Schleifen, Lari-Fari-Geblubber und Faktenvermittlungsvermeidung befreien, und man hätte auf 130 Seiten Gesamtumfang ein knackiges, packendes, begeisterndes Setting, das sofort spielbar ist, bei dem man sogleich weiß, WAS und WEN man da spielen kann, und das dem Spielleiter KLAR sagt, was Sache ist.

Keine "Engeleien", die einen über 10 Jahre realer Zeit laufenden Metaplot zu einem der denkbar plattesten und unbefriedigendsten Ende führen, bitte!

Metaplot war NOCH NIE wirklich cool!

So etwas gehört nicht in SPIEL-Materialien - und das sind Rollenspielprodukte nun einmal - sondern (wenn überhaupt! - also besser nicht!) in Romane.

Andererseits scheint ja in Deutschland eine gewisse Tradition zu bestehen, Abenteuer NICHT ZUM SPIELEN, sondern nur ZUM LESEN (und ins Regal stellen) oder ZUM LESEN UND WORTGETREU NACHSPIELEN (ohne Spielereinflußnahme) zu verfassen.

Das One-Sheet, wie auch die gesamte Verrohungs-Conversion ist hingegen ausgesprochen an den Bedürfnissen von ROLLENSPIELERN orientiert. Hier steht das SPIEL im Vordergrund und nicht der verkappte Roman. Und das finde ich gut so. Denn NUR durch das aktive Spiel wird eine Spielwelt erst LEBENDIG.

Tote Textwüsten, graue Bilderweiten - das ist alles so UNLEBENDIG.

Wer ein Rollenspielprodukt erstellt, der sollte eben nie vergessen, daß man das auch SPIELEN können MUSS!

Logan

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Re:[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« Antwort #4 am: 04. April 2011, 08:06:12 »
Grundlegend fand ich ja DeGenesis im Grunde - also vom Setting her - recht schick, wenn auch der angegebene Vergleich "Conan" meets "Dune" immer irgendwie gehingt hat. Zudem war ich noch nie ein Fan von Charakterklassen, weswegen wir diese Konzepte dieser Gruppierungen gleich mal über den Haufen geworfen haben.

Was mich nur wirklich gestört hat, was das extrem nervige Regelwerk, was bei jeder Kreatur unendliche Listen mit Eigenschaften und Fertigkeiten erzeugt hat und jegliche Übersicht unter den Boden gekehrt hat. Deswegen haben wir DeGenesis immer mit Cthulhu, also dem BRP, gespielt, was optimal funktioniert hat. Heute würde ich es entweder auch wieder mit dem BRP oder auch mit BoL oder meinem eigenen System spielen.

Offline Joerg.D

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Re:[Zornhau schreibt ...] Degenesis:Verrohung
« Antwort #5 am: 05. April 2011, 23:11:27 »
Schön zu lesen und gibt einen sehr guten Überblick auf das was einen Erwartet.

Ich finde es nicht zu lang, weil es unterhaltsam ist und man sich qasi in Zeitraffer durch den Text saugt. Neben deiner Betrachtung der Entwicklung in D&D mit Anstand das Beste, was ich von dir kenne und ich kenne viel Gutes von Dir.
Wenn du hier im Forum diskutieren willst, gehe einfach davon aus, das die anderen User genau so SCHLAU sind wie Du und ihre Position mit genau so viel Begeisterung vertreten wie du es machst.

Wenn das nicht hilft, kann man eskalierende Probleme auch im Skype, Hangout oder am Telefon klären.