Autor Thema: Spieler hinterfragen nichts  (Gelesen 19553 mal)

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Offline Der Narr

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #75 am: 12. September 2012, 19:57:28 »
"Die von einem Charakter benutzen Waffen und seine Rüstung stellen seine hauptsachlichen Hilfsmittel beim Erreichen seines Ziels dar, wenn Logik und Überredungskünste versagt haben." - Traveller, S. 31 ;D.

Offline BoyScout

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #76 am: 12. September 2012, 21:13:05 »
Ich hab die Lösung. RPG Kämpfe müssen einfach nur langweilig genug sein, so dass die Spieler freiwillig rollenspielen ;D

Offline Der Narr

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #77 am: 12. September 2012, 21:36:02 »
Ich denke, das hat etwas mit dem Fokus des Spiels zu tun. Wenn das Spiel als ganzes weniger "charakterfokussiert" ist, braucht man auch nicht so viel Augenmerk auf "spannende Kämpfe" zu legen und kann sie z.B. auch abstrakter handhaben.

Wobei Spieler besonders tödlicher Systeme (z.B. RuneQuest) ja berichten, dass ihre Spieler hier auch eher versuchen, Kämpfen aus dem Weg zu gehen.

Ich muss aber sagen, dass ich in der letzten Zeit mehrmals versucht habe, Kämpfe zu vermeiden es aber einfach nicht FUNKTIONIERT hat und zum Teil war das auch wirklich nicht abzusehen. Beispiel: Ich will mit einem Druiden reden -> der Druide greift uns an. Im Moment mache ich die Erfahrung, dass in unserer Runde sowieso alles auf Kämpfe hinaus läuft und es dann wohl am besten ist, den First Strike zu fahren und gar nicht mehr erst friedliche oder findige Pläne in Erwägung zu ziehen, sondern gleich eine möglichst gute Ausgangsposition für das große Gefecht zu finden.
« Letzte Änderung: 12. September 2012, 21:38:55 von Der Narr »

Offline BoyScout

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #78 am: 12. September 2012, 22:38:22 »
ich sag dir, das liegt nicht nur an den Kämpfen, das liegt an den Regeln. Wären (könnten) Gespräche genauso detailliert verregelt, würde nur noch gequatscht werden.

Das zweite Problem (resultiert aber aus dem Ersten): verzerrte Wahrnehmung. Ja, ein Druide hat die Gruppe in einem Gespräch attackiert. Und mit wie vielen NSCs wurde davor ganz normal geredet? Ich würde sagen 1:20 mindestens. Heisst: spielt man 4 Stunden am Stück aus, ist das nix wert, wenn es durch 1 Stunde Kampf unterbrochen wird (was ungefähr dem typischen Verhältnis entsprechen dürfte).

Offline Der Narr

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #79 am: 12. September 2012, 23:57:07 »
Nein, das sehe ich nicht so.

Wobei ich jetzt auch nicht beim Gespräch mit der Kräuterfrau erwarte, dass das zum Kampf eskalieren könnte, so dass ich tatsächlich nicht merke: Oh, da ist es mir erfolgreich gelungen, einen Kampf zu verhindern! Du hast aber natürlich recht, wir könnten natürlich auch wenn wir in eine Taverne gehen erstmal den Wirt hinterrücks erdolchen und dann gratis essen und schlafen. Insofern vermeiden wir ständig Kämpfe, Juhu.

In der Situation mit dem Druiden hatten wir an dem gesamten Spielabend iirc mit vier NSC geredet (nicht 20), davon haben wir mit zweien gekämpft und die anderen zwei haben wir gerettet...

Ich bevorzuge es, die bedrohlichen Situationen zu betrachten. Wie oft gelingt es, eine bedrohliche Situation zu deeskalieren und eine friedliche, diplomatische Lösung zu finden? (Dazu zähle ich im weiteren Sinne jetzt auch Bestechungen und Erpressungen.) Und wenn die Regeln dazu keine Möglichkeit liefern, muss man das per Handwedelei können, sprich durch das ganz normale Ausspielen der Charaktere und Nichtspielercharaktere.

Ich komme mir jedenfalls langsam doof dabei vor, behutsamer zu agieren, wenn am Ende doch wieder gekämpft wird. Dann lieber gleich richtig auf Kampf eingestellt agieren, sprich: Erst zuschlagen, dann fragen.
« Letzte Änderung: 13. September 2012, 00:03:30 von Der Narr »

Offline Zornhau

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #80 am: 13. September 2012, 00:31:42 »
Im Moment mache ich die Erfahrung, dass in unserer Runde sowieso alles auf Kämpfe hinaus läuft und es dann wohl am besten ist, den First Strike zu fahren und gar nicht mehr erst friedliche oder findige Pläne in Erwägung zu ziehen, sondern gleich eine möglichst gute Ausgangsposition für das große Gefecht zu finden.
Das liegt dann aber daran, daß Euch der Spielleiter als Spieler der NSCs eben derartige friedlichere, verbale Problemlösungen durch den sofortigen Angriff des NSCs gar nicht erst zuläßt.

Hier solltet Ihr mal mit dem Spielleiter reden. - Vielleicht ist er sich selbst ja nicht so ganz sicher, wie seine NSCs auf "Verhandlungen" reagieren sollen.

Eventuell sollte er halt auch mal den ersten Schritt gehen und seine NSCs von sich aus die Unterredung suchen lassen.

Beispiel: Vorgestern in der Marvel Heroic Roleplaying Runde hatte ich sowohl Mr. Fantastic als auch Captain America ordentlich verbal "eingeschenkt", weil ich ihnen durch REDEN eines NSCs reichlich emotionalen Streß verpassen konnte. Das ist für redegewandte Superschurken ein verdammt guter Weg sich um eine Schlägerei - die sie meist ja verlieren würden - herumzudrücken und dennoch den Superhelden echte Schwierigkeiten zu bereiten (vor allem, wenn die Superschurken eigentlich argumentativ ja RECHT hatten!).

Rede mit Deinem SL, sag ihm, daß Du NSCs nicht nur als stumme Zielscheiben haben möchtest, sondern mit diesen - GERADE auch mit den Gegnern! - sinnvolle verbale Interaktion sehen möchtest.

Bei einem stummen Zombie als Gegner ist das natürlich müßig, aber sobald der Gegner eigene Zielsetzungen hat, die er eventuell einfacher und risikoloser für sich selbst verbal erreichen kann, ist das Reden mit der Opposition eine gute Vorgehensweise. Und selbst die käsigsten Superschurken wollen doch ausgiebig verbal über die Gutlinge triumphieren und ihre Überlegenheit auskosten, gleich zum Kampf schreiten - das ist doch einfach STILLOS!

Offline BoyScout

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #81 am: 13. September 2012, 20:15:08 »
ich wusste nicht, dass man nur Rollen ausspielt, um Kämpfe zu vermeiden.

Das Problem ist doch eher. Warum sollte irgendein Bösewicht über seine Probleme mit den SCs reden? Die SCs haben ja meistens nicht mal direkt etwas mit den Konfliktträgern zu tun. "hallo Fremde, ich habe euch was zu sagen".
Und das zweite Problem:
Klar, man kann mit dem Straßenräuber reden und ihm drohen, bis er aufgibt, aber wie soll man das glaubwürdig rüberbringen? Der Straßenräuber wird schon einen Grund haben, die Leute überfallen zu müssen. Und wie macht man das beim Superschurken? "bitte, bitte, aktiviere nicht die Armageddonmaschine" - "Also so habe ich das noch nicht gesehen, ok"? Oder cheesiger "denkt denn hier keiner an die Kinder?" "mmh, ihr habt recht, eröffnen wir ein Waisenhaus". Da ist doch kein Konflikt.
Im Endeffekt wird es doch immer darauf hinaus laufen, den Leuten ins Gewissen zu reden aber I.d.R. hat man im Spiel ja nicht gerade die Konflikte wie in RL, die man verbal lösen kann.

Aber es stimmt natürlich, dass wir regelmäßig kämpfen. Und einige Spieler machen auch nix anderes zwischen den Kämpfen (liegt aber sicher auch aus Mangel an Zielen und aus Mangel an Konflikten).

« Letzte Änderung: 13. September 2012, 20:17:08 von BoyScout »

Offline Der Narr

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #82 am: 14. September 2012, 09:31:14 »
Du setzt jetzt eindimensionale NSCs voraus. Ich dachte, dein ganzes Anliegen war, dass die NSC und Situationen nicht eindimensional seien, aber die Spieler das nicht rafften.

Offline BoyScout

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #83 am: 14. September 2012, 15:32:53 »
Nein, ich sagte, die NSCS und Situationen SIND eindimensional und das man daran mal was zun könnte, was aber woh niemand will.

es ist natürlich erheblich schwieriger Herausforderungen zu machen, die nicht per Kampf lösbar sind, aber trotzdem genauso spannend sind. Fordern ist einfach.
Für ein Spiel ist es halt erheblich einfacher, einfach irgendwo ein paar Orks hinzupflanzen, wenn man die gerade zur Abwechslung braucht.
« Letzte Änderung: 14. September 2012, 15:36:43 von BoyScout »

Offline Ylar

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #84 am: 27. Mai 2013, 20:46:04 »
Hmm.. ich hab in mehr als 11 Jahren SF Chat RPG eher das Gegenteil erlebt, nämlich dass Spieler zu oft und zuviel hinterfragen. Das kann vllt daran liegen, dass in Science Fiction Fans von sich aus der Zweifel steckt und alles (vor allem wissenschaftlich oder zumindest mit logischem Denken) unbedingt nachvollziehbar sein sollte. Im Extremfall führte das bei manchen sogar dazu, dass sie gar nicht mehr in der Lage waren zu spielen, weil sie nur noch darauf bedacht waren, Logikfehler zu entdecken, zu vermeiden oder irgendwie (die von anderen) glatt zu bügeln. Auf der anderen Seite haben wir zwar einen Online-Würfel, der aber so gut wie nie benutzt wird, weil es eben mit logischem Denken gelöst wird. Und falls das mal aus dem Ruder läuft, greift der Spielleiter ein und macht die Umgebung z.B. feindlicher oder ändert sie so, dass es der Story hilft, womit die Leute dann auch bei der Stange gehalten werden.

Das Problem mit den Kämpfen haben wir auch selten, weil wir mit dem zivilen Tiefen-Raumschiff, das viele Lebewesen beherbergt und meist fernab von schützenden Flotten operiert, zwangsläufig Kämpfe vermeiden müssen. Sowas tritt höchstens mal auf, wenn wir auf Planeten oder Raumbasen sind und da die (Kampf-)Fähigkeiten der Charaktere mehr zählen. Daher achten wir insbesondere bei der Aufnahme von Neuspielern darauf, dass sämtliche Fähigkeiten (und deren Beschränkungen) vor deren Einsatz abgesprochen sind. Wenn da die Beschränkung ist, dass man es nur 2x pro Sitzung einsetzen kann, dann denkt der Spieler vorher nach, ob er das wirklich will und lässt es eher bleiben, weil er von ausgeht, dass er die Fähigkeit später ja vielleicht noch mehr brauchen könnte.

SF bietet aber vllt auch sehr viele Konfliktmöglichkeiten, sei es nun im technologischen, biologischen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereich. Das Genre ist ja im Grunde aus der Vorführung bzw. Simulation von Konflikten zur Erweiterung des menschlichen Horizonts entstanden.
« Letzte Änderung: 27. Mai 2013, 21:13:49 von Ylar »

Offline BoyScout

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Re: Spieler hinterfragen nichts
« Antwort #85 am: 28. Mai 2013, 18:16:29 »
Vielleicht darf man das Hinterfragen doch nicht über einen Kamm scheren. Ist ja auch die Frage, worüber gefragt wird. Ich kann meine Runde per NSC z.B. alles Mögliche vom blauen Himmel herablügen, wenn es um den Plot geht, ohne, dass die nur ansatzweise an dem Inhalt zweifeln und ich denke, das liegt daran, weil es eben oft keinen Unterschied macht, ob man die Wahrheit erfährt.
Dazu muss ich sagen, dass wir fast immer Runden haben, in denen sich die Charaktere im Kampf sehr gut behaupten können.