Autor Thema: [Prussian Gamer im Exil]Ich lag falsch mit fast Allem. Die Erklärung Teil 1  (Gelesen 5134 mal)

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Offline Settembrini

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Hier vlt. für alle interessant. In loser Folge durchleuchte ich mal meine Kategoriefehler der Vergangenheit.:
Teil 1

Offline Zornhau

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    • Zornhau schreibt ...
Oje. Fremdschämalarmstufe Rot! - Bei dem frühvergreisten Geseiere, daß im betonummauerten West-Berlin alles besser gewesen sei, wird mir sogar schon fast physisch, nicht nur psychisch übel.

Der Westen: Gleichgeschaltet.
Zonen-Berlin: Die Freiheit hat man hier erfunden.

KOTZ!

Die West-Berliner waren genauso wie heute die (Mal-wieder-Groß-)Berliner überhebliche und in ihrer Überheblichkeit durch und durch peinliche Jammergestalten, die sich was auf ihren Sonderstatus eingebildet hatten - und offenbar immer noch einbilden.

Ich bin in Wilhelmshaven aufgewachsen. Westdeutschland, genauer: BRD, die damals noch demokratische Ausgabe von Deutschland (hat sich ja inzwischen geändert, nachdem der Ostzonentotalitarismus den Westen unterminiert und übernommen hat - GroKo oder SED, wo ist da der Unterschied - anstehende Bundestagswahl: Man kann nur JA zur nächsten GroKo ankreuzen und bekommt noch nicht einmal Blockflöten präsentiert, als pseudodemokratisches Feigenblatt.)

Die im Blogartikel präsentierte Sicht auf Westdeutschland, ist eine so betonköpfig bekloppte, wie ich sie seit dem Mauerfall nicht mehr gehört habe. Offenbar kann man Westberliner aus der Mauerumzäunung herausbringen, aber die Mauern nicht aus deren Köpfen.

Besser-Berliner Besserspieler dürfen gerne mal im Jahre 2017 ankommen.

Offline Settembrini

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Und genau deswegen eckst auch DU überall an: Weil Du nicht bist, wie die anderen Wessis!

Offline tassander

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Hier vlt. für alle interessant. In loser Folge durchleuchte ich mal meine Kategoriefehler der Vergangenheit.:
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Du hast also Heimweh.

Im Sinne der Selbsterkenntnis: vermutlich war nicht nur die Annahme "normal" zu sein falsch, sondern auch die Annahme "besonders" zu sein.  Ich würde mich an deiner Stelle daran nicht zu sehr festhalten wollen.

Mit Antiamerikanismus und Freiwilliger Feuerwehr umspannst du ein großes Milieu, bist aber einer tieferen Erkenntnis auf der Spur.

 Jedoch: Ich kann Berlin nicht ausstehen und komme aus der katholischen Provinz. Trotzdem haben meine Freunde und ich im zarten Jugendalter einen ähnlichen Geschmack wie du gehabt. 

Dein biografischer Erklärungsansatz bleibt also genau das: biografisch. Und als solcher wertvoll.

Offline Settembrini

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Anonsten empfinde ich das Westdeutschland in dem ich hier seit Jahren lebe als massivst Konformitätsgeil. Und wie Du selber sagst sogar politisch. ich kann da nur mit dem kopf schütteln ob der Gleichartigkeit der Lebensentwürfe und Freizeitinteressen. Ein schmales Band, ein sehr schmales.

Offline Settembrini

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Du hast also Heimweh.

Nein, diese Heimat gibt es nicht mehr. Das ist schlimmer als Heimweh.

Offline Settembrini

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Hier vlt. für alle interessant. In loser Folge durchleuchte ich mal meine Kategoriefehler der Vergangenheit.:
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Dein biografischer Erklärungsansatz bleibt also genau das: biografisch. Und als solcher wertvoll.

Das ist ja die Wende, daß ich nur darüber rede, warum ich anders bin, anstatt tief zu schürfen, warum die anderen Deutschen alle Tatort gucken.

Offline tassander

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Verstehe. Also müsste sich jeder von uns individuell fragen warum wir anders sind.
Nach diesem Modell wären wir alle Sonderlinge und ausgestoßene des westdeutschen EinheitsMilieus. Ich verstehe warum du das so empfindest.

Offline Settembrini

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Verstehe. Also müsste sich jeder von uns individuell fragen warum wir anders sind.
Nach diesem Modell wären wir alle Sonderlinge und ausgestoßene des westdeutschen EinheitsMilieus. Ich verstehe warum du das so empfindest.

Ja, tatsächlich, so sehe ich das. Nicht unbedingt ausgestoßen, aber warum nicht wie alle anderen. Insbesondere bei Akademikern erstaunt mich der Konformismus hier im Westen jeden Tag aufs Neue. Ich sprach auch mal mit dem ghoul darüber, der stimmte mir zu.
Und mit meinem Freund aus der Werbung habe ich das auch tief gewälzt.
Selbst Langweiler-Clown Böhmermann steht in letzter Zeit immer öfter vor dem Rätsel.

Offline Settembrini

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Die West-Berliner waren genauso wie heute die (Mal-wieder-Groß-)Berliner überhebliche und in ihrer Überheblichkeit durch und durch peinliche Jammergestalten, die sich was auf ihren Sonderstatus eingebildet hatten - und offenbar immer noch einbilden.

Besser-Berliner Besserspieler dürfen gerne mal im Jahre 2017 ankommen.

Ähm...nun, das finde ich angesichts unserer langen Weggefährtenschaft ein komisches, reflexartiges Argument. Denn ich bin ja vor 12 Jahren eben NICHT so aufgetreten. Tatsächlich ist die Erkenntnis, daß ich ganz anders als wahrscheinlich alle hier und im Tanelorn aufgewachsen und Rollosozialisiert wurde eben erst durch Kommentare anderer erwachsen.
Z. B von Kollegen, die nebenbei anmerken, daß ja nur Untermenschen im Hochhaus wohnen. Oder Einstellungsgesprräche wo über ungefragt Berlin abgelästert wird, da könne man ja keine Kinder großziehen.
Ich könnte Dir dutzende soclher Beispiele nennen, die in mir die sichere Überzeugung nähren, daß die allermeisten Restdeutschen sich von meiner Jugend keinerlei Bild machen und es auch absolut ablehnen. Ungefragt.
Und nun, habe ich die "Berlinbesserspielerkarte" jeh gespielt? in all den Jahren? Ich stelle nur fest, daß nach vielen Conbesuchen hier im Westen und auch in privatrunden und dem was ich online lese sowie bei Roll20 erlebe eine immer deutlicheres Bild abzeichnet. Und witzigerweise, ich sagte es weiter oben, bist Du für mich in Temperamentfragen eben genau der Beweis für meine These, daß man mit etwas mehr Temperament schon ganz, ganz schnell aneckt. Ich mag Dich auf jeden Fall, Zornhau, so wie Du bist, und wenn Du mich nun ab sofort für nen Prollberliner nichtswisser Besserspieler hältst, dann ist das so.  8) :-*

ADD: Ein besonderer Fall sind Wiener. Die müssen daurnd über Berlin und Deutschland reden, auch wenn keiner das zum Thema gemacht hat. Da läuft noch was anderes, was ich nicht verstehe.

Offline Infernal Teddy

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Settembrini hat auch mal interessantes gesagt, aber mittlerweilie ist er wohl endgültig im (N)ostalgiepark angekommen...

Offline Settembrini

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Ich bin Westberliner.

Offline oliof

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ich musste mir Damals(TM) ja vorwerfen lassen, dass ich (vergleichsweise) gut mit Dir ausgekommen bin.

Diese Blogpost-Reihe erklärt, woher das rührt.

Offline Settembrini

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Auf jeden Fall interessiere ich mich die letzten Jahre sehr für die Biographien aller Habitanten des Buchs der coolen Leute. In dem gleichen Maß wie mich die Langweiler anöden. Man denke nur an den Falk Schacht des deutschen Rollenspiels: Dirk Remmecke. Wie konnte er gegn alle Wahrscheinlichkeit der Dirk vom Laden werden, der er ist? Ist ja auch bei Falk Schacht total interessant, wie er wurde, was er ist.

Aber ich ging dieser Neugier nie nach, weil ich selber am anderen Ende war von mehreren Leuten, die mich unbedingt näher kennen lernen wollten. Anstattdessen rede ich mal über mich, dachte ich, und wer mir was erzählen will, der ist eingeladen, muß auch nicht öffentlich sein.

Das Problem für die Szene, also um mal allgemeiner zu werden ist ja Folgendes:

um gute Beiträge innerhalb einer Szene zu bekommmen benötigt man normalerweise:

  • Motivation
  • Selbstorganisation
  • Talent
  • Gelegenheit

Selten genug, aber in den USA z. B. mit einer total standardmäßigen Biographie zu haben, siehe Jeff Rients. In Deutschland muß noch oben drauf ein Grund kommen, warum die Person nicht durch den Mainstreamdrehwolf gemöllert wurde. Also Fehlen gefühlt 90%, und bei den restlichen 10% sind viele, viele schräge Vögel dabei im Guten wie im Schlechten.
Deswegen hat DSA auch nie Autorenprobleme, die haben den 90% Filter nicht. Aber die Jeff Rients Deutschlands schreiben halt Konformbrei oder Midgard.

Midgard ist aus ARS-Kirtikersicht für mich was die schwäbischen Pietisten für den preußischen Calvinisten sind: irgendwie artverwandt aber steif auf eine Weise, daß es fett anstrengend ist, auf einen Nenner zu kommen. Und irgendwann hat man keinen Bock mehr auf die Macken des anderen.

Offline +12vsMentalDamage

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Nichts ist piefiger als die Provinz, die sich für die Avantgarde hält.
Man lasse mal all die Berlin vs. (West-)Provinz-Klischees weg, die allein schon profung engstirnig daherspazieren (der Westler ist entweder Aussenseiter vulgo Halbwaise oder elitäre Provinzbirne, glücklich und satt mit Schule, Sportverein, Musikunterricht und Freiwilliger Feuerwehr - echt wirklich?). Berlin mit seinen vielen Rollenspielläden, Berlin mit den krassen Nerds, dem hohen Niveau und der Fallhöhe zur Provinz? Wie süß! Mir scheint in dieser Selbsterhöhung durch Beweihräucherung des Eigenen und Abwatschung der Anderen, jene Kleinkariertheit und durch diese heimelig riechende Nabelschau auf ein Früher, das eh nie so war, jene Romantik durchzuscheinen, die doch der Provinz angelastet wird. Nicht anders als bei Thomas, dessen System Paranoia war: Es gibt also ein Spiel und einen der weiß wie man es wirklich spielt (und wo wohnt der? In Berlin!) und wenn man dies bei diesem gespielt hat, dann kennt man dieses Spiel? Ist das nicht betonfester Konformismus aus dem Gleichschrittbunker des einen richtigen Spielens/Weges?
In diesem Sinne: Chapeau und Glückwunsch: Der lange Weg von der schlimmsten Hochausgegend Berlins in das behäbige Selbstgefallen der Provinz scheint abgeschlossen. Aber vielleicht musste dafür auch nie ein Schritt gemacht werden - vielleicht ist Berlin nicht anders als der Rest der Republik.
Grüße und Liebe aus dem Südwesten.
« Letzte Änderung: 14. August 2017, 14:51:31 von +12vsMentalDamage »