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Artikel 13

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Offline BoyScout

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« Antwort #15 am: 18. März 2019, 22:47:39 »
Ja gut, ich weiß, was du meinst. Wenn ich solche "Wir XYZ und ihr NICHT"-Seiten sehe, dann habe ich zunächst auch dieselben Reaktionen. Och, schade, ich habe nur eine IT-Seite, dann kann ich wohl nicht gegen Art.13 sein, sowas Dummes aber auch (disclaimer: ich habe KEINE IT-Seite!). In dem Falle glaube ich aber tatsächlich, dass es nicht darum geht, sich selbst gegenüber dem Stamm (zum Teil auch nach außen) aufzuplustern, sondern man was Positives beabsichtigt, nur eben mit kindlichen Methoden.
Einfach, weil ich behaupte, die winzige RPG online community halbwegs einschätzen zu können.

Und deswegen halte ich mich zurück. Wenn wenn sich die Gegner auch noch selbst zerpflücken, dann wird das erst Recht nix.
« Letzte Änderung: 18. März 2019, 22:49:31 von BoyScout »

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Offline Hasran

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Antw:Artikel 13
« Antwort #16 am: 19. März 2019, 00:31:31 »
Das Nutzen des Begriffs virtue signalling als analytisches Konzept scheint mir hier schon nicht ganz verkehrt. D.h. ja nicht unbedingt, dass der Sender das so beabsichtigt, aber als Kommunikationstheoretischen Begriff finde ihn an dieser Stelle nachvollziehbar von Zornhau genutzt.

Ob das Konzept des virtue signalling selbst virtue signalling darstellt, darf auch ruhig gefragt werden. ;)

Grüße

Hasran

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Offline Blechpirat

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Antw:Artikel 13
« Antwort #17 am: 19. März 2019, 01:56:50 »
Ich frag mich ja gerade die ganze Zeit, welche Werte ich eigentlich wem signalisiere.

Subjektiv (also in meiner Wahrnehmung) nutze ich die mir offenen Möglichkeiten um mit maximaler Reichweite zu kommunizieren. Klar könnte ich das auch ohne den Link auf https://pga13.eu/ tun - aber jede politische Botschaft wird wahrnehmbarer, wenn eine möglichst große Gruppe dahinter steht. Das ist sozusagen der Umkehrschluss aus "Divide et impera". Außerdem hat sich dort schon jemand die Mühe gemacht und die wichtigsten wirksamen Protestmöglichkeiten aufgeschrieben.

Insofern wäre es mir sehr lieb, wenn ihr - falls noch nicht geschehen - euren Europaparlamentarier mal 'ne Mail zum Thema schreibt. Locker machbar in der Zeit, in der wir hier über Wertsignalfähnchen diskutieren. Wie es geht, und wie man "seinen" Parlamentarier ermittelt: https://pga13.eu/

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Offline Clawdeen

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Antw:Artikel 13
« Antwort #18 am: 19. März 2019, 03:12:07 »
Ich hake hier noch mal kurz ein und frage dich, Blechpirat, wieso du annimmst, dass die Nutzer hier das noch nicht getan haben?

In allen möglichen Social Media-Bereichen predigt man genau solches Vorgehen seit x Wochen, beispielsweise die mit knapp einer halben Million Nutzern bei Youtube doch prominente Anwaltskanzlei WBS.
Und unter (z.B.) deren Videos findet man dann zusätzlich (!) noch solche Hinweise:
Zitat
Über diesen Link könnt ihr die Politiker des EU-Parlaments direkt kontaktieren: https://saveyourinternet.eu/de/

Die Petition, mit der ihr den Upload-Filter noch in letzter Sekunde verhindern könnt, ist hier zu finden:

Hier könnt ihr sehen, wann und wo in eurer Nähe eine Demonstation stattfindet: https://www.savetheinternet.info/demos

Übrigens finde ich die URL auch deutlich sprechender und übergreifender als "pga13" - oder pnpnews ... danke für den Hinweis, Zornhau, hatte ich bislang noch gar nicht drauf geachtet. Find ich jetzt tatsächlich fast schon amüsant, dass da auch noch mit "Phantast*innen" geworben wird, nachdem ich dieses Projekt nach kurzem Gastspiel verlassen hatte, nachdem ein von mir geführtes Interview mit der Begründung "wir machen das hier so, wie man das immer schon gemacht hat" im Wortlaut "ent-gendert" wurde - also gleich doppelt witzig, weil dieses Vorgehen jedweder Ethik auch im Umgang mit Interviewtexten entbehrte ... aber gegen aufmerksamkeitssichere Uploadfilter kann man dann schon mal "gendern", weil man sonst Leute wie die Vögte oder "Feminismus oder Schlägerei" eher nicht ins Boot holt. Bah, wie mich sowas ankotzt.

Nur weil die Aktion gut gemeint ist oder einen persönlich betrifft (was im übrigen auf die meisten hier inkl. mir zutrifft, wie ich ja im letzten Beitrag schon anmerkte), wird sie dadurch weder toller noch sinnvoller. Es sehen nur andere, die wie ich zu bestimmt 90% betroffen (und teils involviert) sind - und halt dann einen Tag lang ins Leere gucken. Ist im Zweifel ja aber auch nicht schlimm, denn man kann ja noch 2 Tage lang und an allen Tagen danach (bis wir Artikel 13 irgendwann vermutlich "live" erleben "dürfen") gucken. Oh, oder man tritt dem Discordserver bei, um sich da gemeinschaftlich mit den Teilnehmer*innen darüber auszulassen, wie ungerecht und ärgerlich das doch alles ist.

Parallel zu den stetig wiederkehrenden Diskussionen darüber, ob der Nachwuchs im RP schwindet, wie man Leute ins Hobby bringt und Berichte über sinkende Aufrufzahlen gerade bei Blogs ist das schon eine sehr seltsame Aktion, deren Motivation ich echt nicht - leider auch nicht nach deiner Erklärung, Blechpirat - nachvollziehen kann. Muss ich aber natürlich auch nicht.


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Offline Merimac

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Antw:Artikel 13
« Antwort #19 am: 19. März 2019, 10:03:23 »
Da ich aktuell immer noch nicht überzeugt bin, dass die in der allgemeinen Diskussion kolportierten Konsequenzen von Artikel 11 und 13 unumstößlich und mit absoluter Sicherheit eintreten werden, werde ich an dieser Aktion nicht teilnehmen. Im Gegenteil, ich überlege sogar, extra am 21.03. einen neuen Artikel in meinem Blog hochzuladen.

Da aber rsp-blogs.de als Aggregator an genau diesem Datum ausfällt, wird es niemand merken. Oh.

Abgesehen davon frage ich mich, was denn die Konsequenzen aus Artikel 13 für rsp-blogs.de sein könnten und wie man sie sicherheitshalber umgehen kann. Artikel 11 wird nicht greifen, da die gesammelten Blogs nicht der Definition einer Presseveröffentlichung lt. Artikel 2 entsprechen (höchstens noch die Teilzeithelden, und da bin ich nicht sicher).

Zudem werden die meisten hier vertretenen Blogs von Plattformen wie Wordpress oder Blogger gehostet, so dass die dort gespeicherten Inhalte in deren Verantwortung fallen. Ausnahme wären natürlich die wenigen Blogs, die direkt auf rsp-blogs.de liegen. Ja, da kann es tatsächlich sein, dass Blechpirat prüfen muss, ob dort geschützte Inhalte angeboten werden - aber bisher ist mir kein Fall gewahr, dass jemand diese Plattform missbraucht, um die Werke anderer zum Download anzubieten.

Insofern halte ich den einzigen kreativen Inhalt, den Blechpirat zur Verfügung stellt, die Texte von uns Bloggern. Und ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn man sich felsenfest absichern will, alle Blogger gerne bereit sind, dieses Recht an rsp-blogs.de schriftlich einzuräumen.
Denn dieser Dienst ist großartig, eines der wichtigsten Standbeine der deutschsprachigen Blogger und sollte auf keinen Fall verschwinden, nur weil Laien in sperrige juristische Texte ausschließlich die schlechtesten Konsequenzen hineininterpretieren.

ABER: Diese Schritte haben allesamt Zeit, bis die verabschiedete Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt ist; und dies wird noch eine Weile dauern. Dann wird man auch mehr Sicherheit bei den Rechten und Pflichten des genauen Gesetzestextes haben.
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Offline Blechpirat

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Antw:Artikel 13
« Antwort #20 am: 19. März 2019, 12:53:54 »
Abgesehen davon frage ich mich, was denn die Konsequenzen aus Artikel 13 für rsp-blogs.de sein könnten und wie man sie sicherheitshalber umgehen kann. Artikel 11 wird nicht greifen, da die gesammelten Blogs nicht der Definition einer Presseveröffentlichung lt. Artikel 2 entsprechen (höchstens noch die Teilzeithelden, und da bin ich nicht sicher).

Zudem werden die meisten hier vertretenen Blogs von Plattformen wie Wordpress oder Blogger gehostet, so dass die dort gespeicherten Inhalte in deren Verantwortung fallen. Ausnahme wären natürlich die wenigen Blogs, die direkt auf rsp-blogs.de liegen. Ja, da kann es tatsächlich sein, dass Blechpirat prüfen muss, ob dort geschützte Inhalte angeboten werden - aber bisher ist mir kein Fall gewahr, dass jemand diese Plattform missbraucht, um die Werke anderer zum Download anzubieten.

Insofern halte ich den einzigen kreativen Inhalt, den Blechpirat zur Verfügung stellt, die Texte von uns Bloggern. Und ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn man sich felsenfest absichern will, alle Blogger gerne bereit sind, dieses Recht an rsp-blogs.de schriftlich einzuräumen.
Denn dieser Dienst ist großartig, eines der wichtigsten Standbeine der deutschsprachigen Blogger und sollte auf keinen Fall verschwinden, nur weil Laien in sperrige juristische Texte ausschließlich die schlechtesten Konsequenzen hineininterpretieren.
Wie oben geschrieben ist das von mir wahrgenommene Risiko, dass ein Blog auf eine Nachrichtenquelle nach Art. 11 verlinkt. Evlt. gar rechtmäßig, da der Blogger (unwahrscheinlich, aber denkbar) eine Lizenz erworben hat. In der Vergangenheit habe ich das auf cyberpunk2020.de und gratisrollenspieltag.de (noch ohne die bisher unnötige Lizenz) getan (also auf Nachrichtenseiten verlinkt, ggf. mit Zitat). Wenn rsp-blogs.de diesen Teil des aggregierten Blogbeitrags darstellt, dann bin ich zur Lizensierung nach Art. 11 verpflichtet. Will ich das nicht (und das will ich natürlich nicht, ich verdiene ja nichts an rsp-blogs.de) müsste ich das irgendwie ausschließen.

Das Risiko nach Art. 13 ist, dass eines der teilnehmenden Blogs wissentlich oder unwissentlich einen urheberrechtlich geschützten Text oder ein Bild/Video einstellt. Bilder und Videos versuche ich schon herauszufiltern, aber das klappt nicht zuverlässig. Auch dann müsste ich haften. Im Moment wäre ich nur zur Löschung verpflichtet.
Ich gebe dir zu, Merimac, dass die konkrete Ausgestaltung durch den nationalen Gesetzgeber und die Gerichte dazu führen kann, dass dies alles kein Thema wird. Aber wenn wir sicher sind, dass es schlimm wird: Dann ist es zu spät. Also müssen wir jetzt handeln.

[member=492]Clawdeen[/member] Ich hoffe, dass jeder von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht hat.

Zum Abschalten: Klar, die von dir angesprochenen Punkte sind valide. Ich denke, dass ich - z.B. mit rsp-blogs.de und dem Gratisrsptag beide Themen adressiere: rsp-blogs.de macht es leichter, Blogs zu finden und zu lesen - zur Not sogar auf Facebook, wo die Leute heute ja sind. Der GRT ist - soweit mir bekannt - das erfolgreichste Instrument, neue Spieler zu generieren.
Beides entfällt, wenn die Befürchtungen zu Art. 13 wahr werden. Ich stehe also vor der Wahl, jetzt für 24 offline zu gehen, oder in ca. 2 Jahren für immer. Und noch habe ich mit rsp-blogs.de eine der reichweitenstärksten Seiten - mehr Leute kann ich auf keine andere Weise errreichen.

Zum Thema, unter welchem Banner man gegen Art. 13 protestiert. Ich habe erwogen, unabhängig vom pga zu protestieren, aber pga hat aus Rücksicht auf den GRT seinen Protest verschoben. Da wollte ich nicht unhöflich sein.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass als Community der Rollenspieler zu protestieren, mehr Leute abholt, als wenn ich auf die von mir sehr geschätzte Julia Reda verlinke, da dann plötzlich die politische Ausrichtung des Lesers eine Rolle spielt. Bei #savetheinternet gibt es auch Kritiker. Perfekte Lösungen gibt es nicht.

Wenn du mit pga schlechte Erfahrungen gemacht hast, war mir das unbekannt. Eine unabgesprochene Änderung eines Interviews ist natürlich ein Nogo, dass ich auch nicht akzeptieren würde. Für mich war es andersherum: Gerade weil die Vögte und andere, die ich kenne, schätze oder (wie die Vögte) zu meinen Freunden zähle, war es für mich sinnvoll, dieser Gruppe anzuschließen.
« Letzte Änderung: 19. März 2019, 13:08:42 von Blechpirat »

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Offline Hasran

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« Antwort #21 am: 19. März 2019, 13:02:02 »
Ich gebe dir zu, Merimac, dass die konkrete Ausgestaltung durch den nationalen Gesetzgeber und die Gerichte dazu führen kann, dass dies alles kein Thema wird. Aber wenn wir sicher sind, dass es schlimm wird: Dann ist es zu spät.

Ja, aber die Vergangenheit zeigt, dass deine Annahme, der nationale Gesetzgeber wird zu deinen Ungunsten gesetzeln, durchaus begründet ist und wahrscheinlicher als die Hoffnung, es würde sich zum Guten wenden.

Grüße

Hasran

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Offline Merimac

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Antw:Artikel 13
« Antwort #22 am: 19. März 2019, 14:13:49 »
Wie oben geschrieben ist das von mir wahrgenommene Risiko, dass ein Blog auf eine Nachrichtenquelle nach Art. 11 verlinkt. Evlt. gar rechtmäßig, da der Blogger (unwahrscheinlich, aber denkbar) eine Lizenz erworben hat. In der Vergangenheit habe ich das auf cyberpunk2020.de und gratisrollenspieltag.de (noch ohne die bisher unnötige Lizenz) getan (also auf Nachrichtenseiten verlinkt, ggf. mit Zitat). Wenn rsp-blogs.de diesen Teil des aggregierten Blogbeitrags darstellt, dann bin ich zur Lizensierung nach Art. 11 verpflichtet. Will ich das nicht (und das will ich natürlich nicht, ich verdiene ja nichts an rsp-blogs.de) müsste ich das irgendwie ausschließen.

Ah, jetzt werden mir Deine Befürchtungen klarer, danke. Wobei nach meinem Verständnis aber a) die private oder nicht-kommerzielle Verwendung durch Individuen ausgenommen ist, b) reine Hyperlinks nicht unter den Schutz von Artikel 11 fallen und c) Zitate lt. Richtlinie 2001/29/EG Art 5 (übernommen in der neuen Richtlinie lt. Art 11 3) ausgenommen sind.
Aktuell habe ich aber nur die von Julia Reda zur Verfügung gestellte englische Endfassung der Richtlinie vorliegen, was mir die höchst laienhafte Interpretation noch weiter erschwert.

Das Risiko nach Art. 13 ist, dass eines der teilnehmenden Blogs wissentlich oder unwissentlich einen urheberrechtlich geschützten Text oder ein Bild/Video einstellt. Bilder und Videos versuche ich schon herauszufiltern, aber das klappt nicht zuverlässig. Auch dann müsste ich haften. Im Moment wäre ich nur zur Löschung verpflichtet.
Und damit solltest Du nach meinem Verständnis die Auflagen von Artikel 13 4 bereits erfüllt haben. Zudem bedeutet der Kontakt durch einen Rechtinhaber nach meiner Recherche *nicht* automatisch eine Haftung und Strafzahlung, die Löschung kann weiterhin eine gültige Option sein.

Zudem habe ich es mit meinem Google-Fu nicht geschafft herauszufinden, zu welchem Grad kleine Seiten wie eben rsp-blogs.de oder Foren im Allgemeinen nach dieser Richtlinie behandelt werden; und bei der Lektüre der zugrundeliegenden(?) Begriffsbestimmungen aus Richtlinie 2000/31/EC Art. 2 werfe ich verzweifelt das Handtuch. Bewundernswert, wie Juristen diese trockenen Zusammenhänge im Kopf behalten können...

Zuletzt: Erinnert euch bei der ganzen Diskussion um die Folgen der neuen Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft bitte auch daran, wie sehr wir uns mit dem Inkrafttreten der DSGVO um Abmahnwellen und Klagen gegen uns kleine Blogs gesorgt haben. Eingetreten ist davon meines Wissens nichts...
« Letzte Änderung: 19. März 2019, 14:22:54 von Merimac »
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Offline Blechpirat

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« Antwort #23 am: 19. März 2019, 15:54:18 »

Ah, jetzt werden mir Deine Befürchtungen klarer, danke. Wobei nach meinem Verständnis aber a) die private oder nicht-kommerzielle Verwendung durch Individuen ausgenommen ist, b) reine Hyperlinks nicht unter den Schutz von Artikel 11 fallen und c) Zitate lt. Richtlinie 2001/29/EG Art 5 (übernommen in der neuen Richtlinie lt. Art 11 3) ausgenommen sind.
Aktuell habe ich aber nur die von Julia Reda zur Verfügung gestellte englische Endfassung der Richtlinie vorliegen, was mir die höchst laienhafte Interpretation noch weiter erschwert.

Zu "Nichtkommerziell" siehe mein Beispiel zu § 5 TMG. "Diensteanbieter haben für geschäftsmäßige, in der Regel gegen Entgelt angebotene Telemedien" wurde von der Rechtsprechung zu "alle Seiten, die nicht vor der Öffentlichkeit durch ein Passwort geschützt werden" umgedeutet.

Und damit solltest Du nach meinem Verständnis die Auflagen von Artikel 13 4 bereits erfüllt haben. Zudem bedeutet der Kontakt durch einen Rechtinhaber nach meiner Recherche *nicht* automatisch eine Haftung und Strafzahlung, die Löschung kann weiterhin eine gültige Option sein.

Zudem habe ich es mit meinem Google-Fu nicht geschafft herauszufinden, zu welchem Grad kleine Seiten wie eben rsp-blogs.de oder Foren im Allgemeinen nach dieser Richtlinie behandelt werden; und bei der Lektüre der zugrundeliegenden(?) Begriffsbestimmungen aus Richtlinie 2000/31/EC Art. 2 werfe ich verzweifelt das Handtuch. Bewundernswert, wie Juristen diese trockenen Zusammenhänge im Kopf behalten können...
Wenn Löschung eine gültige Option sein sollte, wäre das vielleicht okay. Kann ich aber auch nicht erkennen. Unterstellen wir, du hättest Recht: Wer trägt dann die Kosten? Nicht der Löschung selbst, sondern der vorher nötigen Schritte: Ermittlung, Anwalt, etc? Üblicherweise der "Verletzer", hier also ich. Sind dann auch schnell einige hundert Euro, da im Urheberrecht absurd hohe Streitwerte üblich sind.
Sind kleine Seiten betroffen? Ich bin übrigens Anwalt, und bin mir da auch keinesfalls sicher. Viel soll ja auch noch durch die Umsetzung in den Mitgliedsstaaten konkretisiert werden. Aber da mache ich mir keine Hoffnungen - bisher wurde in Deutschland immer alles nur schlimmer gemacht. In der Diskussion nennt man das "goldplating". Die "harten" Ausnahmen greifen jedenfalls nicht. Und die meisten Forenbetreiber gehen davon aus, dass sie betroffen sein werden: https://foren-gegen-uploadfilter.eu/offener-brief/

Zuletzt: Erinnert euch bei der ganzen Diskussion um die Folgen der neuen Richtlinie zum Urheberrecht in der Informationsgesellschaft bitte auch daran, wie sehr wir uns mit dem Inkrafttreten der DSGVO um Abmahnwellen und Klagen gegen uns kleine Blogs gesorgt haben. Eingetreten ist davon meines Wissens nichts...
Beachte, das ich DA zu den völlig entspannten Leuten gehört habe. Gerade wegen meiner beruflichen Vorbildung war mir eine realistische Risikoeinschätzung möglich, die einen Weiterbetrieb ermöglichte. Wenn ich also hier (nach all den Wellen, bei denen massenhaft Blogs in Panik geschlossen wurden) zum ersten Mal nervös werde...

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Offline Merimac

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Antw:Artikel 13
« Antwort #24 am: 19. März 2019, 16:14:16 »
[...] Ich bin übrigens Anwalt, und bin mir da auch keinesfalls sicher. [...]

DAS war mir nicht bewusst; und da trete ich selbstverständlich mit meinen Auslegungen einen Schritt zurück. Aber danke für die sachlichen Antworten und Gegenargumente, ich weiß das sehr zu schätzen. Ich habe eben bei meinen Versuchen, die Materie adäquat zu durchdringen, auch zahlreiche Artikel gefunden, die bereits die aktuellen technischen Möglichkeiten in Verbindung mit menschlicher Prüfung als durchaus machbar und verhältnismäßig einschätzen (bei entsprechend großen Unternehmen, die ja auch das Hauptziel der Richtlinie sein sollen); ebenso Beiträge von Kreativen, die versichern, dass die im Netz ermöglichte Reichweite ja durchaus in ihrem Interesse ist und deshalb rigorose rechtliche Schritte dem sogar entgegenliefen.

Hier soll aber nicht der Platz für diese Debatte sein, sie wurde und wird an anderen Stellen bereits erbittert ausgefochten.
« Letzte Änderung: 19. März 2019, 16:30:50 von Merimac »
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Offline BoyScout

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Antw:Artikel 13
« Antwort #25 am: 19. März 2019, 21:27:20 »
Zitat von: merimac
Zudem habe ich es mit meinem Google-Fu nicht geschafft herauszufinden, zu welchem Grad kleine Seiten wie eben rsp-blogs.de oder Foren im Allgemeinen nach dieser Richtlinie behandelt werden;
ja, google-fu. Nuff' said. Ich denke, Blechpirat hat doch ziemlich deutlich klar gemacht, dass es bei diesen Urheberregulierungen wie so oft eben gerade NICHT um Recht, sondern um Unrecht geht. Schlussendlich schafft man Sicherheit für die größeren Anbieter und hält die kleineren, privaten erpressbar und in Angst. Man kann sich noch so sehr im Recht fühlen, wenn die Mahnbriefe reinschneien.
Im Moment ist doch noch nichtmal klar, ob man noch Texte zitieren darf.

Ein Lösungsansatz könnte es sein, ähnlich Regelficken zu betreiben. Fernsehverlosungen per Telefon haben sich z.B. damals aus der Affäre gezogen, in dem sie hirnverbannte Rätselfragen stellten, die man "lösen" musste: "Was ist größer, Eins oder Zwei?".
Ernste Frage: wäre es evtl. möglich, ein Forum so durch ein "Passwort" zu "sichern", so dass es unter keine dieser Regelungen fällt? Auf der Hauptseite von RPS-Blogs könnte z.B. ja eine Art "Hilfestellung" stehen, wie man dieses "Passwort" bekommt.

Oder anders: klar, Foren und blogs verlieren weiter an Reichweite, aber man darf nicht vergessen, dass wir dann alle in derselben Scheiße sitzen, und die Leute werden sich daran anpassen. Dann ist es vielleicht wieder normal, dass man sich ein Passwort für ein Forum besorgen muss.
« Letzte Änderung: 19. März 2019, 21:32:30 von BoyScout »

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Offline Blechpirat

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« Antwort #26 am: 20. März 2019, 09:46:57 »
Ich denke, Blechpirat hat doch ziemlich deutlich klar gemacht, dass es bei diesen Urheberregulierungen wie so oft eben gerade NICHT um Recht, sondern um Unrecht geht. Schlussendlich schafft man Sicherheit für die größeren Anbieter und hält die kleineren, privaten erpressbar und in Angst. Man kann sich noch so sehr im Recht fühlen, wenn die Mahnbriefe reinschneien.
Nein, das habe ich nicht gesagt.

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Offline Teylen

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Antw:Artikel 13
« Antwort #27 am: 20. März 2019, 11:12:27 »
Ich beteilige mich an der Aktion weil ich es wichtig finde auf die Problematik hinzuweisen.
Einerseits, aus meinem eigenen Interesse heraus. Sowohl aus der Perspektive das ich weiterhin Inhalte konsumieren möchte ohne das diese durch Upload-Filter eingeschränkt werde oder wegfallen. Als auch aus der Perspektive heraus, dass ich weiterhin Inhalte produzieren möchte, ohne eine größere Angriffsfläche zu bieten, mit Upload-Filter zu kämpfen oder gar Plattformen zu verlieren.
Andererseits, um andere zu Informieren. Meiner Beobachtung nach, gibt es bereits in dem aktiven Teil der Rollenspieler, solche welche entweder die Thematik nicht mitbekommen haben und solche welche behaupten kein Problem mit Artikel 13 zu haben respektive es relativieren. Wobei dem aktiven Teil der Rollenspieler, ein großer nicht aktiver Teil gegenüber steht. Ich habe auf WODnews zwischen 30 bis zu 185 bzw. im Axtrem-Ausschlag 268 Visitors täglich. Von denen mucksen sich im Schnitt weniger als einer pro Tag.

In Bezug auf die "pga13" habe ich auch kein Problem damit, dass es von PNPnews angestoßen wurde. Einer muss es schließlich anstoßen respektive organisieren und soweit ich es erkennen kann gibt man sich redlich Mühe etwaige weniger verträgliche eigene Ansichten, wie zu Sprache und gendern, im Sinne der Sache sein zu lassen.

Wobei mein Plan ist, einfach eine leere Seite, mit etwas Text wieso und weshalb zu veröffentlichen.
Eine Weiterleitung war doch dahingehend nicht gefordert bzw. die Idee? Nur eine schwarze Seite.

Zitat
Zudem werden die meisten hier vertretenen Blogs von Plattformen wie Wordpress oder Blogger gehostet, so dass die dort gespeicherten Inhalte in deren Verantwortung fallen.
Das stimmt, ich habe jedoch als Bloggerin, die Wordpress als Blog-Lösung und als Hoster nutzt, ein Interesse daran, dass Wordpress in Deutschland bzw. der EU weiterhin bestehen bleibt und auch das Wordpress nicht mit einem Upload-Filter mein bloggen behindert.
Schließlich wird Wordpress ähnliche, wenn nicht stärkere, Überlegungen wie Blechpirat führen.

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Offline Merimac

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Antw:Artikel 13
« Antwort #28 am: 20. März 2019, 11:40:14 »
Ich habe mir nun einmal die Gegenseite genauer angesehen, sprich die Tarife der VG Wort, VG Bild-Kunst und der GEMA. Ja, die Preise sind horrend, insbesondere für kleine Anbieter wie den Blechpiraten. Andererseits erkenne ich in deren Preisgliederungen nicht, in welche Kategorie Blogs und/oder Foren überhaupt fallen sollten.

Macht es mittelfristig Sinn, mit diesen Gesellschaften in Kontakt zu treten, wie sie diese Medienform zu behandeln gedenken / bereits behandeln? Dann hätte man wenigstens einmal Klarheit von dieser Seite.
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Offline BoyScout

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« Antwort #29 am: 20. März 2019, 12:57:20 »
Schlussendlich, diese Aktion wird auf keinen Fall Schaden anrichten. Ist halt nur schade, dass sie (er? es?) exklusiv für Phantast*InnenX ist. Daran stoßen sich halt einige, die nicht dazu gehören oder die Geschlossenheit kritisieren, ist ja auch irgendwo verständlich.


Nein, das habe ich nicht gesagt.
Das stimmt, das hast du nicht. Das nehme ich aber daraus mit, es ist einfach das, was in der Realität passiert. Du schreibst ja selbst, dass du "nervös" bist.


p.S. ich halte den Vorschlag mit einem Passwort immer noch für eine legitime Lösung.