Hier treffen sich die Rollenspiel-Blogger und ihre Leser!

Phantastischer Realismus?

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

*

Offline Athair

  • ****
  • Beiträge: 302
    • Profil anzeigen
Phantastischer Realismus?
« am: 14. Juni 2013, 01:19:56 »
Wie kommt DSA zu dem Begriff?
Es rätselt mich, gerade weil Kiesow ja Kunstlehrer war.

Andererseits scheint es mir, dass die DSA-Verwendung, bei allen augenscheinlichen Verbindungen, etwas völlig anderes als die Stilrichtung in der Malerei meint. Außerdem ... Zusammenhang mit dem romatischen Geist?
... Antworten auf falsche Fragen sind sinnlos.


Zur ZauberFerne.

*

Offline Zornhau

  • ****
  • Beiträge: 1.293
  • Freßt NAPALM!
    • Profil anzeigen
    • Zornhau schreibt ...
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #1 am: 14. Juni 2013, 03:51:15 »
Vermutlich genau so, wie Das Schwarze All (DaSA) zum Begriff "wissenschaftlicher Realismus" kommt. :D

*

Offline Craulabesh

  • **
  • Beiträge: 9
    • Profil anzeigen
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #2 am: 05. März 2014, 08:20:10 »
Naja der magische Realismus ist ja auch eine literarische Strömung, Kafka, Süßkind, Robert Schneider. Die literarischere Version von „Fantasy“. Vllt soll phantastischer Realismus eine Unterkategorie sein, die da aufgemacht wird, von der man aber sonst nichts im weltweiten Netz findet. Da ist dann nur DSA drin ;)

*

Offline Greifenklaue

  • ****
  • Beiträge: 1.828
    • Profil anzeigen
    • http://greifenklaue.wordpress.com/
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #3 am: 05. März 2014, 14:20:12 »
Phantastischer Realismus entsteht, wenn man die Wirklichkeit veredelt ...  ;)
Gewürfelt - nicht gedreht !!!

Greifenklaue Blog - Podcast - Zine

*

Offline Andreas (RPGnosis)

  • ****
  • Beiträge: 297
    • Profil anzeigen
    • RPGnosis
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #4 am: 11. März 2014, 09:31:11 »
Ich glaub', dass das nichts mit Kunst und Literatur zu tun hat, sondern schlicht das bedeuten soll, als was es beschrieben wird: DSA wollte "realistisch" sein in dem Sinne, dass die Welt auch ohne SL funktioniert, und zwar im Rahmen des "Phantastischen", das ebenfalls in der Welt ist.
Ich weiß nicht, seit wann der Begriff bei DSA auftaucht (seit der 3. Edition mit Sicherheit), da gab es bereits "Realismusdiskussionen", und auf solche glaube ich zielt der ab.
RPGnosis - unser neues Blog.

sphaerengefluester.de - unser alter Podcast (derzeit auf Eis)

*

Offline BoyScout

  • ****
  • Beiträge: 2.721
    • Profil anzeigen
    • hoch ist gut
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #5 am: 11. März 2014, 17:58:05 »
Könnte das nicht in der Schwerter und Helden Box (DSA3) gestanden haben?
oder evtl. in einem der "offenen" Briefe von Kiesow aus den 80igern?

Ich denke, es ist relativ offensichtlich, dass der Begriff wortwörtlich zu verstehen ist, sehe das genauso wie Andreas. Aber wie so oft scheitert bei DSA wieder mal der Anspruch an der (phantastischen) Realität.
In der Nachbildung alltäglichen (Stadt)Lebens wirkt Aventurien ja auch ziemlich realistisch. Ich wüsste nicht, welches RPG das mithalten könnte. Es ist ja auch nicht so schwierig, den Alltag/die Geschichte der eigenen Eifel-Kleinstadt 1:1 nach Aventurien zu kopieren.
Aber auf der geographischen Ebene funktioniert da nur sehr wenig, was den Verdacht nahelegt, dass sich da nie irgendjemand in den Teams auf der Makroebene (sei es ökonomisch, ökologisch, biolog-, geolog-, polit-, militär- oder irgendein anderes -isch) wirklich auskannte.

Die Frage ist natürlich: Wer will das? Offensichtlich sehr viele. Auf der einen Seite bewirkt das die ziemlich starke Bindung an die Spielwelt (ich nenne es mal second-life-effect), auf der anderen Seite kann man da keine groß angelegten, ergebnisoffenen Abenteuer spielen. Aber halt Story-Eisenbahnen erzählen, wo man die Spielwelt hinter dem Plot verstecken kann.

ach, über DSA wurde schon so viel gesagt. Auf jeden Fall mehr, als es den Ärger wert ist.

p.S: fast genauso sieht das bei Shadowrun aus, was ja auch ein global player ist (war?).
« Letzte Änderung: 11. März 2014, 18:12:16 von BoyScout »

*

Offline Zeitzeugin

  • ****
  • Beiträge: 196
    • Profil anzeigen
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #6 am: 11. März 2014, 18:31:59 »
Bei DSA wurde immer gesagt(ja, auch in den Spielhilfen selbst), dass sich die Spieler das aus den Regelwerken ziehen sollen, was sie als gut und passend für ihre eigene Kampagnen/Spielstile erachten. In meinen alten Runden haben wir immer größere Kampagnen mit ergebnisoffenen Enden gespielt, da war nichts von übertragenen Eisenbahnen zu sehen.  Trotzdem blieb und bleibt es DSA.
Wer sich sklavisch an jede Regel hält, wird wohl mit keinem System richtig glücklich. Ich zumindest nicht.

Das ist jetzt Offtopic, aber dieses "deshalb kann man nicht...." ist in meinen Augen einfach falsch. Man kann alles. Gerade im (kreativen und die Vorstellungskraft anregendem) Rollenspiel.
« Letzte Änderung: 11. März 2014, 18:33:44 von Zeitzeugin »

*

Offline BoyScout

  • ****
  • Beiträge: 2.721
    • Profil anzeigen
    • hoch ist gut
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #7 am: 11. März 2014, 19:49:27 »
Klar sagen die das. Weil man das immer sagen kann.
Dazu kommt ja auch, dass das, was als unrealistisch auffällt, durch den eigenen Horizont begrenzt ist. Damit kann sich eine Kunde rausreden (oder glücklich werden). Ein Entwickler hat dazu aber Stellung zu beziehen, wenn er auf so etwas hingewiesen wird. Und "mach's dir halt selbst" ist keine Rechtfertigung. "Hab' ich nicht gewusst, mach' ich besser" oder "Hab' ich zwar nicht gewusst, sowas sollte man in Aventurien aber auch nicht einbringen" sind welche. Wieso sagen die das nie?

Zitat von: Zeitzeugin
Wer sich sklavisch an jede Regel hält, wird wohl mit keinem System richtig glücklich.[...]
Das ist jetzt Offtopic, aber dieses "deshalb kann man nicht...." ist in meinen Augen einfach falsch.
Das ist ein Widerspruch.
Merkste selbst.

Kann ich ein RPG RAW spielen und trotzdem neutral jeden Input der Mitspieler verarbeiten? Wohl nicht. Jedenfalls erzählen mir das die Wischi-Waschi-Toleranzspieler immer.
« Letzte Änderung: 11. März 2014, 19:51:12 von BoyScout »

*

Offline Craulabesh

  • **
  • Beiträge: 9
    • Profil anzeigen
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #8 am: 12. März 2014, 16:18:31 »
Ich versuche noch mal BoyScouts Aussage zusammenzufassen:

DSA gibt sich realistisch, ist es auch, aber nur auf einer Mikroebene. (Manche nennen das dann nicht Realismus sondern (falsche) Stimmung.)

BoyScout macht jetzt ein Gegenmodell: der Realismus oder die Stimmigkeit auf einer Makroebene und anders als um Details geht es hier um Regeln. (Manche sagen, durch solche Regeln entsteht echte Stimmung, Stichwort: Handlungsmaschinen.)

Jetzt gibt es hier das Missverständnis, dass es nur Railroading/ nicht Railroading gäbe im Sinne ergebnisoffen oder nicht und, dass man jedes Spiel railroaden kann oder nicht.

Man kann aber den Begriff „Ergebnisoffenheit“ differenzieren:
1. Railroad (Regeln eh egal)
2. ergebnisoffen ohne Regeln
3. ergebnisoffen mit Regeln (Sandbox, ARS)

Die These von BoyScout wäre nun, dass Spielart 3 im Makrospiel, also dem Heldenspiel, wo es um Politik, Schlachten usw. geht, nicht mit DSA geht (weil die Regeln fehlen), sondern nur Spielart 2.

Böse Zungen könnten nun sagen, wenn es keine Regeln gibt, dann wirken die unsichtbaren Regeln, das Metagame (Freundin-des-Spielleiter-Syndrom usw.), implizite narrative Regeln (Es-ist-der-erste-Akt-da-kann-ich-nicht-sterben), alles das was als Lust der Vernunft und dem Willen entgegengesetzt wird usw. Und da ginge es nun um den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (hui, der andere Thread hat Wirkung gezeigt) und darum, sich der Frage zu stellen, nicht: Regeln, ja oder nein? Sondern: welche Regeln wählen wir?
« Letzte Änderung: 14. März 2014, 12:27:52 von Craulabesh »

*

Offline BoyScout

  • ****
  • Beiträge: 2.721
    • Profil anzeigen
    • hoch ist gut
Re: Phantastischer Realismus?
« Antwort #9 am: 12. März 2014, 17:28:18 »
Das Zitat mit der Unmündigkeit und DSA-Spielern hatte ich 1-2 Jahre in der Signatur ;D

mmh, ich denke, du wirfst hier viel in einen Topf.
Um Spielregeln ging es mir jedenfalls nicht. Die funktionieren so oder so nicht, egal auf welcher Ebene. Und "soziale" Regeln funktionieren am Tisch auch nur für den am Besten, der sich am Besten durchsetzen kann.

Aber Regeln im Sinne von in-Game Wechselwirkungen. Die meine ich. Wo es heiss ist, kann es keine Eiswüste geben, es sei denn, es gibt eine Spielwelterklärung (Magie?). Thorwaler können keine Horas-Flotte besiegen, so sagt man. Etc.pp.
Und diese Regeln werden in Aventurien auf der Makroebene gebrochen. Auf der Mikroebene sind den Charakteren (=Spieler), die Wechselwirkungen oft eh nicht bewusst. Ob der Händler den Bedarf an Hartwurst, die er verkauft, überhaupt decken kann, ist für den (stimmigen) Kauf genausowenig feststellbar, wie irrelevant.
Und auf dieser Ebene läuft 90% des DSA-Spieles ab.

Ich spreche also schon von Regeln. Und DSA kann man eben nur da stimmig spielen, wo sie nicht benötigt werden oder welche vorhanden sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man DSA-Stimmung aufbauen kann, wo diese Lücken konkret zu Tage treten. Nämlich spätestens,wenn man sich das große Bild anschaut.

Ich kann als Aventurienschreiber ja nicht einfach sagen "am Tag X im Kalendar geht die Sonne einfach gar nicht auf", OHNE entweder
- eine Erklärung zu liefern oder zumindest
- die Auswirkung auf die Spielwelt zu beschreiben.
Aber das ist es, was bei Aventurien auf der Makroebene passiert, nur für den einen eben mal mehr undmal weniger auffällig.
So ist es ja auch meistens in den Spielrunden. Entweder man hat keine Ahnung von einem Thema, dann fällts eh nicht auf, oder es wird über Logiklöcher in Aventurien diskutiert.
Selbst Marvel-Welten funktionieren nach bestimmten Regeln. Warum sollte das ausgerechnet für Aventurien nicht gelten müssen?
« Letzte Änderung: 12. März 2014, 17:35:52 von BoyScout »