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guest805

Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« am: 08. September 2019, 16:08:45 »
Wie sieht es denn aktuell mit der Rollenspieltheorie aus?

Für mich sieht es so aus, als gäbe es keinen bevorzugten Spielstil mehr, sondern eine Vielzahl von Richtungen. Täuscht das, und es ist gerade doch eine bestimmte Richtung "in" Gibt es noch nennenswerte (deutsche) Rollenspieltheoretiker außer dem Hofrat? Ist die "Handlungsmaschine" noch ein Ding? Irgendwelche kontrovers diskutierten Themen?

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guest553

Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #1 am: 08. September 2019, 22:02:02 »
Mein letzter Stand war das "Big Model" der Forge: Da ist wohl Konsens, dass es nicht funktioniert, eher verwirrt als Klarheit bringt, und keine neuen Erkenntnisse bietet.

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Offline Vondenburg

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #2 am: 09. September 2019, 08:01:14 »
Ich würde da eher genereller auf ein artverwandtes Gebiet schauen. Bei Computerspielen sind sie in der Theorie schon wesentlich weiter und hatten die Spannungen zwischen Spiel- und Erzähltheorie schon hinter sich gebracht.

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Offline BoyScout

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #3 am: 09. September 2019, 17:56:42 »
Im Laienbereich kenne ich auch nur den Forge Stand, was auch immer der jetzt bedeuten mag.

Im Akademischen kann es sein, dass es sich nur unserer (Laien-)Wahrnehmung entzieht, da es ja durchaus Hochschulen gibt, die sich damit beschäftigen. AFAIK stehen da aber Brett- und Computerspiele im Vordergrund, die in Sachen (ernstzunehmender) Forschung sicher um Lichtjahre weiter sind.

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guest805

Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #4 am: 09. September 2019, 17:59:29 »
Scheint so. Wenn man aktuelles sucht, muss man wohl auf die Computersachen zurückgreifen. Das neueste was ich im englischsprachigen bereich gefunden habe, war von 2005, deuschsprachig gibts gefühlt gar nix. 

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Offline Lord Verminaard

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #5 am: 09. September 2019, 18:22:25 »
Ich habe mich da in den letzten 10 Jahren nicht weiter mit beschäftigt. Davor gab es ja:

- Forge + Diaspora
- Process Model (hat irgendwie keinen interessiert, ließ halt auch irgendwie keine großen Schlussfolgerungen zu)
- Design Patterns (hab ich nur überflogen, schien auch nicht für viele Diskussionen gesorgt zu haben)
- die nordische Community, natürlich weniger P&P-lastig, die ja so abgefahrenes Zeug wie Jeepform oder das Turku-Manifesto hervorgebracht hat (bin ich aber auch nicht so tief drin gewesen)

Bei den Sachen zu Computerspielen stellt sich schon die Frage der Übertragbarkeit. Ein ganz wesentlicher Punkt bei den Computerspielen ist ja gerade das Gameplay, das eben nicht optional ist. Und die Frage würde ich für P&P als offen betrachten. Klar kann man etymologisch argumentieren (Role-playing GAME) aber da gibt es eben schon Vertreter, die auf diesen Aspekt mehr oder weniger vollständig verzichten. Kann man dann natürlich Gesichtskontrolle-mäßig sagen "du kummst hier net rein" (aka "das ist kein echtes Rollenspiel (tm) mehr"), die Frage ist, was ist damit gewonnen?
Gelber Gürtel im Pyro-Fu - Grüner Gürtel (Sword of Lankhmar) im Ghoulu Jitsu - 11. Grad (Maiglöckchen) in des fröhlichen Orcs holistischer Rollo-Lehre - Schwarzer Gürtel im Drama-Fu (Drachen-Stil)
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guest805

Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #6 am: 09. September 2019, 19:13:24 »
Angesichts der Tatsache, das es sonst nix aktuelles gibt, würd ich die Computerspieldinge gelten lassen. Weiss wer, was da grade der Stand ist?

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Offline BoyScout

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #7 am: 09. September 2019, 19:22:45 »
Scheint so. Wenn man aktuelles sucht, muss man wohl auf die Computersachen zurückgreifen. Das neueste was ich im englischsprachigen bereich gefunden habe, war von 2005, deuschsprachig gibts gefühlt gar nix. 
Im Computerspielebereich gibt es schon Deutschsprachiges. An der Hochschule Trier gibt es eine Fakultät. Bei den Rocket Beans wurde deren Professorin interviewt. Das gibt vielleicht einen Einstieg.
https://www.youtube.com/watch?v=lNH48qnJAGg

Wohlgemerkt, die EINZIGE (stand 2015, jetzt größer), ist also alles noch Neuland bei uns.
Als Warnung, die Frau kommt aus der Dramaturgie. Wir sind also jetzt schon auf dem absteigenden Ast ;D

Im RPG Bereich wird das (Forschung) in Deutschland vrmtl. nie passieren, wobei immer mal wieder Abschlussarbeiten mit dem Thema P&P auftauchen (in den Foren durch Umfragen z.B.).
« Letzte Änderung: 09. September 2019, 19:25:29 von BoyScout »

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Offline Andreas (RPGnosis)

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #8 am: 09. September 2019, 19:31:26 »
Wer darf denn "die Rollenspieltheorie" aufstellen und was genau soll sie eigentlich machen...?
RPGnosis - unser neues Blog.

sphaerengefluester.de - unser alter Podcast (derzeit auf Eis)

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Offline Hasran

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #9 am: 09. September 2019, 19:32:27 »
Scheint so. Wenn man aktuelles sucht, muss man wohl auf die Computersachen zurückgreifen. Das neueste was ich im englischsprachigen bereich gefunden habe, war von 2005, deuschsprachig gibts gefühlt gar nix. 
Im Computerspielebereich gibt es schon Deutschsprachiges. An der Hochschule Trier gibt es eine Fakultät. Bei den Rocket Beans wurde deren Professorin interviewt. Das gibt vielleicht einen Einstieg.
https://www.youtube.com/watch?v=lNH48qnJAGg

Wohlgemerkt, die EINZIGE (stand 2015, jetzt größer), ist also alles noch Neuland bei uns.
Als Warnung, die Frau kommt aus der Dramaturgie. Wir sind also jetzt schon auf dem absteigenden Ast ;D

Im RPG Bereich wird das (Forschung) in Deutschland vrmtl. nie passieren, wobei immer mal wieder Abschlussarbeiten mit dem Thema P&P auftauchen (in den Foren durch Umfragen z.B.).

Inwiefern muss ich befürchten, dass die Überlegungen zu  Computerspielen durch Industrie-Interessen belastet sind?

Grüße

Hasran

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Offline BoyScout

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #10 am: 09. September 2019, 19:35:21 »
[member=775]Hasran[/member] ich würde den Gedanken auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. ;)
https://www.intermediadesign.de/team/prof-linda-breitlauch

hier, zur eigenen Recherche:
https://www.intermediadesign.de/initiativen-der-fachrichtung-intermediales-design/partner

Auszug:
"In enger Zusammenarbeit mit der Marketingabteilung der ERCO GmbH wurden Konzepte und Entwürfe für das Thema Social Media Marketing im strategischen Kommunikationsmix erarbeitet."
« Letzte Änderung: 09. September 2019, 19:38:38 von BoyScout »

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Offline BoyScout

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #11 am: 09. September 2019, 19:42:50 »
Wer darf denn "die Rollenspieltheorie" aufstellen und was genau soll sie eigentlich machen...?
Im Optimalfall sollte sie eine Vorhersage auf Grundlage vorherige Beobachtungen machen. Ich weiß jetzt nicht, was man mit dem Big Model voraussagen soll. AFAIK dient sie nur dem Game Design, also das Schreiben des RPGs mit Blick auf eine bestimmte Zielgruppe. Aber natürlich sind die Schubladen so willkürlich gewählt, dass das schon zu Genüge auseinander genommen wurde.

und natürlich kann jeder eine Theorie aufstellen, sofern sie überprüfbar ist.

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Offline Settembrini

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Antw:Aktueller Stand der Rollenspieltheorie
« Antwort #12 am: 09. September 2019, 20:47:20 »
Ich finde die Ludologie ein reichlich halbseidenes Gebiet im Bereich der Computerspiele. Das einzige Redliche ist doch es so zu halten wie die akademisierten Kritikerstudiengänge: Literaturwissensschaften, Kunstgeschichte usw.

Das kann man machen, aber der beste Kunsthistoriker der Welt kann deswegen kein einziges Kunstwerk erzeugen. Ich glaube da ist die Ludologie noch ein weites Stück von entfernt, auf dem Level der Kunstgeschichte anzukommen, und selbst dann beantwortet es vermutlich gar nicht die Fragen, die der Threadersteller meinte?

Denn die Praxis des Spielleitens im Hobbyrollenspiel, die die mich interessiert, da gibt es gar keinen akademischen Apparrat für. Ich mußte mir meinen selber basteln aus den umherfliegenden Ideen. Ich würde sagen das macht mich zu einem AD&D-style "Sage" des Spielleitens, einen "Weisen".  Wollte man das auf ein Niveau jenseits des Anekdotischen und der Spielkunstschule machen, müßte man individualpsychologisch vorgehen, um die Problemlösungsstrategien des Leiters beim Leiten zu analysieren und zu bewerten; müßte das verknüpfen mit soziologischen Untersuchungen zu popkulturellen Moden usw. Implizit wäre dieses Modell also 100% spielleiterzentriert, wofür ich meine man viele Belege anführen kann, warum das plausibel ist.
Die Problemlage ist ungefähr die Selbe um rauszufinden, warum ein Lehrer gerade das macht, was er macht, oder ein Elternteil beim Erziehen. Wobei dabei zumindest die Auswirkung des Lehrens und Erzeihens einigermaßen erkennbar sind (mit doll zusammengekniffenen Augen!), das fehlt beim Rollenspiel dann nun gänzlich!
Es gibt ja keinerlei Zielfunktion, die irgendwie das Spielerlebnis bewerten könnte, da fehlen uns ja schon qualitativ die Kategorien. Wir schadroneure und connoseurs haben ein Geschmacksvokabular aufgebaut...aber naja...wine tasting würde ich das mal nennen, von Wissenschaft sehr weit entfernt.

Die Ludologen sind scholars, also Gelehrte, die vielleicht alles gelesen haben, aber [...].

Beides ist von echter Theoriebildung denke ich weit entfernt.
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Offline Settembrini

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« Antwort #13 am: 09. September 2019, 20:53:16 »
Aber ich hau mal trotzdem was raus:

Theorem : "Es gibt eine Spielleitungsstrategie, die ihre Techniken und Handlungen kostenminimierend durchführt und damit risiko- und innovationsavers ist."

Lemma:"In Onlinediskursen verteidigen die Anhänger dieser Strategie ihre Handliungen mit der Verächtlichmachung anderer Strategien."

Klassische Defizittheorie, was sie nicht können, das wollen sie dann auch nicht. Zum Teil aus Angst. Anders kann ich mir die ganzen unqualifizierten Bemerkungen Richtung [mit Aufwand + Zahlen verbundene Technik] kaum erklären.

 
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Offline Vondenburg

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« Antwort #14 am: 10. September 2019, 04:58:24 »
Bei den Sachen zu Computerspielen stellt sich schon die Frage der Übertragbarkeit. Ein ganz wesentlicher Punkt bei den Computerspielen ist ja gerade das Gameplay, das eben nicht optional ist. Und die Frage würde ich für P&P als offen betrachten. Klar kann man etymologisch argumentieren (Role-playing GAME) aber da gibt es eben schon Vertreter, die auf diesen Aspekt mehr oder weniger vollständig verzichten. Kann man dann natürlich Gesichtskontrolle-mäßig sagen "du kummst hier net rein" (aka "das ist kein echtes Rollenspiel (tm) mehr"), die Frage ist, was ist damit gewonnen?
Wie ich schon mal schrieb: DEN Konflikt haben sie schon lange hinter sich gebracht. :)
Klar gibt es weiterhin Unterschiede zwischen P&P-Rollenspielen in Computerspielen. Allerdings arbeiten sich extrem viel Literaturwissenschaftler an Computerspielen in der ludonarrativen Theorie ab.