Autor Thema: [Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I  (Gelesen 5222 mal)

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Offline Blechpirat

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #45 am: 24. August 2017, 15:55:49 »
Wenn welche von den anderen mitmachen, ja. Dirk wäre super.

Dirk unterhält hier im Forum einen Account.
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Offline BoyScout

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #46 am: 24. August 2017, 17:39:02 »
Vielleicht in diesem Thread nicht richtig aufgehoben, aber ich habe da eine Frage: Wie grenzt Ihr (BoyScout/Sette) eigentlich ARS-artiges Spiel von OSR-artigem Spiel ab? Mir fehlt da nämlich irgendwie was. Vielleicht isses auch egal.
Die Frage hatte ich mir damals auch gestellt, aber ich kenne mich mit ARS schlussendlich zu wenig aus, um mir anzumaßen, das beantworten zu können. Es waren schon die oberflächlichen Konzepte, die damals überzeugt haben.
OSR setzt ja einen seeeeehr großen Fokus auf "GM fiat", weit über alle Instanzen hinweg (also auch über die festen Vereinbarungen zwischen den Spielern und GM, Würfelergebnisse etc.). Bei OSR ist der GM das System, er benutzt das nicht nur. Das kommunizieren die Designer und Grognards auch offen so.
ARS SCHEINT mir einen stärkeren Fokus auf Regeleinhaltung zu legen, das ginge dann eher Richtung New-School.

Ich hab mich letztens noch gewundert, dass ein Mitspieler immer noch die Begriffe SchErz und ARS benutzt hat, als es um Spielvorlieben ging. Der Nachhall des ARS-Impacts ist also definitiv noch da, aber wie ich schon mutmaßte, wirkte der sich ausschließlich auf Online-User aus. Die ganzen Analog-Spieler, die außer SPON nichts vom Internet kennen, die wissen gar nicht, was die letzten 20 Jahre im RPG passiert ist.


Einen Podcast über das Thema fände ich SEHR spannend. Zumal ich auch Podcasts aufmerksam hören kann, während ich etwas anderes tue. Das ist beim Lesen schwieriger.
System-Matters scheint mir da echt ein guter Ansprechpartner zu sein.
« Letzte Änderung: 24. August 2017, 17:43:43 von BoyScout »

Offline Settembrini

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #47 am: 30. August 2017, 07:37:17 »
Case in point: Staffel 7 zeigt, wie "rule of kewl" und "Drama" etwas Wahres und Schönes kaputtmachen oder zumindest schmälern können.
GRRM ist ARS, die Showrunner Benniof und Weiss sind SCHERZ.

Offline Lord Verminaard

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #48 am: 30. August 2017, 10:29:32 »
Leider ja, und nicht erst seit S7. :(

Offline Settembrini

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #49 am: 30. August 2017, 11:34:28 »
Wer alles von bestimmten "kewlen" Situationen angenervt war, der weiß wie ich mich bei 99% aller Storykram-Sachen fühle:

*SEUZF*
 ::)

Besonders dämlich waren die unglaubwürdigen Rettungen aus Gefahren, die sowieso unnötig und konstruiert waren. und da sind wir ganz schnell bei genau diesem "ESKALATION! KONFLIKTE! EMOTION!" was man doch ohne bösen Willen der Storyfraktion zurechnen darf.

Weiland vor Jahrzehnten habe ich mal in einem Interview gesagt, daß Rollenspiele wie ein Film sind, bei dem man aber selber eben die Erzähldiotien verhindern kann. Mein Beispiel waren glaube ich Horrorfilme:"Geh nicht zur Tür!!!" Warum immer wieder Leute diese Dinge wieder hineinregeln wollen werde ich nie verstehen, aber muß ich auch nicht.

Aber wie man auf die Idee kommt, spontan und als einzelner regelmäßig etwas in Sekunden zu produzieren, was besser ist als Benioff und Weiss, das ist schon ziemlich vermessen.

Es sei denn, man spielt einfach ohne ne Story produzieren zu wollen...dann passiert das automatisch und das ist GRRMs Kraftquelle, gewesen: Rollenspiel der hergebrachten Variante.

Offline Blechpirat

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #50 am: 30. August 2017, 12:42:59 »
Es sei denn, man spielt einfach ohne ne Story produzieren zu wollen...dann passiert das automatisch und das ist GRRMs Kraftquelle, gewesen: Rollenspiel der hergebrachten Variante.

Vorab: Ich kenne nur die Bücher. Aber da merkt man eben auch, dass genau das von dir als "Kraftquelle" bezeichnete sein Problem ist: Drauf los schreiben, ohne vorher eine Struktur zu haben. Tausend offene Fäden - die in den ersten Büchern natürlich toll sind. Aber dann fängt er an sich in den offenen Fäden zu verheddern. Kann sie nicht mehr zusammenführen. Und das letzte Buch, Dances with Dragons, ist deshalb auch ... schlecht. Er wird immer langsamer, in getippten Buchstaben, aber auch im Erzähltempo pro Buchseite. Vermutlich hat er kaum noch einen Überblick, und keine klare Vorstellung von einem Ende. Romane gehen eben anders.
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Offline JollyOrc

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #51 am: 30. August 2017, 13:59:02 »
Ich behaupte mal:

GoT/TV zeigt als Endresultat, was herauskommt, wenn man nur noch nach Rule of Cool schaut, und für "Mehr Drama!" alle vorab aufgestellten Konventionen und inner-welt-Regeln verwirft.

Im Ergebnis sind die einzelnen Szenen halt schick und dramatisch, eingebettet in die größere Handlung werden sie aber zunehmend weniger sinnhaltig. Charaktereigenschaften wechseln wie Fähnchen im Wind, Entfernungen haben keine Bedeutung mehr und das ganze fühlt sich nur noch nach aufgewärmter Suppe an. Das hat übrigens mit gekonnten Geschichtenerzählen, und damit eben auch mit Storyspielen wie ich es verstehe, recht wenig zu tun.

GoT/Buch zeigt als Endresultat, was herauskommt, wenn man alle Dinge für sich betrachtet konsequent zu Ende denken will, ohne bei jeder Entscheidung ein Ziel im Kopf zu behalten.

Die einzelnen Szenen und Entscheidungen sind alle toll und nachvollziehbar. Jeder Charakter für sich handelt stimmig, und in der Nachschau ist alles glaubwürdig. Aber es ergibt eben nicht zwangsläufig eine gute Story. Denn bei einer guten Geschichte werden Szenen dazu genutzt, die Gesamtgeschichte voran zu bringen, sind nicht nur Selbstzweck (das gilt übrigens auch für die "Mehr Drama!" Fraktion!). Natürlich ist es in sich stimmig, wenn Tyrion ein ganzes Buch nur noch zynisch "where do whores go?" fragt, aber das ist eben auch nach der zehnten Wiederholung oder so strunzlangweilig.

(ARS liefert IMO ja auch nur deshalb gute Geschichten als Ergebnis ab, weil man uninteressante Nebenstränge in der Nacherzählung schlicht weglässt.)

Offline Lord Verminaard

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #52 am: 30. August 2017, 19:35:15 »
Aber wie man auf die Idee kommt, spontan und als einzelner regelmäßig etwas in Sekunden zu produzieren, was besser ist als Benioff und Weiss, das ist schon ziemlich vermessen.

Weiß ja nicht, wer das behauptet. Wenn wir das machen, dann geht da tagelange Vorbereitung rein für eine Sitzung von 5-6 Stunden. Charaktere mit Backstory und Conflict Web entwickeln, mit allen Spielern. Darauf maßgeschneidert als SL einen "Plot" entwickeln, was ja nichts anderes bedeutet als SL-Backstory, Konflikte, und SL-Geheimnisse (aka "Plot Twists"). Das muss bei mir z.B. tagelang sacken und sich entwickeln, wenn es gut werden soll. Andere schwören drauf, einen "Plot Doktor" zu rate zu ziehen, also Rat von dritter Seite einzuholen. Der Rest ist dann halt die Intuition am Spieltisch, ohne die es ja auch im ARS nicht geht, du brauchst halt schon Leute, die was können, sonst kommt auch beim ARS nur Lameness raus.

Allerdings, und das muss man leider irgendwie zur Kenntnis nehmen, gibt es ja auch Leute, die S7 gut finden. Ich kenne auch einige und es ist nicht so, dass mit denen grundsätzlich irgendwas nicht stimmen würde, habe mit einigen von denen auch schon sehr gute Rollorunden gespielt. Ich verstehe es selbst nicht. ;)

Offline viral

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #53 am: 30. August 2017, 21:01:16 »
GRRM Konzept war ... Eine Überraschung/Twist der dich wie eine Faust ins Gesicht trifft und danach kamen die Erläuterungen, warum es so kam.

S7 deutet die Ereignisse und den möglichen Plot derart offensichtlich an, dass man nicht wirklich überrascht ist. Mal abgesehen von den Teleport-Raben und den Teleportarmeen und sonstige Ungereimtheiten.
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Offline Lord Verminaard

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #54 am: 30. August 2017, 21:12:57 »
Das Hauptproblem bei GoT 2017 ist doch, dass die innere Motivation der Figuren überhaupt keinen Sinn mehr ergibt und ganz offensichtlich ihr jegliches Handeln nur noch, einzig und allein, dem einen Zweck dient, zur nächsten "epischen Szene" zu kommen.

Offline viral

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #55 am: 30. August 2017, 21:47:51 »
das fällt bei mir unter Ungereimtheiten ... ich will hier jetzt nicht Spoilern.

Aber ich kenn Leute denen gefällt S7 und ich kenn auch einige die finden S7 schrecklich schlecht. Gemessen an Vielem was in der Glotze läuft, ist S7 ja immernoch ganz gut. Gemessen an S1-S5 und vorallem gegenüber den Büchern (bis auf das letzte Buch) ist S7 aber meinem Empfinden nach schlecht.

Als ich die Bücher las haben mich die Twists echt mitgerissen und oft total überrascht. Die Auflösung der Twists war ziemlich überzeugend (Erläuterung der Motivation der Protagonisten)

 

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Offline Settembrini

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« Antwort #56 am: 31. August 2017, 06:22:07 »
Also meine "Seufz-Momente" waren vor allem in den Actrionszenen. Deswegen "rule-of-kewl"-Kritik. Und Kritik an "Komplikation ist besser als Charaktertod!". Das sind ja Sachen, die die Storyfraktion gerne mal fordert.

Gewalt und Action sind dürfen eben NICHT nach moralischen oder Storygesichtspunkten aufgelöst werden. Das nimmt alle Spannung und Dramatik. Und des einen "kewle Rettung" ist des anderen Mary-Sue und plot-protection.

Offline JollyOrc

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Antw:[Prussian Gamer im Exil] Lost Smackdowns Vol. I
« Antwort #57 am: 31. August 2017, 14:50:06 »
Also meine "Seufz-Momente" waren vor allem in den Actrionszenen. Deswegen "rule-of-kewl"-Kritik. Und Kritik an "Komplikation ist besser als Charaktertod!". Das sind ja Sachen, die die Storyfraktion gerne mal fordert.

sie fordert aber doch nur "Komplikation ist besser als Charaktertod wenn dieser langweilig ist." Das ist ein entscheidendes Kriterium! Es macht halt einen Unterschied, ob Jon Snow einfach beim Spazierengehen in ein Loch fällt und ertrinkt, und es dann keinen juckt, die Thronfolge geräuschlos vonstatten geht und das keinen Einfluss auf irgendwas hat. Da ist es recht und billig zu sagen "nee, langweilig, lasst uns das mal ignorieren und Jon weitermachen lassen."

Wenn er aber ins Loch fällt, ertrinkt und danach der Nachfolgekrieg losgeht weil er halt keine Kinder hat, dann ist das spannend und sollte so hingenommen werden.

Und das ist das Problem von Staffel 7: Es gehen nur noch Leute drauf, bei denen klar ist, dass sie a) keine Publikumslieblinge und b) für den Rest der Handlung völlig entbehrlich sind. Redshirts halt. Im Grunde sind das ja gar keine Komplikationen, die da gewählt werden. Nennt mir einen Charakter, der in Staffel 7 von der schon sicheren Klinge gesprungen ist und sich dabei eine wirkliche Komplikation eingehandelt hat. Also etwas, was nicht innerhalb der nächsten 5 Minuten in Wohlgefallen aufgelöst wurde..


(click to show/hide)

Offline Lord Verminaard

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« Antwort #58 am: 31. August 2017, 21:46:00 »
"Style over Substance" und Absehbarkeit sind aber zwei unterschiedliche Themen, bitte nicht beides unter "Rule of Cool" in einen Topf werfen.

Offline Settembrini

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« Antwort #59 am: 01. September 2017, 06:15:54 »
Mag sein, ich wollte nur das gelangweilt-genervte Gefühl mit einem Beispiel unterfüttern. Denn: Mir geht's weniger um glasklare Definitionen derzeit, als daß man sich gegenseitig zumindest im Ansatz versteht, was man überhaupt meinen könnte.