Autor Thema: C-Webs entwerfen  (Gelesen 3274 mal)

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Offline Joerg.D

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C-Webs entwerfen
« am: 25. November 2010, 12:43:31 »
Diese Übertragung ist nicht auf meinem Mist gewachsen, aber der Ersteller hat mir die Erlaubnis gegeben, die Sache hier zu veröffentlichen.

Danke Harald!

Ein C-Web ist ein Werkzeug mit dem man konfliktgeladene Szenarien entwickeln kann. Dabei handelt es sich teils um Brainstorming, teils um eine Relationship Map

Wie groß?

Die erste Frage die sich stellt, ist die nach der Größe des Konflikts. Er wird „groß“ sein, aber nicht nach der Anzahl der beteiligten Charaktere, sondern nach der Zahl der möglichen „Seiten“ und Nebenkonflikte, die sich daraus entwickeln können. Wenn man Millionen Mann zählende Armeen im Krieg gegeneinanderziehen läßt, aber es nur 2 Seiten, keine Verräter oder untergeordnete Motivationen gibt, handelt es sich um einen sehr einfachen Konflikt (wie bei GI Joe). Wenn man drei Leute mit vielschichtigen Zielen und Absichten hat, dann kann es sehr schnell ganz übel werden (House of Flying Daggers).

Man muß die genaue Anzahl der möglichen Seiten nicht von vornherein festlegen, aber bevor man sich an die Arbeit macht sollte man eine gute Vorstellung vom Konflikt haben, damit man für einen One-Shot nicht ein C-Web vorbereitet, dass eines George R.R. Martins würdig wäre.

Als Daumenregel sollte man mit 3 Seiten beginnen. Mit 3 Seiten wird es interessant, aber noch nicht verwirrend.

Das Netz aufspannen

Man beginnt mit 2 Charakteren, die in Konflikt zueinanderstehen. Dieser Konflikt wird (noch) nicht aktiv verfolgt, aber eine der beiden Seiten wird bald damit beginnen, und die andere Seite muß darauf reagieren.

Die Namen dieser Charaktere schreibt man auf ein Blatt Papier und verbindet sie mit einer Linie. In der Mitte markiert man die Linie mit einem Dreieck. Das Problem, das die beiden haben, können sie nicht unter sich lösen – sie werden andere Leute in Mitleidenschaft ziehen und beeinflussen.

Jetzt fügt man einen Charakter hinzu, der mit einem oder beiden der bestehenden Charaktere verbunden ist. Zeichne eine Linie zwischen ihnen ein und markiere sie entsprechend der folgenden Aufstellung:

    * Dreieck = Verfeindet
    * Kreis = Befreundet
    * Quadrat = Verpflichtung/Macht/Schuld

Komplikationen

Jetzt ergänzt man weiter Charaktere, die mit anderen Charakteren verknüpft sind und denkt sich weitere Begebenheiten aus, die ihre Beziehungen erklären, insbesondere solche, die andere Beziehungen belasten. Wenn sich zum Beispiel Amy und Beth hassen, aber beide mit Clarissa befreundet sind, dann sind Clarissas Beziehungen zu ihnen unter Druck (woraus sich gutes Drama entwickeln
kann).

Man kann auf dem Bogen alle Verbindungen einzeichnen, die sinnvoll erscheinen. So entstehen ganz einfach untergeordnete Konflikte und Dreiecksbeziehungen.

Für einen One-Shot sollte man nicht mehr als 3-6 Charaktere vorbereiten. Für eine kurze Kampagne sind 5 bis 8 gut. Eine längere Kampagne kann 8-20 Charaktere im C-Web haben (und man kann später immer noch welche hinzufügen).

Die Regel der Zwei Helfer

Jeder Charakter, der die Speerspitze einer "Seite" darstellt, sollte zwei Helfer haben, die verschiedene Facetten dieser Seite verkörpern. Hier kann man ganz wunderbar extreme Einstellungen zu einem bestimmten Thema unterbringen, oder die Position des Anführers kontrastieren.

Ein Beispiel: Ein neuer religiöser Anführt versucht seine Bewegung zu legitimieren. Dann könnte einer seiner Jünger ein fortschrittlicher Altruist sein, der nur der Gesellschaft helfen will, während der andere ein durchgeknallter Extremist ist…

So kann man das gleiche Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und in jede Seite Subkonflikte integrieren, oder Verbündete für die verschiedenen Standpunkte von vertretern anderer Seiten gewinnen…

Wie benutzt man das C-Web?

Es ist ein einfaches visuelles Hilfsmittel, die Ziele, Absichten und Beziehungen verschiedener Charaktere zu verstehen. Es hilft auch beim
Brainstorming. Alle Charaktere sind miteinander verwoben, man hat keine eher zufällige Ansammlung von Charakteren, die nichts mitdeinander zu tun haben, und man kann ganz schnell Subkonflikte erkennen und aufbauen. Mit den Ideen aus dem
C-Web kann man Konflikte bauen, wie man sie beim Flag Framing haben will, aber jede andere Art der Vorbereitung geht natürlich auch.

Im Spiel selbst wird das C-Web nicht soviel benutzt, weil die Beziehungen sich häufig ändern können und es einfach zuviel Aufwand ist, sie im Spiel aktuell zu halten. Natürlich kann man daraus Reaktionen und Ziele ableiten, aber eigentlich lohnt sich das C-Web mehr für die Vorbereitung und zum Ideensammeln zwischen den Spielsitzungen. Die R-Maps aus Sorcerer, die Beziehungen beschreiben, die sich nicht verändern, eignen sich besser für die Nutzung im Spiel.

Fortgeschrittene C-Webs

Was passiert, wenn zwei Charaktere unterschiedlich füreinander empfinden? Wenn es etwas komplexer sein soll, kann man jede Linie mit zwei Symbolen kennzeichnen; dann steht das dem Charakter näherstehende Zeichen dafür, wie er zum anderen steht.

Zum Beispiel könnte Alvin seinen Vater Bill bewundern, aber Bill kümmert sich nur um Alvin, weil die Gesellschaft es will. Dann würde bei Alvin ein Kreis stehen, und bei Bill ein Quadrat. Autsch! Diese Beziehung wird bestimmt problematisch sein, und man kann sehr leicht Konflikte daraus entwickeln.


Ein Beispiel:

Es mag nicht das beste Beispiel sein, aber die Charaktere in dem HeroQuest-Szenario Well of Souls von Bankuei und Peter Nordstrand sind nach dieser Methode entwickelt worden.


Eine Standard-Form:

Nimm drei Seiten und gib jeder Seite 2 Helfer. Einige der Helfer sind Verbündete, andere miteinander verfeindet – egal, zu welcher Seite sie
tatsächlich gehören. So bekommt man 9 Charaktere und ein paar Subkonflikte.


Stärken:

Diese Methode soll die komplexen vielschichtigen Beziehungen erzeugen, wie man sie in Epen wie Romance of the Three Kingdoms, Heroes of the Watershed/All Men are Brothers, dem Ramayana, der Mahabharata, Njal's Saga und modernen Geschichten wie Artesia oder A Game of Thrones findet. Sie eignet sich wunderbar für HeroQuest, The Riddle of Steel und anderen Spielen mit einem Schwerpunkt auf Politik.
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[Abenteuerblog] serafin

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #1 am: 25. Januar 2011, 19:40:53 »
Danke für diesen sehr erhellenden Beitrag. Der ist bisher ganz an mir vorüber gegangen.

Offline Joerg.D

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #2 am: 25. Januar 2011, 19:53:14 »
Der ist für den Otto Normal User auch nicht ersichtlich.

Wir haben meinen ganzen Kram ja aus dem sichtbaren Forum verschoben, weil es das RSP Blogs Forum sein soll und nicht das Jörg und Karsten Forum.

Das Ding hat übrigens Oliof übertragen, nicht ich.
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Offline Blechpirat

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #3 am: 25. Januar 2011, 19:57:07 »
Ich hab derweil dieses Board auch für die Gruppe Blogger erstmal wieder unsichtbar gemacht.

[Abenteuerblog] serafin

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #4 am: 25. Januar 2011, 20:28:55 »
Nach dem lesen dieses Beitrags wurde mir so einiges klar.

Ich habe ja mit solchen Dingern auch schon hantiert. Aber offenbar alles falsch gemacht, was geht. Von zu Viel über die Vermischung mit einer R-Map, usw.

Das muss ich direkt nochmal neu ausprobieren bei nächster Gelegenheit.

Offline Jan

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #5 am: 28. Juni 2011, 08:50:04 »
Hört sich interessant an. Werde ich mir für meine Kampagne mal näher anschauen, wobei ich mich schon frage, ob es nicht mehr Aufwand ist so ein Web zu zeichnen und neu zu zeichnen später, um wieder einen Überblick zu kriegen. Gilt analog auch für R-Maps, da beide Methoden ja durchaus ähnlich sind. Oder bringt es im Spiel wirklich soviel, dass der Überblick mehr Zeit spart als das Malen kostet?


Dies habe ich gepostet, obwohl seit 120 nicht mehr geantwortet wurde. Das hast Du nun davon, Simple Machines!
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Offline Captain

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #6 am: 28. Juni 2011, 09:35:52 »
Ich finde schon.
Ich fahre z.Z. ne Kampagne, bei der ein Krieg zwischen drei Konfliktparteien das Setting bilden. praktisch für jede Sitzung kommen da einzelne Figuren oder ganze Truppen dazu und es gehen auch welche drauf. Klar isses aufwändig zwischen den Sitzungen das C-Web zu aktualisieren. Aber während der Session hilft mir der Überblick ziemlich gut. Insbesondere wenn es ums Abschätzen der Folgen von Entscheidungen und Handlungen der Spieler geht.

Offline Joerg.D

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #7 am: 30. Juni 2011, 13:27:58 »
Wenn man das C-Web mit Timelines ergänzt und die SLC lebendig sind, dann rockt das Prinzip.

Ich gehe sogar soweit, dass ich meine SLC gezielt zum steuern der Geschichte einsetze (oder es zumindest versuche).
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Offline Jan

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #8 am: 01. Juli 2011, 07:48:26 »
Ne Timeline im C-Web selbst (Tag 15, Baron von Biertrunk hasst Gräfin von Schminkspiegel udn greift an) oder ne separate Timeline?

Meine NSC ham halt ne eigene Agenda, die die Geschichte beeinflusst. Ansonsten ist mir ja egal wohin sie läuft.
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Offline Joerg.D

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #9 am: 04. Juli 2011, 21:25:14 »
Klar haben die NSC eine eigene Agenda.

Aber es gibt bei mir auch immer Ereignisse, die ich mit den NSC reflektieren kann um neue Handlungsanreize für sie und die Gruppe zu schaffen.
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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #10 am: 05. Juli 2011, 07:57:47 »
Wobei Ereignisse nur in seltenen Fällen losgelöst von NSC eintreten. Bis auf Naturkatastrophen seh ich da nix. Die wirklich interessanten Ereignisse kommen gewöhnlich aus der Interaktion irgendwelcher Figuren oder Organisationen zu Stande, selbst wenn das welche sind, die bis dato nicht im Web standen.

Offline Joerg.D

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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #11 am: 05. Juli 2011, 18:43:04 »
Meine Welt braucht immer Farbelemente, die von den Spielern losgelöst sind. Da kommt der Erzählonkel in mir durch. Außerdem dringen die Ereignisse oft in die Welt der Spieler vor und sorgen da für Ansätze.
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Re:C-Webs entwerfen
« Antwort #12 am: 06. Juli 2011, 11:30:35 »
Von Spielern losgelöst klar. Ich hab da aber rausgelesen, daß du Ereignisse meinst, die von sämtlichen Figuren (also auch von NSC) losgelöst auftauchen. Und dafür fällt es mir schwer, Beispiele zu finden. Wer das kan, möge solche bitte einwerfen. Würde mich wirklich sehr interessieren.