Autor Thema: Warum seid ihr Spielleiter?  (Gelesen 15772 mal)

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Offline Andreas (RPGnosis)

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Warum seid ihr Spielleiter?
« am: 05. September 2014, 15:00:34 »
In der Diskussion zum Vorstellungsraum hat Falk die Frage aufgeworfen, warum man es sich eigentlich antut, Spielleiter zu sein:
Zitat
Man liest doch sehr oft “muss”, “sollte” u.Ä. während Spieler meistens “dürfen” und “können”. Daher rühren auch die Probleme her, die ich bei der Findung von SL-Motivationen habe. Also warum hat der SL ein Interesse, dass die Spieler eine Info bekommen. Warum hat er ein Interesse daran, die Welt plausibel darzustellen?
Warum hat er nur Pflichten, was hat er davon, SL zu sein? die SL Position ist allgemein ja auch nicht sehr beliebt.
Beim Spieler hat das etwas mit Ausleben zu tun. Aber beim SL?
(...)
Ich finde die Interessen (Ideen) des SLs entscheidend, bevor es überhaupt Sinn ergibt, sich über Vorstellungen zu unterhalten. Auf Spielerseite sehe ich hier noch irgendwo eine spielerische Herausforderung, selbst, wenn der Spieler in jedem Moment “nein” zu einer Herausforderung sagen kann. Aber wo ist die spielerische Herausforderung für den SL? Warum, überspitzt gesagt sollte er sich das antun? Und viele wollen sich das ja auch nicht antun.

Keine Frage, Spielleiten kann aufwendig sein. Recherchieren, Vorbereiten, Welten, Szenarien und Regelkonstrukte entwerfen, im Spiel den Überblick behalten, fair Regeln und Spielerentscheidungen beurteilen, zwischen verschiedenen Spielerinteressen vermitteln und je nach Spielweise noch viele weitere Aufgaben - das kann in Stress ausarten und wird oft genug von der Spielrunde nicht ausreichend gewürdigt.

Ich denke, wenn man die richtigen Spieler und das richtige System hat, kann Spielleiten eine tolle und befriedigende Aufgabe sein - nur, was gibt es einem konkret? Was sind eure Interessen beim Spielleiten? Welche Aufgaben und Ziele setzt ihr euch, woraus zieht ihr genau eure Befriedigung dabei? Welche Herausforderungen schätzt ihr dabei (oder auch gerade nicht)? Kurz: Was gibt euch die Rolle des Spielleiters?

Hier soll es erstmal nicht um konkrete Tipps gehen, sondern ich würde zunächst gern erfragen, ob sich eure Erwartungen, Wünsche und Ansprüche an die Spielleiterrolle sowie die Gründe dafür, sie überhaupt zu übernehmen, irgendwie decken und man über wesentliche Elemente einen Konsens finden kann.
Danke für euren persönlichen Einblick!
« Letzte Änderung: 05. September 2014, 15:02:06 von Andreas (RPGnosis) »
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Offline BoyScout

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #1 am: 05. September 2014, 15:12:25 »
ich muss mir darüber auch noch klarer werden.
Der Schlüssel liegt aber bei den Mitspielern. Wenn ich alles, was ich als SL mache, auch alleine bekommen könnte, würde ich nicht zu einer Spielrunde gehen. Recherchen, Welten basteln, Szenarien entwerfen, Karten zeichnen - Dinge, dich ich persönlich meistens schrecklich finde - können es demnach nicht sein.
Es muss also etwas sein, was die Mitspieler mir geben.

Offline Zornhau

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #2 am: 05. September 2014, 15:38:34 »
Ich bin Spielleiter, weil ...

... ich mich gerne überraschen lasse.
... ich gerne anderen Überaschungen bereite.
... ich nur als SL so viele unterschiedliche Charaktere spielen kann.
... ich neugierig bin, was meine Spieler aus meinem Input so alles machen.
... ich im je nach Regelsystem unterschiedlichen Gameplay auf unterschiedliche Weise spaßbereitende Dinge tun kann.
... ich den Raum der "Möglichkeiten", den Spielwelt und Abenteuer darstellen, gerne auf eine konkrete Basis erspielter FAKTEN abgebildet sehen mag. Nur dadurch wird eine "nebulöse" Spielwelt erst greifbar, werden Entscheidungsmöglichkeiten und unterschiedlich wahrscheinliche Verläufe zu wirklichen (Spiel-)Erlebnissen und erinnerbaren FAKTEN, und erhält die reine Phantasie so eine spielerisch greifbare Wirklichkeit.

Dafür nehme ich Anstrengungen, Zeitaufwand, Arbeitsaufwand, Streß und Hektik in Kauf, denn eine gute Spielrunde befriedigt fast so schön wie guter Sex (nur fast :D).

Offline Der Narr

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #3 am: 06. September 2014, 12:51:04 »
Bei mir können verschiedene Gründe ausschlaggebend sein.

- Ich spielleite zur Frustvermeidung. (Weil in der Runde kein brauchbarer SL ist.)
- Ich spielleite, um die Settings spielen zu können, die ich gut finde. (Andere SL mögen andere Settings als ich.)
- Ich spielleite, weil ich eine Idee für ein Setting oder eine Kampagne habe, die ich umsetzen möchte.

Das können - müssen - sollen-Problem kenne ich aber nur zu gut. Mich nervt es, wenn von Spielern irgendwelche Erwartungen oder Anforderungen geäußert werden, auch wenn sie gar nicht böse gemeint sind. Da versuche ich inzwischen konsequent zu kontern und zu erklären, dass ich es nicht als meine Aufgabe sehe, mich darum zu kümmern. Als SL nehme ich mich in vielen Bereichen gerne stark zurück, die einige Spieler wohl als traditionell SL-Angelegenheit sehen, dafür bleibe ich um so fester bei einigen Dingen, die mir wichtig sind. Nichts ist schrecklicher als Spieler, die einem in Dinge reinreden wollen, von denen sie keine Ahnung haben.

Dass man als SL auch Spaß haben kann und das in verschiedenen Spielsituationen, setze ich voraus. Aber das hat man als Spieler ja auch. Dass man als SL Spaß haben kann, ist also für mich keine Motivation, zu spielleiten. Das wäre ja sonst albern. Wem das Spielleiten gar kein Spaß macht (oder besser, weil Spaß ein doofes Wort ist: wer nicht GERNE spielleitet, warum auch immer), der sollte es besser sein lassen.

Offline Greifenklaue

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #4 am: 07. September 2014, 09:35:28 »
Ich spielleite gar nicht so oft, weil ich auch gerne spiele. (1/3tel SL, 2/3tel Spieler)

Aber, nachdem ich die Lust am Spielleiten etwas verloren hatte, hab ich sie vor längerem wiedergefunden. Gründe:

- Spielern mit den Dingen Spaß bereiten, an denen ich Spaß habe.
- Mit ergebnisoffenem Spiel meine Spieler und mich selbst überraschen.
- Mich mit einem Szenario auseinandersetzen und darin einfinden.
- Mit herausfordernen Spiel meinen Spielern ein befriedigendes Erlebnis geben, etwas geschafft zu haben.
- NSCs zum Leben erwecken.

Ansonsten trifft Zornhau eigentlich ganz gut meine Beweggründe.

Auch der erste Grund des Narren kenne ich zumindest aus einigen wenigen Runden, liegt aber aktuell nicht vor.

Desweiteren fragte mich mal ein anderer SL, warum ich Abenteuer mehrmals spiele.

Tatsächlich mag ich es, wenn ich mich erstmal mit einem Szenario auseinandergesetzt, darin "eingefühlt" habe, weiß, wie die NSC ticken etc - und da die Spieler anders vorgehen auch ein ganz anderes, neues Abenteuer entsteht - das mag ich auch!
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Offline BoyScout

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #5 am: 07. September 2014, 12:16:09 »
mmh, also viele Gründe (nicht alle) scheinen eher Gebermentalität zu sein, wohingegen Spielergründe oft Nehmerqualitäten haben.

Für mich ist die spielerische Herausforderung rel. wichtig, aber die kann man als SL m.E. nicht haben, da der SL über jegliche Herausforderungen selbst entscheided. Gut, es soll auch Leute geben, die gegen sich Schach spielen können aber ich kann meine Interessen vom SL sein nicht so oft trennen.
Auch das Testen des Szenarios an den Spielern empfinde ich eher als Stress, weil oft Situationen aufkommen, die man spontan neu gestalten muss und eben NICHT zu den eigenen SL Vorstellungen passten ("also vermutlich geht ihr zuerst in die Taverne"- "Nee, ich geh zuerst innen Puff" - " oh, äh, ja Moment, gut, 5 min Pause..").

So. was bleibt übrig? Ich hab ja schon ein Interesse daran, die Szenarien "gut" umzusetzen, also müsste es auch eine Motivation geben.Vielleicht die Bestätigung durch die Spieler (Lob?),

Offline Andreas (RPGnosis)

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #6 am: 07. September 2014, 14:37:13 »
Für mich ist die spielerische Herausforderung rel. wichtig, aber die kann man als SL m.E. nicht haben, da der SL über jegliche Herausforderungen selbst entscheided.
Hier scheint mir gerade die Kombination mit den genannten wichtigen Faktoren Freiheit und Überraschung interessant: die "Herausforderung" des Spielleitens ist eine ganz andere als die des Spielers. Es geht hier nicht darum, einen Charakter erfolgreich Gefahren überwinden zu lassen, sondern im Gegenteil Herausforderungen für die Spieler so zu stellen, dass sie anspruchsvoll, aber fair und schaffbar (oder umgehbar oder zumindest Alternativlösungen auffindbar) sind. Das ist in vielen Systemen gar nicht so einfach.
Der andere Part der Herausforderung ist die Spielweltdarstellung, gute Improvisationsfähigkeiten, Kommunikation, Spielverlauf in Gang halten etc.
Die Herausforderung des Spielleitens sehe ich auf einer völlig anderen Ebene als die des Spielers, und ich denke, sie ist intellektuell auch deutlich anspruchsvoller - es reicht nicht, seinen Charakter, die Regeln und den Hintergrund zu kennen, sondern vielmehr besteht die Aufgabe im Aufrechterhalten des Spielgeschehens, der Dynamik, der Gruppenführung.
Beinahe könnte man sagen: der Spielleiter spielt ein anderes Spiel als die Charakterspieler.
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Offline BoyScout

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #7 am: 07. September 2014, 16:29:31 »
Ja, das sind Herausforderungen an sich selbst, die Spieler können das maximal bestätigen bzw. bewerten. Die Herausforderung für die Spieler stellen die sich aber nicht selbst, haben also keinen direkten Einfluss auf den Widerstand (das meinte ich mit spielerische Herausforderung).
Das wäre vielleicht nochmal was anderes, wenn die Spieler die Forderungen stellen (was sie ja manchmal auch tun), sozusagen als Aufgabe an den SL, aber die Grundlage ist dann halt wieder die Bewertung. Das ist eben eine andere Herausforderung als die des Spielers. Als SL bewerte ich ja nicht die Aktion des Spielers und dieser orientiert sich nicht als Herausforderung daran, ob der SL die Aktion jetzt gut/schlecht/plausibel/wasauchimmer findet.

Das der SL ein anderes Spiel spielt ist schon einigermaßen treffend, ich würde eher noch sagen, er spielt gar kein Spiel. Und das ist für mich ein bisschen das Problem, weil ich gerne Spiele spiele.
« Letzte Änderung: 07. September 2014, 16:35:44 von BoyScout »

Offline Zornhau

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #8 am: 07. September 2014, 18:36:20 »
Das der SL ein anderes Spiel spielt ist schon einigermaßen treffend, ich würde eher noch sagen, er spielt gar kein Spiel.
Das ist nur beim "Erzählonkel" aus dem rollenspielerischen Schandtatenkabinett der Fall. Der spielt nicht, der erzählt nur vor sich hin.

Ich würde KEIN EINZIGES Rollenspiel leiten (oder spielen), in welchem der Spielleiter nicht auch spielen würde.

Das Gameplay von Spielleiter und Spielern unterschiedet sich manchmal etwas, aber sie spielen alle DASSELBE Spiel!

Offline Andreas (RPGnosis)

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #9 am: 07. September 2014, 20:42:22 »
Ok, man müsste es doch wohl besser so formulieren: er spielt das gleiche Spiel in einer dramatisch anderen Rolle/Funktion als alle anderen. Darum geht's hier ja auch: die Aufgaben des Spielleiters einmal positiv zu fassen und zu sammeln, woraus man bei diesem Part alles Spielfreude ziehen kann.
Und vielleicht auch mal zu klarifizieren, worin genau für den SL die spielerische Herausforderung besteht, denn die Charaktere zu killen kann's ja insgesamt kaum sein (oder zumindest sind die allerwenigsten Systeme darauf ausgelegt). 
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Offline Zornhau

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #10 am: 08. September 2014, 02:59:14 »
Charaktere zu töten ist in den meisten Regelsystemen bei regelkonformem Spiel eh schon KEINE Herausforderung.

Aber was hier so oft mit "andere Rolle", "andere Funktion" des SLs bezeichnet wird, ist für mich einfach ein anderes Gameplay auf Basis desselben Regelwerks. - Es ist für mich das Gameplay, also das, was der SPIELER in der Rolle "Spielleiter" tatsächlich im Spiel TUT, was hier den Unterschied ausmacht.

Offline blut_und_glas

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #11 am: 08. September 2014, 08:47:44 »
Und vielleicht auch mal zu klarifizieren, worin genau für den SL die spielerische Herausforderung besteht, denn die Charaktere zu killen kann's ja insgesamt kaum sein (oder zumindest sind die allerwenigsten Systeme darauf ausgelegt).

So recht kann ich da nicht zustimmen. Wenn ich einmal, wie sie oft, den Blick in Richtung der Kriegsspielverwandschaft schweifen lasse, wo wohl einigermaßen Einigkeit darüber herrscht, dass die spielerische Herausforderung zu einem guten Teil auch im Niederkämpfen der gegnerischen Truppen (ergo der Charaktere der anderen Mitspieler) besteht, dann entdecke ich dort natürlich viele Spiele, die - ähnlich wie es so oft beim Spielleiter von Rollenspielen der Fall ist - keine Beschränkungen in ihrem Regelwerk haben, was beispielsweise die Auswahl der eigenen Truppen angeht. Die spielerische Herausforderung existiert hier also unter Bedingungen der freiwilligen Selbstbeschränkung. "Ich könnte einfach einen uralten Drachen auftauchen oder es Felsbrocken auf die Erststüfler regnen lassen" negiert die spielerische Herausforderung ebenso viel oder wenig wie "ich könnte nächstes Mal einfach mit einem kompletten Gardepanzerregiment samt Luftunterstützung aufkreuzen, um seine Rangerkompanie aufzumischen" das tut - das Schlüsselwort bleibt nämlich "könnte". Könnte ich machen, nichts in den Regeln untersagt es mir, tue ich aber trotzdem nicht. Ich will nämlich eine Herausforderung haben.
(Auf der anderen Seite könnte natürlich mein Mitspieler vorschlagen, dass ich genau das doch tun sollen - weil sie gerne eine größere Herausforderung hätten...)

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Offline Greifenklaue

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #12 am: 08. September 2014, 09:12:19 »
Für mich ist die spielerische Herausforderung rel. wichtig, aber die kann man als SL m.E. nicht haben, da der SL über jegliche Herausforderungen selbst entscheided. Gut, es soll auch Leute geben, die gegen sich Schach spielen können aber ich kann meine Interessen vom SL sein nicht so oft trennen.
Ja, aber Du kriegst ja am Ende mit, ob die Spieler es herausfordernd fanden (bzw. merkst das auch beim Spiel direkt). Das meine ich:
- Mit herausfordernen Spiel meinen Spielern ein befriedigendes Erlebnis geben, etwas geschafft zu haben.

Zitat
Auch das Testen des Szenarios an den Spielern empfinde ich eher als Stress, weil oft Situationen aufkommen, die man spontan neu gestalten muss und eben NICHT zu den eigenen SL Vorstellungen passten ("also vermutlich geht ihr zuerst in die Taverne"- "Nee, ich geh zuerst innen Puff" - " oh, äh, ja Moment, gut, 5 min Pause..").
Diesen Stress hatte ich früher auch, auch in der Form die Spieler immer auf die Schienen / den roten Faden zu "zwingen".

Seit ich von ARS en Grundsatz ausgenommen habe "Der SL hat nix zu wollen." (Der sich ja u.a. genau auf solcherlei Vorfestlegungen bezieht.) und Ergebnisoffenheit annehme, entwickle ich Abenteuer mehr aus den Ideen meiner Spieler heraus auf Basis des originalen Abenteuers. Dadurch hab ich echt die Lust auf rollenspiel wiederentdeckt.
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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #13 am: 08. September 2014, 10:57:07 »
Und vielleicht auch mal zu klarifizieren, worin genau für den SL die spielerische Herausforderung besteht, denn die Charaktere zu killen kann's ja insgesamt kaum sein (oder zumindest sind die allerwenigsten Systeme darauf ausgelegt).
In der Gestaltung und Fortführung spielerisch interessanter Situationen.
Das heißt abstrakt erklärt schafft der Spielleiter ein Problem, wird vermutlich hier für bestimmte Lösungswege betrachten oder es jedoch in den Kontext der Spielmechanik vernünftig gestalten. Der bzw. die Spieler interagieren mit dem Problem und der Spielleiter entwickelt die (Problem-)Stellung weiter.

Ein wenig so als wenn man ein Go respektive Schachproblem schafft, wobei es nicht bei dem Problem belassen wird sondern der Spielleiter dies als Ausgangsbasis nimmt mitzuspielen. Im spielerischen Sinn.

Es kann hierbei eine Herausforderung sein ein Problem zu schaffen das an die eigenen Verständnise der Spielmechanik kratzt oder eben eine Herausforderung die für die Spieler interessant ist, zu bewältigen und dennoch für einen selbst spannend.

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Re: Warum seid ihr Spielleiter?
« Antwort #14 am: 08. September 2014, 11:40:07 »
Zitat von: Greifenklaue
Ja, aber Du kriegst ja am Ende mit, ob die Spieler es herausfordernd fanden (bzw. merkst das auch beim Spiel direkt). Das meine ich:
- Mit herausfordernen Spiel meinen Spielern ein befriedigendes Erlebnis geben, etwas geschafft zu haben.
Ja, das hatte ich eigentlich schon adressiert. Die Spieler bewerten die "Performance" des SL. Das ist etwas Anderes als ein "Gegenspieler". Ich würde das mit der Olympiade vergleichen, wobei die Spieler die Jury sind, die die Zahlen hochhalten. Der SL macht das ganze für sich aber auch für seine Spieler.
Ein Spieler, der Herausforderungen im Spiel sucht, benötigt zwar auch den SL (als Gegenspieler, nicht als Jury), aber er hat keinen Druck ihm irgendetwas zu "liefern" und der SL fordert auch nichts in dem Sinne. Auf die Olympiade bezogen wäre der SL für den Spieler das Schwimmbecken ;)

Jedenfalls lief das in meinen Spielrunden so ab. Mir kam noch nie unter, dass ein SL sagte "ihr müsst jetzt mehr ausspielen, mehr Backgroundstorys schreiben, mehr beschreiben, damit ich weiterleiten kann".
Das ARS setzt natürlich voraus, dass die Spieler aktiv werden und einen Plan haben. Vielleicht sollte man das einfach mal als Voraussetzung einfordern, um überhaupt für sie zu leiten :).

Auch ist es, wie gesagt, etwas anderes, ob ich mir SELBST eine Herausforderung stelle (siehe auch  Kriegsspielbeispiel von b_u_g), oder ob ich auf jemand anderen angewiesen bin, mir einen Widerstand zu bieten (Tauziehen z.b.).

Zudem scheinen die SL Herausforderungen eher Meta zu sein (oh Gott, hoffentlich bin ich gut genug für meine Spieler), während die Spielerherausforderungen eher Ingame laufen (oh Gott, hoffentlich überlebt mein SC den Dungeon).

ist halt nicht so einfach das Ganze.
« Letzte Änderung: 08. September 2014, 11:47:45 von BoyScout »